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Unternehmensnachfolge richtig planen – So sichern Sie Ihrem Lebenswerk die Zukunft

Unternehmensnachfolge

Karl und Maria Kisters aus dem niederrheinischen Kleve hatten in einem jahrzehntelangen Unternehmer-Leben alles erreicht. Ihr mittelständisches Unternehmen entwickelte und konstruierte Verpackungsmaschinen. In der Getränke- und Lebensmittelindustrie genoss der Maschinenbauer Weltgeltung.

Im Alter standen die Eheleute vor einem Problem. Kinderlos geblieben schien niemand für die Unternehmensnachfolge in Sicht. Als fürsorgliche Unternehmer wollten sie unbedingt die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter schützen und den Standort ihres florierenden Unternehmens als Wirtschaftsmotor für ihre Heimatstadt erhalten.

Nach eineinhalb Jahren Verhandlungen verkauften die Eheleute ihr Unternehmen mehrheitlich an den Mitbewerber Klöckner, dessen Portfolio Kisters optimal ergänzte. Nahezu ihr gesamtes Vermögen brachten sie in eine gemeinnützige Stiftung ein. Diese fördert die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher, die Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze und die Bildungsexzellenz am Hochschulstandort Kleve.

Heute, einige Jahre nach dem Tod des Ehepaars, ist ihr Unternehmen in der KHS-Gruppe unter dem Dach des Industrieriesen Salzgitter AG gelandet. Am Standort Kleve arbeiten mehr Beschäftigte denn je und die KHS-Gruppe zählt im Verpackungsmaschinenbau zu den Weltmarktführern.

Zaghafte Nachfolge-Planung gefährdet Kapital und Arbeitsplätze

Vor dem gleichen Problem wie die Eheleute Kisters stehen in Deutschland viele kleine und mittelständische Unternehmer. Laut einer Studie der KfW stehen bis zum Jahr 2018 bundesweit 620.000 Unternehmen mit rund vier Millionen Beschäftigten zur Übergabe oder Nachfolge an.

Gleichzeitig fehlen die Nachfolger. Von 2002 bis 2015 ist die Zahl der Nachfolgegründer in Deutschland von 200.000 auf 62.000 gesunken. Das hat teilweise auch demographische Gründe.

Auch die Zahl der familieninternen Nachfolge sinkt. Entweder, weil wie im Falle der Eheleute Kisters ein Nachfolger fehlt, viel öfter aber, weil die Kinder das elterliche Unternehmen überhaupt nicht weiter führen wollen.

Dramatisch scheint, dass ein Drittel der kleinen und mittelständischen Unternehmen, die bis 2018 zur Übergabe anstehen, noch nichts für eine Nachfolgeregelung getan haben. Immerhin 42 Prozent haben laut der KfW-Studie bereits den Nachfolgeprozess eingeleitet.

Doch die Unternehmensnachfolge bedarf mehrjähriger Planungen. Es stellen sich Fragen der Finanzierung oder nach dem Erhalt von Standort und Arbeitsplätzen. Verfolgen Unternehmer diesen Prozess zu zögerlich, sind Investitionen, die Wettbewerbsfähigkeit und letztlich Arbeitsplätze gefährdet.

Die drei Möglichkeiten einer außerfamiliären Unternehmensnachfolge

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Wenn eine Familiennachfolge ausscheidet, hat der Unternehmer für die Nachfolge im Wesentlichen drei Optionen. Für alle drei Lösungen sollte sich der Unternehmer mit Experten für die Unternehmensnachfolge beraten. Oft kennen sich die heimischen Banken gut mit der Materie aus. Mittelstandsbanken wie etwa die Volks- und Raiffeisenbanken haben als wichtiger Finanzpartner ein großes Interesse daran, dass die regionale Wirtschaft floriert.

Management Buyout (MBO)

Dabei führt das eigene Management das Unternehmen fort. Das hat oft den Vorteil eines reibungsarmen Übergangs. Ein jahrelang erfolgreiches Management kennt das Unternehmen, seine Kunden und Märkte. Oft steht es auch in Fragen der Firmenphilosophie auf Linie des Übergabe-Unternehmers.

Ein bekanntes Beispiel für ein erfolgreiches MBO ist die Kässbohrer Geländefahrzeug GmbH. Der Hersteller des berühmten Pistenbullys wurde 1994 per MBO aus dem ehemaligen Mutterkonzern herausgelöst und ist bis heute Weltmarktführer auf den Skipisten.

Verkauf an einen strategischen Investor – etwa an Mitbewerber

Mit dieser Lösung gaben die Eheleute Kisters ihrem Lebenswerk eine Zukunft. Mit dieser Option kann das zukünftige Unternehmen idealerweise aus mehreren Wurzeln wachsen.

Wer nicht möchte, dass sein Unternehmen einfach bloß geschluckt wird, muss Arbeitsplatz– und Standort-Garantien aushandeln und deswegen womöglich schon vor der Übergabe Umstrukturierungen einleiten. Das ist ein mehrjähriger Prozess.

Verkauf an einen Finanz-Investor

Für diese Lösung braucht es eine kritische Unternehmensgröße von mindestens 20 bis 30 Millionen Euro Umsatz, gute Produkte und eine stabile Wettbewerbsposition. Der Vorteil dieser Lösung zur Unternehmensnachfolge liegt darin, dass die Mittel des Investors die Entwicklungsfähigkeit stärken können, weil so etwa Eigenkapital für Investitionen in neue Produkte oder Märkte ins Unternehmen kommt.

Oft wünschen sich Finanzinvestoren, dass der Altunternehmer als Minderheitsgesellschafter mit an Bord bleibt. Das hat oft einen hohen Imagewert für Kunden oder Geschäftspartner.

Foto: Ryan McGuire / gratisography.com




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