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Der Business-Plan – Finanzplanung (2)

Business-Plan Finanzplanung

Heute geht es weiter mit Anleitung für die Finanzplanung innerhalb des Businessplans mit der super Finanzplanungs-Vorlage der Kreissparkasse Köln.

Letzte Woche in Teil 1 der Finanzplanung ging es um

  • Prämissen
  • I. Umsatzplanung für das Geschäftsjahr
  • II. Umsatz- und Ergebnisplan für das Geschäftsjahr

Heute folgt die zweite Hälfte der Finanzplanung mit

  • III. Investitionsplan für das Geschäftsjahr
  • IV. Darlehensaufnahme
  • V. Liquiditätsplan für das Geschäftsjahr

Und schon wieder heißt es: Taschenrechner raus, Excel starten und los geht’s!

III. Investitionsplan für das Geschäftsjahr

Die Eingabe der Investitionen und deren Umrechnung in die zugehörigen Abschreibungswerte läuft „fast“ automatisch.

Investitionsplan für das Geschäftsjahr

Investitionsplan für das Geschäftsjahr

Investitionen gesamt

Die Gesamtinvestitionssumme ergibt sich aus der Summe der einzelnen Investitionen, unterteilt nach ihren jeweiligen Abschreibungslaufzeiten. Diesen tragt ihr einfach in die Spalte des Monats ein, in dem die Investition getätigt werden soll. Die zugehörigen Abschreibungswerte errechnet die Vorlage dann automatisch und übernimmt sie unter Position „II. Umsatz- und Ergebnisplan für das Geschäftsjahr“ in die Berechnung des Jahresergebnisses:

  • Investitionen (Abschr. = 3 J.): z.B. Computer, Notebooks, Drucker
  • Investitionen (Abschr. = 5 J.): z.B. Flipper, Mobilfunkendgeräte, Heißluftballone, Passbildautomaten
  • Investitionen (Abschr. = 10 J.): z.B. Autowaschanlagen, Kühlschränke, Verkaufstheken
  • Investitionen (Abschr. = 20 J.): z.B. Brunnen, Photovoltaikanlagen, Segelyachten

Normalerweise sollte die Unterteilung in drei, fünf, zehn und zwanzig Jahre ausreichen. Im Zweifel lieber eine zu lange Nutzungsdauer wählen, dann seid ihr auf der sicheren Seite.

Die gesamte Afa-Tabelle und alles weitere rund um das Thema Abschreibung gibt’s natürlich im Unternehmerhandbuch: Abschreibung, die Basics.

Aufbau/Abbau(-) Warenlager

Wer möchte, kann jetzt auch noch seinen Lagerbestand planen. Einfach die Werte für Auf- und Abbau des Lagers eintragen, dann wirft die Tabelle weiter unten immer den aktuellen Bestand aus.

Außerdem beeinflussen Waren-Zu- und -Abgänge im Lager natürlich den Kontostand, sofern sie nicht in Eigenleistung erstellt werden. Ein ganz wichtiger Punkt für die Liquiditätsplanung also!

IV. Darlehensaufnahme

Darlehensaufnahme

Darlehensaufnahme

Viele Betriebe benötigen zur Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit ein Investitionsdarlehen. Um Ladeneinrichtung und Ware vorzufinanzieren oder die ersten Monate die Gehälter der Angestellten zahlen zu können.

Einfach die benötigte Summe im Auszahlungsmonat eintragen, dann werden die Fremdkapitalzinsen mit dem hinterlegten Abrechnungszinssatz ermittelt und automatisch in die entsprechenden Zeilen übernommen. Die Tilgungsraten werden dann unter dem nächsten Punkt „Liquiditätsplanung“ erfasst.

V. Liquiditätsplan für das Geschäftsjahr

Liquiditätsplan für das Geschäftsjahr

Liquiditätsplan für das Geschäftsjahr

Jetzt kommt das große Finale – die Liquiditätsplanung!

Jetzt zeigt sich, ob ihr mit euren Umsätzen und Kosten, euren Investitionen und Darlehen (zumindest auf dem Papier) Erfolg haben werdet oder leider pleite seid, bevor sich der große Erfolg einstellt.

Eigentlich ist es ganze einfach: Einnahmen – Ausgaben = Überschuss. Dieser Überschuss zuzüglich Darlehen und Warenlagerveränderungen ergibt den Banksaldo, der möglichst größer als Null sein sollte. Klar, oder?

Einnahmen gesamt

Eure Einnahmen setzen sich wie folgt zusammen:

  • Plan-Erlöse und Einnahmen aus Plan-Umsatz ergeben sich aus den Umsatzerlösen abzüglich der Erlösschmälerungen. Aber Achtung, die Einnahmen aus dem Plan-Umsatz landen erst nach Ablauf der Debitorenlaufzeit, die ihr oben eingetragen habt, auf dem Konto! Habt ihr mit den Kunden lange Zahlungsfristen vereinbart, dann kommen die Zahlungseingänge entsprechend spät und eure Liquidität wird negativ beeinflusst.
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  • Erhaltene Anzahlungen müsst ihr per Hand eintragen.
  • Sonstige Einnahmen ergeben sich aus den außerordentlichen Erträgen.
  • Jetzt noch eventuelle Gesellschafter-Einlagen zeitgenau erfassen – fertig!

Das Ergebnis stellt die gesamten Einnahmen eures Unternehmens dar. Fein säuberlich sortiert nach Monat des Zahlungseingangs auf dem Konto, zusammengefasst zur Jahressumme der Einnahmen.

Ausgaben gesamt

Jetzt zu den Ausgaben. Sie setzen sich zusammen aus:

  • Personalkosten – diese werden direkt aus eurer Planung übernommen.
  • Privatentnahme-nur bei GbR/Einzelfirma – diese Entnahmen müsst ihr per Hand eintragen. Ich habe damals für meine Planung meinen monatlichen finanziellen Bedarf zum Leben eingetragen. (Ganz wichtig, dass ihr keine privaten Ausgaben vergesst, sonst könnt ihr nachher von eurem Geschäft nicht leben!). Privatentnahmen sind aber nur bei GbRs oder Einzelunternehmen möglich. Alle anderen müssen ihre Gehälter unter Personalkosten einplanen.
  • Materialrechnung/Zahlungen: die Werte in dieser Zeile ergeben sich aus den Materialkosten der einzelnen Bereiche, zeitlich versetzt um die Anzahl der Tage, die ihr oben bei Kreditorenlaufzeit eingetragen habt. Wer also mit seinen Lieferanten lange Zahlungsfristen vereinbart, schont seine Liquidität.
  • Fremdleistungen: auch sie werden direkt aus eurer Planung übernommen.
  • übrige betriebliche Aufwendungen: hier werden jetzt die restlichen Ausgabeposten eurer Planung automatisch zusammengefasst.
  • Fremdkapitalzinsen: auch sie werden direkt aus eurer Planung übernommen.
  • Investitionen gesamt: diese Summe wird automatisch aus dem Bereich Investitionen übernommen.
  • Darlehenstilgung: hier müsst ihr wieder die Werte per Hand eintragen. Vielleicht habt ihr eine tilgungsfreie Zeit vereinbart? Oder zahlt nur einmal pro Quartal? Einfach den Tilgungsbetrag im jeweiligen Monat erfassen, der Darlehensstand und die sich daraus ergebenden Fremdkapitalzinsen werden dann von der Vorlage automatisch angepasst.

Jetzt habe ihr auch die Ausgaben eures Betriebs, sortiert nach Monat und Jahressumme.

Und jetzt kommt sie – die finale und alles entscheidende Zeile!

Spannungsmusik aus dem Hintergrund…

Disponibel

DAS ist die alles entscheidende Zeile. Disponibel – wie viel Geld habt ihr am Monatsende zur freien Verfügung?

Also los – jetzt wird zusammen gerechnet:

  • Überschuss (+/-): Einnahmen abzüglich Ausgaben
  • kumuliert (+/-): der Monatsüberschuss addiert mit dem Wert aus dem Vormonat
  • Debitoren: wie viele offene Forderungen habt ihr noch gegenüber euren Kunden?
  • Kreditoren: was schuldet ihr euren Lieferanten noch?
  • Warenbestand: ist noch etwas im Lager? Sollte hier ein negativer Wert stehen, müsst ihr noch einmal eure Eingaben bei den Warenbewegungen weiter oben überprüfen.
  • Darlehensstand: Darlehen abzüglich bereits getilgter Beträge, je kleiner je besser…
  • Banksaldo: aufregend, ist noch Geld auf dem Konto am Monatsende?
  • Kontokorrentkreditzusage: ach ja, der Dispo, Retter in letzter Not, wenn das Konto mal wieder in die Knie geht…

Und jetzt – DISPONIBEL: passt eure Planung?

Wenn hier ein negativer Wert steht, dann geht nichts mehr! Denn es sind ja bereits die Darlehen und der Dispo eingerechnet. Kleiner Null heißt daher Oma anpumpen, eine Bank ausrauben oder ähnliche wilde Überlehensmaßnahmen einleiten.

Oder einfach die Planung noch einmal gründlich durchgehen, vielleicht die geplanten Darlehen erhöhen, die Investitionen verringern, Ausgaben nach hinten ziehen, Zahlungslaufzeiten optimieren – einfach alles, was dazu beiträgt, dass in dieser Zeile kein negativer Wert mehr steht!

Aber Achtung: bleibt realistisch, sich die Zukunft schön zu rechnen ist sicherlich der falsche Weg! Es geht um eure Zukunft und euer Geld, geht den Plan lieber nochmal und nochmal durch, bis alles passt. Das ist viel besser als nachher dicke Backen und ein dummes Gesicht zu machen, oder?

Mein Fazit

Wer es bis hierhin durchgehalten, hat ist schon ein gutes Stück weiter auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmer. Denn Unternehmergeist heißt auch ein gewisses Maß an Zähigkeit zu beweisen, wenn es mal nicht so viel Spaß macht!

Daher herzlichen Glückwunsch zu den ersten Schritten in Richtung Businessplan und Selbständigkeit. Ich wünsche euch allen viel Erfolg und vor allem viel Spaß bei der Umsetzung eurer Pläne!

Foto: Aleksandar Mijatovic / shutterstock.com




4 Kommentare

  1. Vielen Dank für die tolle Anleitung! Ich musste gerade ein BP für Deutschland schreiben, puhh man sieht die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland 🙂

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