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Der Cash-Flow – Geldströme im Unternehmen präzise analysieren

Cash-Flow
Leseprobe

Als Unternehmer ist es zwingend erforderlich sich mit dem Cash-Flow auseinanderzusetzen, um Liquiditätsengpässe rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Mit dieser Methode lernen Sie den Cash-Flow als wichtigste Kennzahl zur Performance-Messung kennen und zu interpretieren. Sie zeigt Ihnen Möglichkeiten auf, Ihren Jahresabschluss zu modifizieren, um einen aussagekräftigen Wert zur Einschätzung und Beurteilung Ihrer Liquidität zu erhalten.

1. Planung

Analyse und Beobachtung der Liquidität sind für Unternehmen jeder Größenordnung von entscheidender Bedeutung: Stehen nicht ausreichend Mittel zur Begleichung aller finanziellen Verpflichtungen zur Verfügung, droht die Insolvenz. Es gehört zu den regelmäßigen Pflichten jedes Unternehmers, die Entwicklung des Cash-Flows mittels Berechnung im Blick zu behalten – andernfalls kommt es zu existenziellen Problemen. Je nach Komplexität der Geschäftstätigkeit kann der Blick auf den Cash-Flow gar täglich geboten sein. Alle Unternehmen müssen sich folglich mit dem Cash-Flow auseinandersetzen, da sie  Liquiditätsschwierigkeiten ansonsten nicht rechtzeitig erkennen.

Der Cash-Flow ist somit die grundlegende Kennzahl zur Performance-Messung in Unternehmen. Die hier vorliegende Methode versetzt Sie in die Lage, Ihren Jahresabschluss so modifizieren zu können, dass Sie einen aussagekräftigen Wert zur Beurteilung Ihrer Liquidität erhalten. Zudem lernen Sie, diese Kennzahlen auch korrekt zu interpretieren. Als praxisnahes Hilfsmittel dienen dazu unter anderem Aufstellungen der relevanten Konten und deren Verrechnung. Für die Anwendung der Cash-Flow-Rechnung sind Vorkenntnisse im Rechnungswesen und der Finanzbuchhaltung nötig.

Der Jahresabschluss als Ausgangspunkt

Üblicherweise stellt der Jahresabschluss den Ausgangspunkt der Cash-Flow-Rechnung dar. Alternativ dazu lassen sich auch unterjährige Zwischenabschlüsse heranziehen. In jedem Fall ist bei der Vorbereitung darauf zu achten, dass der Abschluss in angemessener Detaillierung vorliegt. Maßstab für die Detaillierung sollten die Gliederungsschemata nach §266 (Bilanz) und §275 (Gewinn- und Verlustrechnung) HGB für Kapitalgesellschaften sein. Die Cash-Flow-Rechnung bereinigt den Jahresabschluss – es bleiben nur noch die Geschäftsvorfälle übrig, die tatsächlich zu einem Zu- oder Abfluss liquider Mitteln führen. Diese Notwendigkeit entsteht dadurch, dass in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) Erträge und Aufwendungen betrachtet werden und nicht Ein- und Auszahlungen wie für die Cash-Flow-Rechnung notwendig.

Der Cash-Flow bildet den in einer Periode erwirtschafteten Zahlungsmittelüberschuss eines Unternehmens ab und stellt im Wesentlichen eine Kennzahl zur Beurteilung der Finanz- und Liquiditätslage dar. Diese Kennzahl gibt darüber hinaus das von dem Unternehmen generierte Innenfinanzierungsvolumen an. Der Cash-Flow betrachtet alle liquiditätswirksamen Vorgänge einer Berichtseinheit. Damit ist bei der Cash-Flow-Rechnung nicht das Eigenkapital die Residualgröße, vielmehr sind es die liquiden Mittel.

Ablauf

Um die Cash-Flow-Rechnung zu verwenden, müssen Sie zunächst die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für den operativen Cash-Flow aufbereiten. Daraufhin berechnen Sie weitere Gliederungspunkte der Cash-Flow-Rechnung: Die Cash-Flows aus Investitions- und Finanzierungstätigkeiten. Danach gilt es, die Rechnung zu interpretieren. Abschließend erhalten Sie Hinweise, wie Sie mit typischen Problemen während der Umsetzung umgehen sollten.

2. Praktizieren

2.1 Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für den operativen Cash-Flow aufbereiten

Aufgabe der Berechnung des Cash-Flows ist es, diejenigen Aufwendungen und Erträge aus dem Jahresabschluss zu bestimmen, welche zahlungswirksam sind. Zunächst definieren Sie daher, was genau zahlungswirksam in Ihrem Kontext bedeutet. Dies ist Gegenstand der sogenannten Fondsabgrenzung. Sie definieren hier, welcher Vorgang zahlungswirksam ist und welcher nicht. Die Cash-Flow-Rechnung zeigt alle Vorgänge, die auf den Fonds, also Ihre Zusammenstellung von Konten der Finanzbuchhaltung, wirken. Insofern ist seine Abgrenzung von außerordentlicher Bedeutung für die Aussagekraft der Analyse. Daher muss auch bei jeder Berechnung detailliert angegeben werden, welcher Fonds der Berechnung zugrunde liegt.

Um das Ziel zu erreichen, die Zahlungsmittel und Zahlungsströme im Unternehmen in den Griff zu bekommen, definieren Sie den Fonds so, dass ausschließlich die Zahlungsmittel Gegenstand sind. Ein sinnvoller Fonds würde beispielsweise die Bilanzpositionen Kasse, Bank, Schecks, Wechsel und so weiter umfassen. Ausgangspunkt Ihrer Fondsabgrenzung ist der Kontenplan Ihrer Finanzbuchhaltung. Zahlungswirksam im Sinne der Cash-Flow-Rechnung sind dann nur diejenigen Geschäftsvorfälle, die Auswirkungen auf die Konten haben, die Sie in den Fonds einbeziehen. In der Folge finden dann nur noch diejenigen Geschäftsvorfälle Eingang in die Berechnung, die direkte Wirkung auf eine Position des Fonds haben.

Die direkte und indirekte Methode

Um die fondswirksamen Geschäftsvorfälle aufzustellen und damit die Entwicklung des Fonds vom Anfangs- zum Endbestand zu erfassen, stehen Ihnen zwei grundsätzliche Vorgehensweisen offen: die direkte bzw. progressive Methode oder die indirekte bzw. retrograde Methode.

Praktische Anwendung findet in der Regel nur die indirekte Methode, da diese ohne Veränderungen in der Buchhaltung funktioniert. Daher lernen Sie im Folgenden auch ausschließlich diese Variante kennen.

Um die indirekte Methode zu verwenden, gehen Sie von dem in der GuV ausgewiesenen Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag aus. Dieser wird um nicht-zahlungswirksame Einzahlungen vermindert und um nicht-zahlungswirksame Auszahlungen erhöht. Obwohl die Grundlage der Berechnung die veröffentlichte GuV eines Unternehmens ist, stehen Sie hier vor dem Problem, die zahlungsunwirksamen Bestandteile der Aufwands- und Ertragspositionen identifizieren zu müssen – was nicht exakt zu leisten ist, sofern Sie als externer Unternehmensbewerter agieren. Beurteilen Sie Ihr eigenes Unternehmen, entfällt dieses Problem – zusätzlicher Rechenaufwand fällt allerdings auch dann an.

Ein großer Posten der GuV ist relativ einfach als eindeutig nicht-zahlungswirksam identifizierbar: Abschreibungen. Aus diesem Grund kann man die einfachste Form des indirekt ermittelten Cash-Flows als Addition des Jahresüberschusses und der Abschreibungen auf Sachanlagen auffassen.

Abschreibungen auf Sachanlagen sind nicht-zahlungswirksame Aufwendungen, welche die Anschaffungs- und Herstellungskosten eines Vermögensgegenstandes auf die Nutzungsdauer verteilen. Zahlungswirksam ist der Erwerb eines Vermögensgegenstandes bei der Begleichung der Anschaffungskosten und damit in der Regel zum Zeitpunkt des Erwerbs. Die Abschreibungen dienen lediglich der periodengerechten Gewinnermittlung, die der tatsächlichen Abnutzung des Anlagegutes folgen soll. Damit ist die Abschreibung eine Position der GuV, die rein aus dem Periodisierungserfordernis des externen Rechnungswesens folgt und keinen Abfluss von Geldmitteln zur Folge hat. Mit der Berücksichtigung der Abschreibungen, wie sie sich in allen Formeln zur indirekten Bestimmung des Cash-Flows findet, ist wenigstens eine große zahlungsunwirksame Position abgehandelt – viele weitere fehlen. Für eine erste schnelle Analyse erhalten Sie durch einfaches Addieren der Abschreibungen zum Jahresüberschuss aber durchaus schon wichtige Erkenntnisse über die Liquiditätslage des Unternehmens.

Den zweiten großen Block zahlungsunwirksamer Positionen stellen die Veränderungen der Rückstellungen dar. Rückstellungen werden für noch ungewisse, einigermaßen wahrscheinliche (ihr Eintreten ist wahrscheinlicher als ihr Nichteintreten) Verpflichtungen gebildet, deren wirtschaftliche Verursachung in den aktuellen bzw. vergangenen Rechnungsperioden liegt.

Bis zur Inanspruchnahme stehen dem Unternehmen Rückstellungen jedoch als ungesichertes Fremdkapital zur Verfügung. Zu dem Zeitpunkt, zu dem Rückstellungen gebildet werden, stellen sie einen Aufwand dar, der nicht zum Abfluss von Geldmitteln führt. Umgekehrt ist die Auflösung einer Rückstellung ein nicht-einzahlungswirksamer Ertrag. Daher müssen Sie auch die Rückstellungsveränderungen, wie sie in der Bilanz ablesbar sind, berücksichtigen. Folglich wird der Cash-Flow in der Praxis häufig vereinfachend als Addition aus Jahresüberschuss, Abschreibungen und den (positiven) Veränderungen der Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen ermittelt:

Jahresüberschuss laut Gewinn- und Verlustrechnung
+ Abschreibungen (abzgl. Zuschreibungen)
+ Veränderungen der Rückstellungen
= Vereinfachter operativer Cash-Flow

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Autorenprofil:
Stefan Behringer ist Professor für Controlling und Corporate Governance an der NORDAKADEMIE, übernahm Führungspositionen bei der Deutschen Post und bei Olympus und ist Autor zahlreicher Fachbücher.

Die Leseprobe wurde zur Verfügung gestellt von der quayou GmbH. quayou ist ein Online Verlag, der die erfolgreichsten und wirksamsten Business-Methoden für Fach- und Führungskräfte in rezeptartiger Form auf 5 – 10 Seiten vermittelt, mit Hilfe des Know-hows der besten Business Schools, Autoren und Experten. Die Methoden sind auf das Wesentliche reduziert und selbst organisiert umsetzbar. Unser Ziel ist es, Menschen in ihrer Karriere zu fördern und ihnen neue Weiterbildungsmöglichkeiten zu eröffnen.

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