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Entscheidungsmethoden – Eine Wahl zwischen Alternativen treffen.

Alternativen

Ganz häufig muss man sich zwischen zwei oder mehr Alternativen entscheiden.

Was aber tut man, wenn die Alternativen sehr ähnlich sind oder so gar nicht miteinander vergleichbar scheinen?

In diesem Teil der Serie über Entscheidungsmethoden stellen wir heute ein paar Strategien vor, die einem in dieser Situation helfen können, die richtige Wahl zu treffen.

Die Methoden Entscheidungsmatrix (bzw. die gewichtete Entscheidungsmatrix) und PMI (Plus Minus Interesting) haben wir ja schon im Artikel „Entscheidungsmethoden – Komplexität reduzieren, Klarheit schaffen.“ vorgestellt. Wer es unkonventionell mag, kann es auch mit Pendeln versuchen, ein weiterer Weg eine Wahl zu treffen, wenn man mehrere Alternativen hat.

Hier nun drei weitere Entscheidungsmethoden, die helfen können, Alternativen zu bewerten und eine Wahl zwischen ihnen zu treffen.

Entscheidungsbaum

Die Entscheidungsbaum-Technik basiert bei einfachen (binären) Entscheidungsbäumen auf einer einfachen JA/NEIN-Klassifikation einzelner Entscheidungsaspekte. Mittels einer streng hierarchischen Struktur kann man damit systematisch zu einer Entscheidung zu kommen. Ein Baum enthält dabei grundsätzlich Regeln zur Beantwortung von nur genau einer Fragestellung.

Vorgehen:

  • Die Frage definieren, zu der eine Entscheidung getroffen werden soll.
  • Um zu einer Entscheidung zu gelangen, geht man Stück für Stück den Baum nach unten durch.
  • An jedem Knoten wird ein Attribut abgefragt und eine Entscheidung über die Auswahl des folgenden Knoten getroffen.
  • Dies wird solange fortgesetzt, bis man am Ende des jeweiligen Astes, d.h. beim Blatt angekommen ist.
  • Nun steht die Entscheidung (Klassifikation) fest.

Beispiel-Vorlage:

Ein Beispiel für einen Entscheidungsbaum ist im Artikel „Künstlersozialkasse – QuickCheck“ dargestellt, um zu entscheiden, ob auf eine Rechnung die KSK-Abgabe fällig wird oder nicht:

Checkliste Künstlersozialkasse

Checkliste Künstlersozialkasse

Auf WikiPedia wird ein Entscheidungsbaum genutzt, um zu entscheiden, ob ein Bild hochgeladen werden darf oder eben auch nicht:

Entscheidungsbaum

Entscheidungsbaum

Ergänzend zum einfachen Entscheidungsbaum, der nur eine reine JA/NEIN-Entscheidung an den einzelnen Knoten des Baumes ermöglicht, kann man den einzelnen Schritten noch Wahrscheinlichkeiten hinzufügen, mit der die Konsequenzen einer Wahl eintreffen werden. So lassen sich auch komplexere Alternativen vergleichen.

Vorgehen:

  • Die Frage definieren, zu der eine Entscheidung getroffen werden soll. Sie ist der Ausgangspunkt der Baumstruktur.
  • Auf der ersten Ebene werden nun mögliche Optionen / Alternativen aufgelistet, zwischen denen entschieden werden kann.
  • Die zweite Ebene enthält die sich aus den verschiedenen Alternativen ergebenden Ereignisse oder Variablen.
  • Die dritte Ebene zeigt die finale Konsequenz des jeweiligen Astes und bildet dann Abschluss, d.h. das Blatt des Baumes.
  • Wichtig ist, dass sich auf jeder Ebene nur Elemente desselben Typs befinden (Alternativen, Ereignisse, Konsequenzen).
  • Jedem einzelnen Wert werden nun Wahrscheinlichkeiten zugeordnet, mit denen dieser Fall eintreten kann. Diese Eintrittswahrscheinlichkeiten sind dabei entweder bekannt oder werden geschätzt (in %, bei einer Schätzung ergeben die Werte zusammen immer 100%).
  • Anhand der Werte der einzelnen Schritte kann nun ermittelt werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Konsequenz einer Entscheidung für die eine oder andere Alternative eintritt und wie diese aussieht.

Beispiel-Vorlage:

Um das ganze ein wenig zu verdeutlichen, hier mal ein Muster-Entscheidungsbaum mit geschätzten Wahrscheinlichkeiten:

Muster-Entscheidungsbaum

Muster-Entscheidungsbaum

Dabei ergibt sich das Ergebnis jeweils aus der Multiplikation der Konsequenzen mit ihren Eintrittswahrscheinlichkeiten (gewogener Durchschnitt, s.a. „Kaufmännisches Rechnen – Grundwissen“):

  • Aktienkauf: 1.000 x 1,05 x 0,5 + 1.000 x 1 x 0,3 + 1.000 x 0,95 x 0,2 = 1.015 EUR
  • Festgeld: 1.000 x 1,05 x 1 = 1.050 EUR

Auch komplexere Investitionsentscheidungen lassen sich mit Hilfe von Entscheidungsbäumen gut treffen, z.B. ob eine Investition in eine neue Maschine (1.000 EUR) getätigt werden soll und ob die Nachfrage ggfs. mittels Werbung (200 EUR) angekurbelt werden muss bzw. soll oder eben auch nicht:




WERBUNG
Investitionsentscheidungen treffen

Investitionsentscheidungen treffen

Bei diesem Beispiel erfolgt die Berechnung der Entscheidung von hinten nach vorne:

  • Zunächst berechnet man mithilfe des gewogenen Durchschnitts den Erwartungswert für den Erfolg der Werbemaßnahmen (wobei natürlich die Kosten für die Werbung in Abzug gebracht werden müssen): 2.000 x 0,6 + 1.400 x 0,4 – 200 EUR = 1.560 EUR
  • Anhand dieses Werts kann die erste Zwischenentscheidung getroffen werden: falls die Nachfrage gering ist, so ist der Wert für das Schalten von Werbung höher als der für das Unterlassen von Werbemaßnahmen. D.h. falls man investiert und die Nachfrage gering ist, so wird auf jeden Fall Werbung geschaltet. Der Fall, dass keine Werbung geschaltet wird scheidet somit aus und muss nicht weiter betrachtet werden.
  • Danach geht man zum vorangehenden Entscheidungspunkt: soll überhaupt investiert werden? Auch hier wird wieder der Erwartungswert der Investition mit Hilfe des gewogenen Durchschnitts berechnet (und natürlich werden hier auch die Investitionskosten abgezogen): 2.000 x 0,7 + 1.560 x 0,3 – 1.000 EUR = 868 EUR
  • FAZIT: die Investition lohnt sich auf jeden Fall, egal ob die Nachfrage gering oder hoch ist.

Kostenvergleich

Eine einfache Rechenmethode zur Entscheidungsfindung bei der Wahl zwischen verschiedenen Alternativen ist der Kostenvergleich. Dabei werden ganz simpel die Kosten der unterschiedlichen Varianten gegenübergestellt, die günstigste Variante gewinnt.

Ob diese Variante jedoch auch unter anderen Aspekten die BESTE Entscheidung ist, wird mittels eines Kostenvergleichs nicht ermittelt. Daher sollte man den Kostenvergleich nicht als alleinige Entscheidungsmethode wählen, sondern als Ergänzung.

Scoring Methode oder auch Nutzwert-Analyse

Bei der Scoring Methode geht es darum anhand von Punkten und Gewichtungen systematisch die beste Alternative zu finden. Sie dient der Bewertung z.B. von Produktideen, Produkten, Projekten, Material oder Lieferanten.

Alle entscheidungsrelevanten Aspekte der vorhandenen Alternativen werden dabei aufgelistet und mit Hilfe von Punktevergaben bewertet. So wird versucht auch qualitative Faktoren und subjektive Einschätzungen berechenbar zu machen, um eine Entscheidung treffen zu können.

Vorgehen:

  • Alle relevanten Informationen zu allen Alternativen zusammen stellen.
  • K.O.-Kriterien definieren, die auf jeden Fall erfüllt sein müssen. Direkt alle Alternativen aussortieren, die diese Kriterien nicht erfüllen.
  • Alle weiteren Kriterien, die entscheidungsrelevant sind, definieren und diese dann gewichten (in Prozent, zusammen sollten die Gewichtungsfaktoren 100% ergeben).
  • Alle Kriterien und Alternativen in eine Tabelle eintragen.
  • Jeder Alternative Punkte geben für jedes Kriterium.
  • Um zu einer Entscheidung zu gelangen werden dann die Punkte mit der jeweiligen Gewichtung multipliziert, die Summe dieser Werte ergibt dann den Nutzwert der jeweiligen Variante.
  • Die Alternative mit den meisten Punkten gewinnt.

Beispiel-Vorlage:

Beispiel Scoring Methode

Beispiel Scoring Methode

Zu den Nachteilen der Scoring Methode gibt es bei http://de.wikipedia.org/wiki/Scoring-Modell einige wichtige Hinweise:

  • Es ist möglich, dass lediglich die beste Alternative aus lauter schlechten ausgewählt wird. Um dies zu vermeiden, kann vorher eine Mindestgesamtpunktzahl festgelegt werden.
  • Dadurch, dass die erreichten Einzelpunktzahlen einfach aufaddiert werden, kann ein sehr gutes Abschneiden bei einem Kriterium ein sehr schlechtes Abschneiden bei einem anderen Kriterium ausgleichen. Soll dies eingeschränkt werden, können bei einzelnen Kriterien Mindestpunktwerte festgelegt werden.
  • Verzerrungen, die auf Grund der subjektiven Vergabe der Gewichtungsfaktoren und der subjektiven Einschätzung der Kriterien erfolgen, lassen sich nicht ganz vermeiden.
  • Es ist darauf zu achten, dass die einzelnen Kriterien unabhängig voneinander sind, weil sonst der gleiche Sachverhalt bei mehreren Kriterien einfließt und somit das Ergebnis verzerrt.

Trotz der ausgeführten Kritik bietet ein Scoring Modell eine gute Hilfe bei komplexen Entscheidungen. Entscheidungsvorgänge werden dadurch transparent und nachvollziehbar gemacht.

Weitere Methoden um eine Wahl zwischen Alternativen zu treffen

Neben den hier vorgestellten Methoden habe ich noch weitere Techniken im Unternehmerhandbuch vorgestellt, die bei der Wahl zwischen Alternativen hilfreich sein können:

Mehr Informationen

Weitere Entscheidungsmethoden und ihre Anwendungsgebiete stelle ich euch in kommenden Artikeln vor. Alle bisher erschienenen Beiträge rund um das Thema findet ihr hier:

Entscheidungsmethoden

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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