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Ökobilanz – ein Thema für kleine Dienstleister?

Ökobilanz

Am Wochenende habe ich lange mit Freunden über das Thema „umweltbewusstes Verhalten“ debattiert. Wer nutzt Energiesparlampen, muss man sich vegan ernähren oder zumindest BIO und ist alles außer Hybridautos eine Umweltkatastrophe? Wir sind jedenfalls nicht so richtig zu einem Ergebnis gekommen…

Auch im unternehmerischen Umfeld ist Nachhaltigkeit ein Thema. Viele Unternehmen veröffentlichen mittlerweile Ökobilanzen und machen sich um die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte Gedanken.

Aber ist das auch für kleine Dienstleistungsunternehmen ein Thema? Dazu habe ich mir mal angeschaut, was so eine Ökobilanz überhaupt ist und was für Schlüsse man daraus ziehen kann.

Die Ökobilanz lt. ISO 14044

Am besten man guckt erst mal bei Wikipedia rein, da findet man meist das Grundwissen, auf dem sich dann prima aufbauen lässt:

„Eine vollständige Ökobilanz nach der Norm ISO 14040 umfasst die folgenden Elemente:

  • Definition von Ziel und Untersuchungsrahmen,
  • Sachbilanz,
  • Wirkungsabschätzung und
  • Auswertung.

(…) Gemeinsames Ziel der verschiedenen Unternehmens-Ökobilanzmethoden ist es, das betriebliche Geschehen auf mögliche ökologische Risiken und Schwachstellen systematisch zu überprüfen und Optimierungspotenziale aufzuzeigen.“

Quelle: Wikipedia / ISO 14044

Was heißt das denn jetzt genau? Was steckt hinter den Elementen der Ökobilanz?

I. Ziel und Untersuchungsrahmen

Zuerst muss man definieren, was überhaupt betrachtet werden soll: ein spezielles Produkt, ein Prozess, das ganze Unternehmen etc.? Und zu welchem Zweck? Will man Alternativen miteinander vergleichen oder Perioden?

II. Sachbilanz

Hier geht es darum, die einzelnen Stoff- und Energieflüsse zu ermitteln, die zur Erfüllung der betrachteten Aktivität benötigt werden. Ganz schön kniffelig, wenn man wirklich alle Einflussfaktoren betrachten möchte…

III. Wirkungsabschätzung

Nun müssen die Auswirkungen der betrachteten Elemente auf die Umwelt ermittelt und bewertet werden. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Bewertungsmethoden, die ich hier aber nicht alle aufzählen möchte. Für meine Zwecke reicht oft gründliches Nachdenken aus ;-)

IV. Auswertung

Zuletzt werden die ermittelten Daten in Bezug auf das Untersuchungsziel bewertet. Dabei sind die Entscheidungen was besser und was schlechter ist oft nicht objektiv zu treffen. Was ist wichtiger? Gute Wasserqualität oder verhungernde Menschen? Nicht immer kann man allen Anforderungen Rechnung tragen.

Wichtig ist auch, dass man sich hier noch einmal das Ziel der jeweiligen Ökobilanz vor Augen hält, denn die Ergebnisse können oft nicht ohne weiteres auf eine andere Fragestellung übertragen werden.

Ansatzpunkte für ökologisch verträglicheres Handeln

Umweltschutz, Nachhaltigkeit und ökologisch verträgliches Handeln sind heute ganz selbstverständliche Werte. Auch kleine Unternehmen und selbst Einzelkämpfer wie ich sollten sich Gedanken machen, ob sie ihr Tun nicht umweltverträglicher gestalten können.

Dazu habe ich mal versucht eine (rudimentäre) „Ökobilanz“ für mein kleines Unternehmen zu erstellen. Dabei bewerte ich die einzelnen Elemente eher grob, denn eine detaillierte Ermittlung einzelnen Einflussfaktoren ist mir dann doch zu aufwendig.

Ich habe mir überlegt, dass ich meine Arbeitssituation unter die Lupe nehmen möchte:

  • Elektronische Gerätschaften
  • Fahrzeuge bzw. Reisearten
  • Büromaterialien und sonstiges, was ich täglich zum Arbeiten benötige

Mit der „Ökobilanz“ möchte ich prüfen, ob ich einzelne Elemente umweltverträglicher nutzen oder beziehen oder gewisse Situationen besser lösen könnte.

Elektronische Gerätschaften

Als erstes habe ich versucht, eine Bestandsaufnahme meiner beruflichen elektronischen Gerätschaften zu machen. Ich nutze ein Laptop, eine Fax-Scan-Drucker-Kombi, ein Smartphone, ein Festnetz-Telefon, eine externe Festplatte (bald zwei), eine Dockingstation und eine FritzBox. Natürlich besitze ich auch noch diverse Vorgängerversionen der Geräte, aber die sind nicht im Einsatz und zählen also höchstens beim Thema Entsorgung, oder?

Allen diesen Teilen ist eins gemein: sie brauchen Strom und beinhalten Teile, die man nicht einfach auf den Müll werfen sollte.

Was heißt das zum Thema Ökobilanz?

  • Ich habe auf Ökostrom umgestellt, wobei ich hier noch einmal genau prüfen müsste, was für eine Art Ökostrom ich da beziehe.
  • Ich bemühe mich meine Geräte sorgsam zu behandeln, damit sie möglichst lange halten.
  • Ich entsorge die alten Geräte fachgerecht.

Fahrzeuge bzw. Reisearten

Natürlich habe ich ein Auto, wie soll ich denn sonst zu meinen Kunden kommen?

Das stimmt natürlich so nicht ganz, denn ich könnte ja alternative Verkehrsmittel nehmen… Was macht Sinn für mich? Die Bahn? Zu Fuß oder mit dem Fahrrad? Wie wäre es mit Mitfahrzentrale oder Carsharing?

Ganz ehrlich: meistens siegt hier die Bequemlichkeit…

Außerdem könnte ich auf ein kleineres Auto umsteigen oder mich nach einem mit Autogas umgucken oder oder oder. Ich weiß! Zumindest versuche ich immer nicht nur für eine Stunde irgendwohin zu fahren und Termine möglichst zu kombinieren.

Aber ja, hier steckt noch viel Potenzial für ökologische Verbesserungen!

Büromaterialien

Auch hier eine kurze Bestandsaufnahme: Papier, Briefumschläge, Notizblöcke, Ordner, Post-Ist, Trennlaschen, Stifte, Toner – mehr ist es eigentlich gar nicht.

Lässt sich da noch was verbessern? Sollte ich auf Ökopapier umsteigen? Ist das papierlose Büro die Lösung?

Naja, wenn ich von Papier auf Dateien umsteige brauche ich mehr Speicherplatz, der hat ja auch Auswirkungen auf die Umwelt… und Ökopapier sieht einfach unfassbar doof aus…

Meine Lösung: ich benutze Papier meist beidseitig und bemühe mich möglichst wenig auszudrucken, um meinen Toner-Verbrauch so gering wie möglich zu halten. Auch Ordner der Trennlaschen kann man ja immer wieder verwenden, oder? Insgesamt sehe ich in diesem Bereich wenig echtes Verbesserungspotenzial, da ich einfach kaum Büromaterialien benutze.

Fazit

Ob meine Überlegungen eine „echte Ökobilanz“ ersetzen können? Wohl eher nicht. Da nimmt man dann doch besser Kontakt mit Profis auf und lässt sich beraten. Eine echte Ökobilanz geht ja viel mehr in die Tiefe und berücksichtigt dann auch wirklich alle Faktoren, die einen Einfluss auf die Umwelt haben könnten. Ich bin bei meiner „Ökobilanz“ ja sehr an der Oberfläche geblieben.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich jeder hin und wieder mal fragen sollte, ob sein Handeln nicht umweltverträglicher gestaltet werden könnte und daher habe ich jetzt für meinen nächsten Kundentermin in Hamburg ein Zugticket gebucht ;-)

Foto: Petra Bork / pixelio.de

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