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Entscheidungsmethoden: die Medaillen-Methode – Analysemethoden 2. Teil

Medaillen-Methode

Und hier nun wie angekündigt Teil 2 der Analysemethoden, die Medaillen-Methode nach Edward de Bono.

Die Medaillen-Methode hilft bei der Entscheidung, ob sich z.B. die weitere Beschäftigung mit einer Idee lohnt oder welches von zwei Projekten umgesetzt werden sollte. Sie gibt uns Anhaltspunkte den Wert eines Projekts oder einer Idee zu bemessen und so herauszufinden, ob eine Umsetzung überhaupt sinnvoll ist oder welche Alternative die erfolgversprechendere ist.

Medaillen-Methode

Die Medaillen-Methode bietet eine klare Struktur für die Lenkung der Aufmerksamkeit bei der Bemessung von Werten (Auswirkungen) von Projekten, Entscheidungen oder Ideen. Ohne diese Strukturen schweift das Denken gerne mal ab und wir verlieren den Fokus. Mit Hilfe der einzelnen Medaillen können Ideen / Projekte / Entscheidungen gezielt nach ihrer Werthaltigkeit für das Unternehmen analysiert und so besser „gemessen“ werden.

Um die verschiedenen Arten von Werten zu betrachten werden 6 Wertekategorien gebildet, versinnbildlicht durch 6 Medaillen. Sie helfen die entscheidungsrelevanten Werte zu ordnen und ihren Einfluss auf die Entscheidung sichtbar zu machen.

Indem man sich nacheinander jeweils auf nur eine Art von Werten konzentriert, kann spezifischer und präziser gearbeitet werden, als wenn man sich alle Werte / Wirkungen auf einmal anschauen würde. (Fokussieren hilft bei Denken!)

(Im Folgenden steht Projekt auch immer für Entscheidung oder Idee…)

Wertekategorien

  • Goldene Werte = menschliche Werte, d.h. die Wirkungen eines Projekts, die den Menschen betreffen (z.B. Menschenwürde, Vertrauen, Anerkennung, Respekt, Hoffnung, Freiheit, Fairness). Goldene Werte sind alle Werte / Wirkungen, die ein Projekt oder eine Entscheidung für die betroffenen Menschen hat. Dabei kann es bei der Prüfung auch darum gehen, negative Auswirkungen wie z.B. Entlassungen zu vermeiden oder bestehende Mängel zu beheben.
  • Silberne Werte = unternehmerische Werte, d.h. die Wirkungen eines Projekts, die mit den Zielen und Abläufen des Unternehmens zu tun haben (z.B. Gewinnmaximierung, Prozessoptimierung, Kostenkontrolle bzw. –senkung). Silberne Werte sind organisatorische Werte. Bei ihrer Betrachtung geht es darum, ob ein Unternehmen seinen Zweck erfüllt (im Fokus stehen meist Überleben und Maximieren…) und ob die internen Abläufe gut funktionieren. Auch bei den silbernen Werten geht es neben der Schaffung von positiven Wirkungen auch oft um die Vermeidung negativer Wirkungen wie z.B. die Beseitigung bürokratischer Hürden.
  • Metallene Werte = Qualitätswerte, d.h. die Wirkungen eines Projekts, die in Bezug zu den an das Produkt / den Service gestellten (Kunden-)Erwartungen stehen. Bei der Überprüfung der metallenen Werte eines Projekts geht es darum heraus zu finden, mit welchen Gütegrad das angestrebte Ziel erreicht wird.
  • Gläserne Werte = Kreativitäts- & Innovationswerte, d.h. die Wirkungen eines Projekts, die aus der Kultur und dem kreativen Geist innerhalb eines Unternehmens entstehen und solche, die sich aus neuen Ideen ergeben. Hier geht es darum heraus zu finden, was sein könnte, d.h. eine Vorstellung von den Potentialen eines Projekts zu entwickeln.
  • Hölzerne Werte = ökologische Werte, d.h. die Wirkung eines Projekts, die es auf Dritte hat (dabei ist hier nicht nur die Natur gemeint sondern auch alle Dinge und Menschen, die nicht direkt involviert aber sehr wohl betroffen sind). Bei der Analyse der Hölzernen Werte eines Projekts geht es darum heraus zu finden, wie sich die eigenen Handlungen auf Bereiche auswirken, die nicht direkt im eigenen Interessengebiet liegen. Es geht darum ökologische, soziale und andere Auswirkungen auf Dritte zu überprüfen und zu bewerten. Ob man dann Rücksicht auf deren Interessen nimmt oder sich bewusst darüber hinwegsetzt bleibt dann jedem selbst überlassen…
  • Messing-Werte = wahrnehmungsbedingte Werte, d.h. die Wirkungen eines Projekts, die auf der reinen Wahrnehmung / dem äußeren Eindruck basieren (es geht also nicht um die realen Werte sondern nur um die wahrgenommenen Werte / Eigenschaften / Wirkungen eines Projekts oder Produkts). Bei der Prüfung der Messing-Werte eines Projekts geht es also darum zu untersuchen, wie es von außen wahrgenommen werden wird und natürlich wie die Wahrnehmung (positiv) beeinflusst werden könnte.

Wertegrade

Nachdem man sich über die verschiedenen Werte / Wirkungen eines Projekts Gedanken gemacht hat, stellt sich natürlich die Frage, wie man diese am besten misst und vergleicht. Umsatzsteigerungen sind ja noch einfach zu beziffern, aber wie misst man Mitarbeiterzufriedenheit oder gute Reputation?

Da sich nicht alle Werte beziffern lassen, greift De Bono auf das subjektive Empfinden der einzelnen Wertgrößen zurück, um eine Messung und Bewertung zu ermöglichen und kategorisiert die einzelnen Werte nach folgenden Wertegraden:

  • Starke Werte – hierzu zählen nur die wirklich wichtigen Auswirkungen eines Projekts: eine beträchtliche Lohnerhöhung (Gold), eine 20%ige Umsatzsteigerung (Silber), die komplette Umstellung einer Chemieanlage auf Windenergie (Holz) etc. (Prüffrage: ist dieser Wert ohne jeden Zweifel stark?)
  • Solide Werte – hier hinein gehören attraktive und wesentliche Auswirkungen eines Projekts, deren Erlangung absolut wünschenswert und wichtig ist, aber eben nicht außergewöhnlich „stark“: die Verlängerung der Haltbarkeitsdauer einer Waschmaschine (Metall), ein Gratisgetränk zur Pizza servieren (Glas), der Einsatz von Recycling-Papier in den Büros (Holz) etc.
  • Schwache Werte – hierbei handelt es sich auch um Werte, nur eben nicht sehr starke. Manchmal ergibt sich aus der Addition mehrerer schwacher Werte etwas Bedeutendes und oft ist ein Wert nur im Vergleich mit anderen nicht ganz so stark: die Kundenansprache mit dem Namen (Gold), die Spende an eine Umweltgruppe (Holz) etc.
  • Ferne Werte – in diese Kategorie fallen die schwer zu erreichenden Werte. Es geht hier nicht um schwach oder stark, sondern um die Wahrscheinlichkeit des Eintritts einer Wirkung des Projekts: je weniger erreichbar ein Wert erscheint, umso geringer ist eben auch sein Einfluss auf die Wirkung eines Projekts.
  • Negative Werte – hier gelten dieselben Kategorien wie für die positiven Werte / Wirkungen eines Projekts: stark / solide / schwach / fern.



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Wertedreieck

Meist ist es hilfreich, wenn man Dinge auf einen Blick erfassen kann. Daher hat De Bono das Wertedreieck entwickelt. Mit dessen Hilfe lassen sich Projekte schnell auf Ihre Werthaltigkeit in den einzelnen Kategorien überprüfen und die Entscheidung der Umsetzung fällt leichter.

Dabei erfolgt die Prüfung der einzelnen Werte / Wirkungen, die ein Projekt haben könnte von oben nach unten. Das heißt nicht, dass die silbernen Werte die wichtigsten sind, aber aus Sicht des Unternehmens sind es die mit der größten Relevanz.

Wertedreieck nach Edward de Bono

Wertedreieck nach Edward de Bono

Vorgehen:

  • Fragestellung / Situation / Projekt / Idee, deren Wert / Wirkung untersucht werden soll definieren.
  • Wertepyramide zeichnen.
  • Projekt nach den einzelnen Wertkategorien durchleuchten und die einzelnen Werte / Wirkungen anhand der Wertegrade bewerten (stark = 4 / solide = 3 / schwach = 2 / fern = 1, negative Werte entsprechen mit einem Minus eintragen).
  • So sieht man sofort, welche Wertekategorie stark ist und welche eher schwach oder ob gar die negativen Auswirkungen überwiegen.
  • Dieser erste Eindruck ist natürlich lediglich eine grobe Zusammenfassung. Im Anschluss muss man sich die einzelnen Werte detailliert angucken, um eine fundierte Entscheidungsbasis zu erlangen und die Wirkung eines Projekts genau einschätzen zu können.

Weitere Analysemethoden

Drei andere Analysemethoden findet ihr in Teil 1 dieses Beitrags:

Zwei weitere Methoden, um Situationen zu analysieren und zu bewerten, habe ich in Entscheidungsmethoden – Eine Wahl zwischen Alternativen treffen vorgestellt:

  • Scoring Methode: Bei dieser Methode geht es darum, anhand von Punkten und Gewichtungen systematisch die beste Alternative zu finden. Sie dient der Analyse und Bewertung z.B. von Produktideen, Produkten, Projekten, Material oder Lieferanten.
  • Kostenvergleich: Eine einfache Rechenmethode zur Entscheidungsfindung bei der Wahl zwischen verschiedenen Alternativen. Dabei werden ganz simpel die Kosten der unterschiedlichen Varianten analysiert und gegenübergestellt.

Mehr Informationen

Weitere Entscheidungsmethoden und ihre Anwendungsgebiete stelle ich euch in kommenden Artikeln vor. Alle bisher erschienenen Beiträge rund um das Thema findet ihr hier:

Entscheidungsmethoden

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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