Existenzgründung, Recht & Steuern
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Der Gesellschaftsvertrag – Warum von Mustern abzuraten ist

Gesellschaftsvertrag (Abstrakte Darstellung mehrerer Hände, die gemeinsam versuchen, ein unvollständiges Puzzle zusammenzusetzen – Symbol für individuelle Verträge in der Gründung)

Ein Unternehmen gemeinsam zu gründen klingt oft nach Aufbruch, Ideen und Tatendrang. Doch was, wenn die Euphorie verfliegt? Spätestens dann zeigt sich, wie gut der Gesellschaftsvertrag ist – oder ob überhaupt einer existiert. Viele Gründer greifen zu kostenlosen Mustervorlagen aus dem Netz. Klingt praktisch, ist aber riskant. Denn ein Gesellschaftsvertrag regelt mehr als nur Formalitäten: Er entscheidet im Ernstfall über Geld, Macht und Kontrolle.

Dieser Beitrag zeigt dir, warum Musterverträge keine gute Idee sind, was in einem individuellen Vertrag stehen sollte – und wie du typische Fehler vermeidest.

Was ist ein Gesellschaftsvertrag – und wann brauchst du ihn?

Ein Gesellschaftsvertrag ist die rechtliche Grundlage für eine Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehr Personen in einem Unternehmen. Besonders bei Personengesellschaften wie GbR, OHG oder KG ist er enorm wichtig.

Gute Gründe für einen schriftlichen Vertrag:

  • Klare Verhältnisse zu Rechten und Pflichten
  • Absicherung bei Konflikten oder Austritt eines Gesellschafters
  • Schutz vor Haftungsfallen
  • Basis für Bankgespräche, Investoren oder Förderanträge

Rein rechtlich braucht eine GbR keinen schriftlichen Vertrag. Doch ohne schriftliche Regelung wird es schnell unübersichtlich – vor allem bei Geld, Entscheidungen oder Streit.

Warum Musterverträge dir später um die Ohren fliegen können

Kostenlose Vorlagen wirken auf den ersten Blick hilfreich. Doch sie sind allgemein gehalten, oberflächlich und selten auf deine Situation zugeschnitten. Die meisten Muster regeln nur das Nötigste – oft fehlen wichtige Punkte wie:

  • Was passiert bei Krankheit oder Tod eines Gesellschafters?
  • Wie werden Gewinne und Verluste wirklich verteilt?
  • Was tun bei Meinungsverschiedenheiten oder Blockaden?
  • Welche Rolle spielen eingebrachte Sachwerte?
  • Gibt es Wettbewerbsverbote?

Mit einem Mustervertrag gehst du ein hohes Risiko ein. Denn wenn etwas fehlt, gilt das Gesetz – und das ist nicht immer in deinem Sinne.

5 Dinge, die in deinem Gesellschaftsvertrag nicht fehlen dürfen

Ein guter Vertrag ist mehr als juristischer Text. Er ist ein Sicherheitsnetz für alle Beteiligten. Achte besonders auf diese Punkte:

  1. Zweck der Gesellschaft: Was genau macht ihr? Je klarer, desto besser.
  2. Kapital & Beiträge: Wer bringt wie viel Geld, Arbeitszeit oder Sachwerte ein?
  3. Gewinn- und Verlustverteilung: Nach Köpfen, Anteilen oder individuell geregelt?
  4. Vertretung & Geschäftsführung: Wer darf was entscheiden – allein oder gemeinsam?
  5. Ausscheiden & Nachfolge: Was passiert bei Austritt, Tod oder Streit?

Diese Punkte sollten nicht nur geregelt, sondern auch durchdacht sein – sonst droht später Stress.

Hol dir rechtliche Unterstützung – es lohnt sich

Ja, ein individuell erstellter Gesellschaftsvertrag kostet Geld. Aber im Vergleich zu möglichen Streitigkeiten, gerichtlichen Auseinandersetzungen oder gar einer Auflösung der Gesellschaft sind diese Kosten überschaubar.

Tipp: Es muss nicht immer ein Anwalt sein – auch Notare oder spezialisierte Gründungsberatungen können helfen. Wichtig ist: Lass den Vertrag individuell prüfen und auf deine Situation anpassen.

Deine nächsten Schritte zum individuellen Vertrag

So gehst du vor:

  1. Setzt euch als Gesellschafter zusammen und sprecht offen über Erwartungen, Aufgaben, Geld & Verantwortung.
  2. Haltet eure Eckpunkte schriftlich fest – gerne stichpunktartig.
  3. Nehmt professionelle Unterstützung in Anspruch, um daraus einen sauberen Vertrag zu machen.
  4. Lasst den Vertrag von allen unterschreiben – am besten vor dem ersten gemeinsamen Auftrag.

So bist du auf der sicheren Seite – und startest mit klarem Kopf in die gemeinsame Zukunft.

Und wenn’s doch knallt?

Ein Gesellschaftsvertrag kann Streit nicht verhindern – aber er kann regeln, wie damit umgegangen wird. Das gibt Sicherheit und stärkt das Vertrauen in der Gründung. Wer von Anfang an professionell arbeitet, hat später mehr Ruhe für’s eigentliche Geschäft.

Gesellschaftsvertrag

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1 Kommentare

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    Ein sehr wichtiger Punkt kommt hier fast ein wenig zu kurz: was passiert wenn einer der Gesellschafter verstirbt? Hierbei geht es nicht nur um eine faire Lösung für die anderen Gesellschafter sondern es ist auch an die Hinterbliebenen zu denken! Auch im Falle der Kündigung eines Gesellschafters gibt es vieles zu beachten, eine Rechtsberatung im Vorfeld ist auf jeden Fall zu empfehlen.

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