Wer online verkaufen will, braucht ein Shopsystem. Klingt einfach, ist es aber nicht. Die Auswahl ist groß, die Unterschiede sind erheblich, und eine falsche Entscheidung kostet Zeit, Geld und Nerven.
Wer einmal auf dem falschen System aufgebaut hat, wechselt nicht mal eben. Umso wichtiger ist es, von Anfang an die richtige Wahl zu treffen.
Inhalt
Warum das Shopsystem so entscheidend ist
Ein Shopsystem ist keine Software, die man nach ein paar Wochen wieder gegen eine andere austauscht. Es ist das technische Fundament deines Onlinehandels. Hier laufen Produktverwaltung, Zahlungsabwicklung, Lagerhaltung, Versand und Kundenkommunikation zusammen. Wenn das System nicht passt, merkst du das oft erst, wenn es zu spät ist.
Drei typische Probleme:
- Zu komplex gedacht: Systeme mit fünf Hierarchieebenen und detaillierten Unterordnern funktionieren in der Theorie. In der Praxis vergisst man nach zwei Wochen, wo was hingehört.
- Zu spät skaliert: Wer mit einer Basislösung startet und später merkt, dass Individualisierungen oder Schnittstellen fehlen, steht vor einem teuren Neuaufbau.
- Falsche Prioritäten gesetzt: Viele wählen nach Preis oder Design, übersehen aber zentrale Fragen wie Zahlungsabwicklung, rechtliche Anforderungen oder technische Abhängigkeiten.
Die Entscheidung für ein Shopsystem sollte nicht nach Bauchgefühl getroffen werden, sondern nach klaren Kriterien, die zum eigenen Geschäft passen.
Die wichtigsten Entscheidungskriterien
Bevor du dich mit konkreten Systemen beschäftigst, solltest du wissen, worauf es wirklich ankommt. Die folgenden Kriterien helfen, die Auswahl einzugrenzen.
Kosten: Miete, Kauf oder Open Source?
Shopsysteme lassen sich grob in drei Kostenmodelle einteilen:
- Mietmodell (SaaS): Du zahlst monatlich oder jährlich eine Gebühr und nutzt das System über den Browser. Beispiele: Shopify, Jimdo, Wix. Der Vorteil: Du brauchst keine eigene Serverinfrastruktur, Updates laufen automatisch, der Einstieg ist niedrigschwellig. Der Nachteil: Langfristig höhere Kosten, weniger Kontrolle, Abhängigkeit vom Anbieter.
- Kaufmodell (Lizenz): Du kaufst eine Softwarelizenz einmalig und installierst das System auf deinem Server. Beispiele: Shopware (On-Premise-Version), xt:Commerce. Vorteil: Volle Kontrolle, keine monatlichen Kosten nach dem Kauf. Nachteil: Hohe Anfangsinvestition, technisches Know-how nötig, Wartung und Updates liegen bei dir.
- Open Source: Kostenlose Basissoftware, die du selbst installierst und anpasst. Beispiele: WooCommerce (WordPress), Magento Open Source, PrestaShop. Vorteil: Keine Lizenzkosten, maximale Flexibilität. Nachteil: Entwicklungs- und Wartungsaufwand, Kosten für Hosting, Plugins und Entwickler.
Wichtig: Bei allen Modellen kommen versteckte Kosten hinzu – Zahlungsgebühren, Transaktionsgebühren, Plugins, Design-Anpassungen, Schnittstellen. Rechne nicht nur mit den Basiskosten, sondern mit dem Gesamtbetrieb.
Zielgruppe: B2C, B2B oder beides?
Nicht jedes Shopsystem ist für jede Zielgruppe gleich gut geeignet.
- B2C (Endkunden): Hier zählen einfache Bedienung, schnelle Kaufprozesse, mobile Optimierung und Marketing-Features wie Rabattcodes oder Produktempfehlungen. Systeme wie Shopify oder WooCommerce sind dafür gut aufgestellt.
- B2B (Geschäftskunden): Hier sind andere Funktionen wichtig: individuelle Preislisten, Mindestbestellmengen, Anfragen statt direkter Bestellungen, komplexe Rabattstrukturen, Rechnungskauf. Shopware oder Magento sind eher auf B2B ausgelegt.
Wer beide Zielgruppen bedienen will, braucht ein System, das beides kann – oder akzeptiert Kompromisse in einem Bereich.
Funktionsumfang: Was muss das System leisten?
Die Grundfunktionen hat jedes moderne Shopsystem: Produktverwaltung, Warenkorb, Zahlungsabwicklung, Versandoptionen. Entscheidend sind die Details:
- Mehrsprachigkeit & Währungen: Wer international verkauft, braucht ein System, das mehrere Sprachen und Währungen sauber abbildet.
- SEO-Funktionen: Können URLs angepasst werden? Gibt es Meta-Tags, strukturierte Daten, schnelle Ladezeiten?
- Mobile-Optimierung: Läuft der Shop auf Smartphones genauso gut wie am Desktop?
- Schnittstellen: Lässt sich das System mit Warenwirtschaft, Buchhaltung, Marktplätzen (Amazon, eBay) oder Marketing-Tools verbinden?
- Zahlungsarten: Welche Payment-Anbieter werden unterstützt? Gibt es Einschränkungen?
Wer Spezialfunktionen braucht – z. B. Konfiguratoren, Abos, digitale Produkte, komplexe Varianten – sollte prüfen, ob das System das von Haus aus kann oder ob teure Erweiterungen nötig sind.
Technische Anforderungen: Kannst du das selbst betreiben?
Manche Systeme sind für Einsteiger gedacht, andere setzen technisches Know-how voraus.
- Technisch einfach: SaaS-Lösungen wie Shopify, Jimdo oder Wix. Du brauchst keinen Server, keine Installation, keine Updates. Alles läuft über den Browser.
- Mittlerer Aufwand: WooCommerce auf WordPress. Installation ist einfach, aber du brauchst Hosting, musst Plugins verwalten und Updates einspielen.
- Hoher Aufwand: Shopware, Magento oder andere selbst gehostete Systeme. Hier brauchst du entweder eigenes Know-how oder einen Entwickler.
Wer keine technischen Ressourcen hat oder haben will, sollte sich klar für ein einfaches System entscheiden. Wer volle Kontrolle und Anpassbarkeit braucht, muss den Aufwand einkalkulieren.
Fünf gängige Shopsysteme im Vergleich
Die folgenden Systeme decken unterschiedliche Bedürfnisse ab. Keines ist pauschal „das Beste“ – entscheidend ist, was zu deinem Geschäft passt.

Foto: Love Arya / unsplash.com
Shopify: Einfach, schnell, aber mit Abhängigkeit
Für wen: Einsteiger, kleine bis mittelgroße Shops, B2C-Fokus
Vorteile:
- Schneller Start ohne technisches Wissen
- Viele fertige Templates und Apps
- Hosting, Updates, Sicherheit inklusive
- Starke Integration mit Social Media und Marketing-Tools
Nachteile:
- Monatliche Kosten (ab 33 Euro) plus Transaktionsgebühren bei Nutzung externer Zahlungsanbieter
- Wenig Anpassungsmöglichkeiten ohne Entwickler
- Abhängigkeit vom Anbieter (Preiserhöhungen, Vertragsbedingungen)
- Nicht ideal für B2B oder komplexe Anforderungen
Fazit: Gut für schnellen Einstieg mit überschaubarem Sortiment. Wer langfristig Kontrolle und Flexibilität will, stößt irgendwann an Grenzen.
WooCommerce: Flexibel, aber wartungsintensiv
Für wen: WordPress-Nutzer, kleine bis große Shops, B2C und B2B möglich
Vorteile:
- Kostenlos als Plugin für WordPress
- Riesige Auswahl an Erweiterungen (kostenlos und kostenpflichtig)
- Volle Kontrolle über Design und Funktionen
- SEO-freundlich durch WordPress-Basis
Nachteile:
- Hosting, Updates und Sicherheit musst du selbst managen
- Viele Plugins = viele Abhängigkeiten und potenzielle Fehlerquellen
- Performance-Probleme bei großen Shops ohne Optimierung
- Keine zentrale Support-Anlaufstelle
Fazit: Ideal, wenn du WordPress schon nutzt oder nutzen willst. Erfordert technisches Grundverständnis und regelmäßige Pflege.
Shopware: Professionell, aber komplex
Für wen: Wachsende Shops, B2B und B2C, Unternehmen mit technischen Ressourcen
Vorteile:
- Starke B2B-Funktionen (Preislisten, Kundengruppen, Anfragen)
- Hohe Anpassbarkeit und Skalierbarkeit
- Made in Germany, gute DSGVO-Compliance
- Aktive Community und viele Entwickler
Nachteile:
- Steile Lernkurve, nicht einsteigerfreundlich
- Höhere Kosten (Lizenz ab 600 Euro/Monat für Rise-Edition)
- Entwickler oft nötig für individuelle Anpassungen
Fazit: Für ambitionierte Projekte mit langfristiger Perspektive. Nicht für den schnellen Start geeignet.
BigCommerce: Skalierbar, aber teurer
Für wen: Mittelgroße bis große Shops, B2C und B2B, internationaler Verkauf
Vorteile:
- Keine Transaktionsgebühren (anders als Shopify)
- Viele integrierte Funktionen ohne zusätzliche Apps
- Gut für internationalen Handel (Währungen, Sprachen)
- Starke Performance auch bei vielen Produkten
Nachteile:
- Höhere monatliche Kosten (ab ca. 30 Euro, aber schnell teurer)
- Weniger Templates als Shopify
- Anpassungen teilweise komplex
Fazit: Gute Wahl für wachsende Shops mit internationalem Fokus. Teurer als Shopify, aber mehr Leistung inklusive.
Magento Open Source: Maximal flexibel, maximal aufwendig
Für wen: Große Shops, B2B-Fokus, Unternehmen mit Entwickler-Team
Vorteile:
- Höchste Anpassbarkeit und Skalierbarkeit
- Starke B2B-Funktionen
- Keine Lizenzkosten (Open Source)
- Weltweit verbreitet, große Community
Nachteile:
- Hoher Entwicklungs- und Wartungsaufwand
- Teures Hosting nötig (Performance-Anforderungen)
- Nicht für Einsteiger geeignet
- Laufende Kosten für Entwickler und Betrieb
Fazit: Nur sinnvoll für große, komplexe Projekte mit entsprechendem Budget und technischen Ressourcen.
Checkliste: So triffst du die richtige Entscheidung
Bevor du dich festlegst, arbeite die folgenden Fragen durch:
- Wie viel Zeit und Geld habe ich für Einrichtung und Betrieb?
- Wenig: SaaS (Shopify, BigCommerce)
- Mittel: WooCommerce
- Viel: Shopware, Magento
- Wer ist meine Zielgruppe?
- B2C: Shopify, WooCommerce, BigCommerce
- B2B: Shopware, Magento
- Beides: Shopware, BigCommerce
- Wie viele Produkte verkaufe ich?
- Unter 100: Shopify, WooCommerce
- 100–1000: WooCommerce, Shopware, BigCommerce
- Über 1000: Shopware, Magento
- Brauche ich spezielle Funktionen?
- Abos, digitale Produkte, Konfiguratoren: Prüfen, ob ohne Erweiterung möglich
- Wie wichtig ist mir Kontrolle über meine Daten und Technik?
- Sehr wichtig: WooCommerce, Shopware (On-Premise), Magento
- Weniger wichtig: Shopify, BigCommerce
- Verkaufe ich international?
- Ja: Shopify, BigCommerce, Shopware
- Nein: WooCommerce reicht oft
- Habe ich technisches Know-how oder einen Entwickler?
- Nein: Shopify
- Ja: WooCommerce, Shopware, Magento
Kein System ist für immer – aber der Start zählt
Die Wahl des Shopsystems ist keine Entscheidung auf Lebenszeit. Aber ein Wechsel ist aufwendig, teuer und riskant. Wer am Anfang die falschen Prioritäten setzt, zahlt später drauf – in Form von Migrationskosten, verlorener Zeit oder verschenktem Umsatz.
Entscheidend ist nicht das „beste“ System, sondern das System, das zu deinem Geschäft, deinem Budget und deinen Ressourcen passt. Wer sich vor der Entscheidung Zeit nimmt, spart sich später Stress und Kosten.

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