Management & Controlling
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Entscheidungsmethoden – Analysemethoden 1. Teil

Analysemethoden

Manchmal muss man, bevor man überhaupt eine Entscheidung treffen kann, erst mal die vorhandenen Alternativen genau durchleuchten oder die aktuelle Situation analysieren. Diese Analysephase ist oft ein zwingend notwendiger Schritt, um Probleme lösen oder eine Entscheidungssituation realistisch einschätzen zu können.

Im heutigen Artikel stelle ich einige Analysemethoden vor, die häufig im unternehmerischen Alltag genutzt werden.

Die Portfolio-Methode

Hinter dieser Methode steht die Frage, wie ihr die Relation zwischen Risiko und Gewinn optimieren könnt.

Ursprünglich wurde die Portfolio-Methode von Harry M. Markowitz entwickelt, um die optimale Zusammensetzung von Wertpapier-Depots zu ermitteln. Er erhielt 1990 für seine Theorie der Portfolio-Auswahl den Wirtschaftsnobelpreis.

Die Portfolio-Methode wurde auf die strategische Unternehmensführung übertragen, indem Produkte oder Geschäftsbereiche hinsichtlich Ertragskraft und Risiko bewertet werden.

Die BCG-Matrix

Mit Hilfe der klassischen 4-Felder-Matrix der Boston Consulting Group können unrentable Produkte oder Geschäftsbereiche identifiziert, sowie Marktchancen und unbesetzte Nischen aufgezeigt werden. Sie dient als Grundlage für unternehmerische Investitionsentscheidungen.

BCG-Matrix

4-Felder-Matrix der Boston Consulting Group

Vorgehen

  • 4-Felder-Matrix aufmalen
  • die Produkte / Geschäftsfelder anhand Ihrer Werte bezgl. Marktanteil und Marktwachstum in das Koordinatensystem eintragen (hierfür benötigt man natürlich die entsprechenden Zahlenwerte)
  • die jeweiligen Umsatzpotentiale werden mittels großer oder kleiner Kreisflächen für das jeweilige Produkt / Geschäftsfeld dargestellt
  • für jedes Feld der Matrix gibt es als Handlungsempfehlung eine sogenannte Normstrategie, an der sich der Unternehmer bei seiner Entscheidung für das weitere Vorgehen in Bezug auf das dort positionierte Produkt / Geschäftsfeld orientieren kann

Normstrategien

Für jedes der Felder der BCG-Matrix gibt es empfohlene Normstrategien:

  • Fragezeichen (hohes Wachstumspotenzial aber nur geringe Marktanteile) – Strategieempfehlung: Selektion
    Hier muss der Unternehmer entscheiden, ob sich eine Investition lohnt, um die Fragezeichen zu Stars auszubauen oder ob er die Produkte vom Markt nimmt ehe sie Geld verbrennen und zu „poor dogs“ werden, weil er ihnen nicht genug Ertragschancen zutraut.
  • Stars (hoher Marktanteil & hohes Marktwachstum) – Strategieempfehlung: Investition
    Bei den Stars lohnt sich die Investition, da sie durch ihren hohen Marktanteil in wachsenden Märkten die eingesetzten Mittel wieder erwirtschaften. Ziel ist es ihre Position zu festigen und auszubauen, denn sie haben eine reale Chance zu Cash Cows zu werden.
  • Cash Cows (niedriges Marktwachstum aber hoher Marktanteil) – Strategieempfehlung: Abschöpfen
    Hier wird das Geld verdient. Es sind keine immensen Investitionen mehr nötig, da die Marktposition gefestigt ist und durch den hohen Marktanteil ist die Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen deutlich positiv. Rationalisierungsmaßnahmen helfen bei den Cash Cows die Marge zu erhöhen um so die Gewinnspanne zu erhöhen und die Stars & Fragezeichen zu finanzieren.
  • Dogs (niedriger Marktanteil & niedriges Marktwachstum) – Strategieempfehlung: Desinvestition oder Elimination
    Der Markt stagniert bzw. verkleinert sich und ebenso der Marktanteil. Hier sollte nicht mehr investiert werden, denn es wird nicht wirklich Geld verdient. Spätestens wenn der Deckungsbeitrag negativ wird sollte das Produkt / der Geschäftsbereich eingestellt werden und Kapital & Ressourcen lieber in ertragreichere Bereiche investiert werden.

Wer sich näher mit der Portfolio-Analyse beschäftigen möchte, findet hier weitere Infos:

Die SWOT-Analyse

Bei der SWOT-Analyse handelt sich um ein gutes Tool, um den eigenen Standort zu bestimmen oder die Unternehmenslage einzuschätzen.

SWOT steht dabei für:

  • S = Strengths (Stärken)



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  • W = Weaknesses (Schwächen)
  • O = Opportunities (Chancen)
  • T = Threats (Gefahren)

Stärken und Schwächen liegen im Unternehmen selbst, sie sind daher durch interne Entscheidungen beeinflussbar. Hier gilt es eine klare Innensicht zu entwickeln, um optimale Entscheidungen zu treffen und sich im Vergleich zur Konkurrenz positiv abzuheben.

Chancen und Gefahren sind vom Unternehmen kaum beeinflussbar, da sie auf externen Faktoren beruhen. Hier gilt es die strategischen Möglichkeiten sicher einzuschätzen, um ggfs. schnell und optimal reagieren zu können.

Vorgehen:

  • Das Thema der Analyse genau formulieren. SWOT-Analysen beziehen sich immer auf ein konkretes Ziel, sonst sind die Fragen zum Unternehmen und seinem Umfeld kaum eindeutig zu beantworten.
  • Unternehmensanalyse: welche Stärken & Schwächen trägt das Unternehmen in sich?
  • Umweltanalyse: welchen strategisch relevanten Chancen und Gefahren muss sich das Unternehmen stellen?
  • Nun wird gezielt nach möglichen Kombinationen der einzelnen Bausteine der SWOT-Analyse gesucht, um aus ihnen Strategien und Maßnahmen abzuleiten die sich dem Unternehmen bietenden Chance zu nutzen und Risiken abzuwehren. (s. Abbildung)
SWOT-Analyse

SWOT-Analyse

Wichtig: Bei der SWOT-Analyse geht es darum die wirklich relevanten Stärken / Schwächen und reale Chancen / Risiken zu identifizieren. Relevant heißt hierbei z.B. Stärken / Schwächen sind nur dann wichtig, wenn sie einen Einfluss auf die Wettbewerbsposition des Unternehmens haben. Chancen müssen für das Unternehmen real nutzbar sein, Risiken sind nur dann wirklich relevant, wenn das Unternehmen zu ihrer Bekämpfung schlecht aufgestellt ist.

Kriterienkatalog  für die Unternehmens- & Umfeldanalyse:

Weiterführende Links:

Weitere Analysemethoden

Die Medaillen-Methode nach Edward de Bono stelle ich euch in einem separaten Artikel vor, da sie doch recht komplex zu beschreiben ist.

Weitere Methoden, um Situationen zu analysieren und zu bewerten, habe ich bereits früher im Unternehmerhandbuch vorgestellt:

  • Scoring Methode: Bei dieser Methode geht es darum, anhand von Punkten und Gewichtungen systematisch die beste Alternative zu finden. Sie dient der Analyse und Bewertung z.B. von Produktideen, Produkten, Projekten, Material oder Lieferanten.
  • Kostenvergleich: Eine einfache Rechenmethode zur Entscheidungsfindung bei der Wahl zwischen verschiedenen Alternativen. Dabei werden ganz simpel die Kosten der unterschiedlichen Varianten analysiert und gegenübergestellt.
  • Würfeln: Manchmal ist es hilfreich, einfach etwas ganz anderes zu versuchen und nicht mehr den Kopf, sondern etwas total unwissenschaftliches zu nutzen, um zu einer Entscheidung oder Prognose zu gelangen.

Mehr Informationen

Weitere Entscheidungsmethoden und ihre Anwendungsgebiete stelle ich euch in kommenden Artikeln vor. Alle bisher erschienenen Beiträge rund um das Thema Entscheidungen findet ihr hier:

Entscheidungsmethoden

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

4 Kommentare

  1. Alex sagt

    Glauben Sie man kann anhand einer SWOT-Analyse das Scoring Modell aufstellen? Schreibe gerade an meiner Seminararbeit und das war eigentlich mein geplanter Weg.

  2. Bergfreunde sagt

    Puezgruppe – TOURISTISCHE ERSCHLIESSUNG…

    Ich lese häufig Ihr Blog und finde es immer sehr interessant. Dachte, es sei an der Zeit, ich lasse Sie das mal wissen, machen sie weiter mit ihrer großartigen Arbeit…

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