Management & Controlling
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In 6 Schritten: So schafft ihr es, Innovationen erfolgreich zu machen

Zerknülltes Papier neben einem gefalteten Papierflieger – Symbol für den Wandel von der Idee zur Innovation
Gastbeitrag von Anne M. Schüller

Innovationen sind der Umsatz von übermorgen. Sie sind die einzige Möglichkeit, auf Dauer am Markt erfolgreich zu sein. Ein Unternehmen muss sehr frühzeitig beginnen, sie zu entwickeln, um sie startklar zu haben, wenn die alten Lösungen es nicht mehr bringen. Der Weg dorthin: ein Prozess in sechs Schritten.

Wer Innovationen in den Markt bringen will, muss eingetretene Denkpfade verlassen, bestehende Grenzen verschieben, etwas riskieren, experimentieren und ergebnisoffen ausprobieren. Entscheidend dabei ist ein Basisprozess aus diesen sechs Schritten:

  • Analysieren
  • Ideieren
  • Priorisieren
  • Prototypisieren
  • Testen
  • Realisieren

Schauen wir uns diese sechs Schritte im Folgenden an.

Innovationsprozess Schüller

Die Abfolge eines Innovationsprozesses im Wechsel zwischen divergent und konvergent. Divergenz öffnet und bereichert, Konvergenz führt wieder zusammen.

1. Die Markttrends und Kundenbedürfnisse analysieren

Bevor die Ideensuche beginnt, gilt es, das zugrundeliegende Problem gut zu verstehen. Also macht ihr zunächst eine ausführliche Vorrecherche: Welche Produkt- oder Serviceneuerungen wären wünschenswert oder werden dringend benötigt? Welche Technologien helfen dabei? Wer befasst sich schon damit? Wohin zielen die Trends? Geht dabei nicht von eigenen Annahmen aus, sondern stürzt euch ins Marktgetümmel.

Durchforstet dazu das Web. Namhafte Consulting-Firmen, führende Futurologen und Zukunftsforschungsinstitute haben mithilfe wissenschaftlicher Methoden und computergestützter Simulationen Szenarien für eine Vielzahl von Industrien, Märkten und Lebenssituationen entwickelt, die teils kostenlos auf deren Webseiten abrufbar sind.

Geht es um technologische Entwicklungen, ist der Gartner Hype Cycle von Interesse. Er zeigt den Reifegrad einer jeweiligen Technologie. Wer länderübergreifende Ambitionen hat, wird bei Amy Webb fündig. Sie zählt zu den bedeutendsten Futurologen weltweit. Ihre kostenfreien jährlichen Trendstudien werden millionenfach heruntergeladen.

Die Kernfrage formulieren, ein User-Story kreieren

Nach Abschluss der Analyse formuliert ihr die Kernfrage, die die Basis für die sich daran anschließende Ideenentwicklung ist. Wie das geht? Ihr verfasst die Ziele des Kunden als User Story: Eine User Story ist eine Anwendererzählung. Sie beschreibt einen prototypischen Kunden und den maßgeblichen Grund, weshalb er/sie die zu erstellende Lösung nutzt, den „Job“ also, den die Lösung für den Kunden machen soll.

Mit einer User Storiy stellt ihr sicher, dass das richtige Problem gelöst wird. Sie ermöglicht, während des Innovierens immer wieder den Blickwinkel des Nutzers einzunehmen: „Würde unser User wirklich wollen, dass …?“. Damit stehen dessen Interessen im Vordergrund. So werden dann auch nur die Leistungsmerkmale priorisiert, die im Nutzerinteresse sind – und nicht die, die ihr selbst am tollsten findet.

Wie eine User Story klingt? Zum Beispiel so:
„Als Kunde kaufe ich das neue Produkt X, damit … .“

User Stories werden auf einer Story-Card dokumentiert. Der Story können Akzeptanzkriterien beigefügt werden. Dabei handelt es sich um eine Liste von Features, die gewährleisten, dass die Nutzerbedürfnisse erfüllt sind und nichts Wesentliches vergessen wurde. Oft beginnt ihr dies so: Die Story ist erfüllt, wenn … .

2. Ideieren: Zuallererst braucht es eine Menge Ideen

Eine Innovation braucht zunächst eine Vielzahl möglichst kreativer Ausgangsideen. Tut euch dazu mit unterschiedlichen Menschen zusammen. Vielen klugen Köpfen fällt immer mehr ein als einem allein. Fokussiert euch vollkommen auf die definierte User-Story, sucht also nach einem Maximum an Ideen zur Lösung dieses Problems.

Damit der Prozess schnell startet, sollen zunächst alle ihre ersten Ideen still notieren, pro Idee ein Kärtchen oder ein Post-it. Diese werden an ein (virtuelles) Board geheftet oder an eine Pinnwand gepinnt. Erst danach werden diese Gedankenrohlinge im Austausch geschärft, wobei sich vieles auf spannende Weise miteinander verknüpft.

In dieser Phase werden die Ideen noch nicht bewertet, sondern nur gesammelt. Dazu benötigt ihr eine Prise Verrücktheit, also überzogene, gewagte, kuriose, spektakuläre, exotische, skurrile, schräge Ausgangsideen. Sie sollen das Denken beflügeln. Verrückte Einfälle sind oft auch die Basis für außergewöhnlich gute, unverbrauchte Ideen.

Helferlein: Sprungbrettfragen und generative KI

Geeignete Kreativitätstechniken können helfen, weitere Ideen herauszukitzeln. Oder ihr stellt euch Sprungbrett-Fragen wie diese:

  • Wer hat dazu eine noch gewagtere Idee?
  • Wer hat dazu eine gegenteilige Idee?
  • Was haben wir bisher völlig vergessen?
  • Wer traut sich was echt Verrücktes?

Lasst euch auch von einer generativen KI wie ChatGPT helfen. Deren oft eigenwillige Einfälle sind meist eine Bereicherung, zusätzliche Inspiration und somit ein Kreativitätsgewinn. Natürlich bekommt ihr nicht schon gleich eine fertige Lösung. Wer eine KI jedoch richtig steuert, versorgt sich mit Aspekten, auf die ihr allein nicht gekommen wärt. Dies kann zu mehr Ideenreichtum und besseren Ergebnissen führen.

3. Clustern und priorisieren mithilfe der 7R-Methode

Ideen sind schnell gefunden, meist herrscht daran auch kein Mangel. Ob sie gut und verfolgenswert sind, ist eine ganz andere Sache. Und was bedeutet im betrieblichen Kontext überhaupt „gut“? Dazu könnt ihr euch an den „7 R“ orientieren:

  • Ist die Idee relevant für den internen/externen Kunden? Bringt sie Nutzen?
  • Ist die Idee revolutionär im Sinne von anders und überraschend neu?
  • Ist die Idee rasch umsetzbar, zumindest in einer ersten Probeversion?
  • Ist die Idee robust, das heißt, hält sie dem Einsatz in der Praxis stand?
  • Ist die Idee reproduzierbar, lässt sie sich weiterentwickeln oder skalieren?
  • Ist die Idee rentierlich, kann man also damit (zügig) Geld verdienen?
  • Ist die Idee regenerativ, unterstützt sie also Klima, Umwelt und Soziales?

Die Perspektive des Kunden ist dabei entscheidend. Denn nur dann, wenn eine Lösung aus Sicht des Kunden ein Problem sinnvoll löst, könnt ihr ihn dazu bringen, sich darauf einzulassen. Durch ausgiebige Dialogspaziergänge zu zweit oder zu dritt, am besten in freier Natur, könnt ihr die entsprechenden Gedankengänge weiter vertiefen.

4. Ein Prototyp ist ein kostengünstiges Basismodell

Ein Prototyp ist ein anschauliches, vorläufiges Modell einer favorisierten Produktidee, die ihr ernsthaft in Erwägung zieht. Prototypen dienen dazu, diese Idee – oder auch mehrere, die ihr miteinander vergleichen wollt – zu testen und wertvolles Feedback von möglichen Nutzern einzuholen, um auf dieser Basis die Idee zu optimieren.

Prototyping ist auch dazu da, dass Funktionsfehler und Unvollständigkeiten in einer sehr frühen Phase entdeckt werden können, damit sie nicht im Nachhinein, sprich erst nach der Markteinführung, teuer repariert werden müssen. Ihr beginnt also mit einem Basismodell, das im Verlauf mehrfacher Iterationen immer weiter verbessert wird.

Prototypen werden schnell und kostengünstig erstellt. Sie können die verschiedensten Formen annehmen, wie beispielsweise: eine gescribbelte Lösung, ein Storyboard, ein Video, ein Rollenspiel, eine Pappkonstruktion, ein Bauklötzchen-modell, eine 3D-Simulation am Computer oder die Grundversion einer funktionsfähigen App.

5. Umfänglich testen zwecks Tauglichkeit und Akzeptanz

Bevor ihr euch für die endgültige Lösung entscheidet, gilt es, ausgiebig zu testen und zu experimentieren. Das bedeutet, Ideen herauszufiltern, die scheitern, um diejenigen zu finden, die hervorragend funktionieren. Misserfolge sind ein notwendiger Teil jedes Innovationsprozesses. Nicht die Fehler in der Entstehungsphase sind die größte Gefahr. Die größte Gefahr ist die, dass eine Lösung irrelevant ist, weil der User sie nicht will.

Wer keine Misserfolge akzeptiert, wird nie mutig genug sein, große Sprünge zu wagen. Zudem ist es falsch, alles auf eine Lösung zu setzen, ohne sie vorab ausgiebig zu testen. Genauso falsch ist es, in einem sehr frühen Stadium bereits Planungsdaten, Budgets und Kennzahlen vorzugeben, sprich, vorhersagbare Ergebnisse zu fordern, die strikt eingehalten werden müssen. So macht man sich zum Totengräber jeglicher Innovation.

Potenzielle Nutzer sind vielversprechende Tester

Der einfachste Weg einen Prototypen zu testen, geht so: Ihr befragt Vertreter:innen der anvisierten Kundengruppe persönlich, setzt ihnen eure vorläufige Lösung vor, beobachtet sie beim Ausprobieren, lasst sie währenddessen erzählen und dokumentiert, was sie beim Testen erleben und dazu sagen. Geht es um eine Vorauswahl einzelner Leistungsmerkmale, bietet ihr den Probanden folgende Beurteilungsmöglichkeiten an:

  • … Das wäre einzigartig.
  • … Das würde mich begeistern.
  • … Das wäre für mich selbstverständlich.
  • … Das wäre mir egal.
  • … Das würde mich stören.

Wer Leistungsaspekte auf einfache Weise gegeneinander testen will, nimmt jeweils vier Merkmale und lässt dann die Probanden entscheiden, welche Merkmale ihnen am wichtigsten und welche ihnen am unwichtigsten sind. In vier Runden könnt ihr dabei 16 Merkmale gegeneinander testen und so zu perfekten Leistungsbündeln kommen.

6. Umsetzung im Markt: Innovationen verständlich kommunizieren

In der Phase der Umsetzung heißt es dann, die Neuheit via Storytelling in den Markt zu tragen. Ein stimmiges Storytelling kann jegliche Überzeugungsarbeit sehr viel einfacher machen.

Denn Menschen kaufen keine Produkte, keine Services und keine Ideen. Was sie in Wirklichkeit „kaufen“, sind Beziehungen, Geschichten und gute Gefühle.

Deshalb lautet die wichtigste Regel für eine gelungene Kommunikation: Facts tell, Storys sell.

Die Autorin

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das narrative Touchpoint Management und eine zukunftsorientierte Unternehmensführung. Zu diesen Themen hält sie Impulsvorträge auf Tagungen, Fachkongressen und Online-Events.

2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Beim Business-Netzwerk Linkedin wurde sie Top-Voice 2017 und 2018. Von Xing wurde sie zum Spitzenwriter 2018 und zum Top Mind 2020 gekürt. 2024 wurde sie als Unternehmerin der Zukunft ausgezeichnet.

www.anneschueller.de

Bücher von Anne M. Schüller

Titel: Zukunft meistern: Das Trend- und Toolbook für Übermorgengestalter*

Inhalt: Sie wollen die Zukunft meistern? In diesem Buch steht, wie das geht. Der erste Schritt: Zukunftsverständnis entwickeln, Szenarien erstellen und mithilfe von Zukunftsbildern erkunden, wie die Welt in fünf, in zehn oder gar zwanzig Jahren aussehen könnte. Der zweite Schritt: Nicht irgendwann, sondern jetzt mit Mut und Tatkraft beginnen, den Wandel aktiv mitzugestalten. Was wir heute tun oder lassen, entscheidet darüber, wie es uns fortan ergeht. Wer mit wachsamem Optimismus an die Zukunft herantritt, dem zeigt das Buch eine Fülle neuer Geschäftsmodelle, die unsere Wirtschaft nach vorne bringen.

Die mehrfach preisgekrönte Autorin und Keynote-Impulsgeberin Anne M. Schüller richtet in diesem Werk den Blick weit nach vorn. Es ist ein Trend- und Toolbook zugleich. Für vielerlei Branchen enthüllt es die Zukunftstrends der nächsten Dekade. Zudem zeigt es detailliert, wo es weiterhin hakt und in welche Richtung wir loslaufen sollten, weil erstklassige Chancen dort auf uns warten. Die LeserInnen werden Dingen begegnen, die es heute noch gar nicht gibt, manchem, was gerade entsteht, und vielem, was wir dringend anpacken müssen. Es ist eine Entdeckungsreise zu PionierInnen, InnovatorInnen und ÜbermorgengestalterInnen. Sie sind die wichtigsten Menschen in einer Gesellschaft, die die Zukunft erreichen will.

Herausgeber: GABAL
Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
ISBN-13: 978-3967391817
Preis: 29,90 EUR

Titel: Das Touchpoint-Unternehmen: Mitarbeiterführung in unserer neuen Businesswelt*

Inhalt: Mitarbeiterführung vom Kopf auf die Füße gestellt Wir stecken mitten drin im größten Change-Prozess aller Zeiten. Die Macht ist zu den Mitarbeitern gewandert. Top-down ist passé. Inside-out auch. Unternehmensprozesse beginnen heute beim Kunden, führen über die Mitarbeiter hin zum Management. Outside-in-bottom-up heißt von nun an der Kurs. Die Unternehmen müssen den Sprung vom Pyramidensystem zur Netzwerk-Organisation im Eiltempo schaffen. Um am Markt überhaupt punkten zu können sind Innovationen zunächst im firmeninternen Zusammenspiel dringendst vonnöten. Mitarbeiterführung muss neu gelernt werden. Die digitale Transformation, neue Arbeitsmodelle und die zuströmenden Digital Natives lassen den Unternehmen keine andere Wahl. Nach ihrem mehrfach preisgekrönten Bestseller Touchpoints stellt Anne M. Schüller in diesem Buch Mittel und Wege vor, mit deren Hilfe sich die neue Arbeitswelt meistern lässt:

  • Die sieben Schlüsselaufgaben, die jetzt zu bewältigen sind
  • Führungskonzepte für die Mitarbeiter von heute und morgen
  • Ein Schritt-für-Schritt-Instrumentarium, um die Interaktionspunkte zwischen Mitarbeiter, Führungskraft und Organisation zu perfektionieren

Pointiert, unterhaltsam und verständlich geschrieben hat dieses Buch alles, um Unternehmern und Führungskräften ein praxisorientierter Wegweiser in die Zukunft zu sein.

Herausgeber: GABAL
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
ISBN-13: 978-3869365503
Preis: 29,90 EUR

Titel: Bahn frei für Übermorgengestalter!: 25 Quick Wins für Innovatoren und Zukunftsversteher*

Inhalt: Das Buch zeigt 25 rasch umsetzbare Initiativen und weit über 100 Aktionsbeispiele, um zu einem Überflieger der Wirtschaft zu werden. Kompakt und sehr unterhaltsam veranschaulicht es jedem, der helfen will, eine bessere Zukunft zu gestalten, die maßgeblichen Vorgehensweisen in drei Bereichen: Wie machen wir die Menschen stärker, das Zusammenarbeiten besser und die Innovationskraft im Unternehmen größer.

Herausgeber: GABAL
Taschenbuch: 216 Seiten
ISBN: 978-3967390933
Preis: 24,99 EUR

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