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CSRD-Pflicht für Unternehmen: Was jetzt auf dich zukommt

CSRD / Abstrakte Illustration eines Arbeitsplatzes mit Laptop, Diagrammen und Pflanzen als Symbol für strukturierte Nachhaltigkeitsberichterstattung im Unternehmen.

Nachhaltigkeitsberichte waren lange ein Thema für Großkonzerne. Das ändert sich gerade grundlegend. Mit der CSRD wird Nachhaltigkeitsberichterstattung für deutlich mehr Unternehmen verpflichtend – verbindlich, prüfbar und strukturiert.

Wenn du selbständig bist oder ein Unternehmen führst, solltest du jetzt wissen, ob du betroffen bist, ab wann die Pflicht greift und wie du dich pragmatisch vorbereitest.

Was ist die CSRD überhaupt?

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist eine EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ziel ist es, vergleichbare, verlässliche und prüfbare Informationen zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung zu schaffen. Die CSRD ersetzt die bisherige, deutlich schlankere NFRD und erweitert den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen massiv. Verabschiedet wurde sie von der Europäische Union, umgesetzt wird sie über nationales Recht.

Kurz gesagt: Nachhaltigkeit wird vom freiwilligen Image-Thema zur festen Berichtspflicht.

Welche Unternehmen sind betroffen?

Entscheidend ist nicht deine Rechtsform, sondern Größe und Struktur. Berichtspflichtig werden schrittweise:

  • Große Kapitalgesellschaften, die mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen:
    • mehr als 250 Mitarbeitende
    • über 40 Mio. Euro Umsatz
    • über 20 Mio. Euro Bilanzsumme
  • Kapitalmarktorientierte KMU (mit Übergangsfristen)
  • Unternehmen aus Drittstaaten, wenn sie in der EU relevante Umsätze erzielen

Viele klassische Einzelunternehmen und kleine Personengesellschaften sind aktuell nicht direkt betroffen. Aber: Sobald du mit berichtspflichtigen Unternehmen zusammenarbeitest, wirst du mittelbar eingebunden. Lieferketten, Datenabfragen und Nachhaltigkeitsnachweise landen dann auch bei dir.

Ab wann gilt die CSRD?

Die Einführung erfolgt stufenweise:

  • Berichtsjahr 2024 (Bericht 2025): große Unternehmen, die bereits nach NFRD berichtet haben
  • Berichtsjahr 2025: alle übrigen großen Unternehmen
  • Berichtsjahr 2026: kapitalmarktorientierte KMU (mit Opt-out bis 2028)

Das klingt nach Zukunft. In der Praxis bedeutet es: Die Vorbereitungen laufen jetzt. Daten, Prozesse und Zuständigkeiten lassen sich nicht kurzfristig aus dem Boden stampfen.

Was genau muss berichtet werden?

Kern der CSRD sind die ESRS-Standards (European Sustainability Reporting Standards). Sie legen fest, welche Inhalte strukturiert offengelegt werden müssen, unter anderem:

  • Umwelt: Klima, Energie, Emissionen, Ressourcen
  • Soziales: Mitarbeitende, Lieferketten, Menschenrechte
  • Governance: Unternehmensführung, Compliance, Risikomanagement

Zentral ist das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit:

  • Wie wirkt dein Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft?
  • Wie wirken Nachhaltigkeitsaspekte auf deine wirtschaftliche Lage?

Beides muss systematisch bewertet und dokumentiert werden.

Warum betrifft das auch kleinere Unternehmen?

Auch wenn du selbst (noch) nicht berichtspflichtig bist, wirst du die CSRD spüren. Große Unternehmen geben die Anforderungen weiter – an Lieferanten, Dienstleister und Partner. Typische Folgen sind:

  • Fragebögen zu CO₂, Arbeitsbedingungen oder Lieferketten
  • Nachweise zu Prozessen, Richtlinien und Maßnahmen
  • Ausschluss aus Vergaben, wenn Mindeststandards fehlen

Wer hier gar nichts vorweisen kann, verliert mittelfristig Aufträge. Wer vorbereitet ist, verschafft sich einen echten Vorteil.

Für große Unternehmen ist die CSRD häufig ein eigenes Projekt – oft begleitet durch interne Fachabteilungen oder externe Berater. Für kleine Unternehmen und Einzelunternehmer gilt eine andere Logik. Hier geht es nicht um Berichte, Roadmaps oder Strategiepapiere, sondern um Überblick, Ordnung und Nachvollziehbarkeit. Wer weiß, welche Themen relevant sind, und seine Arbeitsweise erklären kann, ist in der Praxis gut vorbereitet.

Was du als kleines Unternehmen jetzt konkret tun solltest

Auch wenn du aktuell nicht direkt CSRD-pflichtig bist, solltest du das Thema nicht ignorieren. Große Unternehmen geben die Anforderungen weiter – und die treffen früher oder später auch Einzelunternehmer und kleine Betriebe. Entscheidend ist, dass du handlungsfähig bleibst, wenn Anfragen kommen.

Konkret heißt das für dich:

  • Verschaffe dir einen Überblick, welche Nachhaltigkeitsthemen dein Geschäftsmodell überhaupt betreffen. Energieverbrauch, Mobilität, eingesetzte Materialien, Zusammenarbeit mit Partnern – mehr braucht es am Anfang nicht.
  • Halte einfache Basisdaten fest, zum Beispiel zu Strom, Heizung, Reisen oder externen Dienstleistern. Keine perfekte Datentiefe, sondern nachvollziehbare Zahlen.
  • Dokumentiere kurz deine Arbeitsweise, etwa zu fairer Zusammenarbeit, Datenschutz, Arbeitsbedingungen oder Auswahl von Partnern. Ein paar saubere Stichpunkte reichen.
  • Reagiere vorbereitet auf Nachfragen, statt erst dann hektisch Informationen zusammenzusuchen. Wer antworten kann, wirkt professionell.
  • Behalte das Thema im Blick, ohne es zu einem Großprojekt zu machen. Einmal im Jahr prüfen, ob sich etwas Wesentliches geändert hat, ist ausreichend.

Du musst keine Nachhaltigkeitsstrategie schreiben und keinen Bericht veröffentlichen. Aber du solltest zeigen können, dass du weißt, was du tust – und warum. Genau das erwarten viele größere Auftraggeber inzwischen.

Typische Fehler, die du vermeiden solltest

  • Das Thema komplett ignorieren, weil „noch keine Pflicht besteht“
  • Nachhaltigkeit als reines Marketingprojekt betrachten
  • Daten erst sammeln wollen, wenn sie abgefragt werden
  • Verantwortung komplett auslagern, ohne selbst Überblick zu behalten

CSRD ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess.

CSRD als Chance nutzen

So trocken das Thema klingt: Es bietet auch Vorteile. Wer seine Zahlen, Prozesse und Risiken kennt, trifft bessere Entscheidungen. Transparenz schafft Vertrauen – bei Kunden, Partnern und Banken. Und ja: Nachhaltigkeit wird zunehmend ein Wettbewerbsfaktor, auch für kleinere Unternehmen.

Klarheit statt Aktionismus

Die CSRD zwingt Unternehmen, genauer hinzuschauen – nicht nur auf Zahlen, sondern auf Strukturen und Verantwortung. Wenn du das Thema jetzt sachlich und Schritt für Schritt angehst, behältst du die Kontrolle und vermeidest späteren Stress. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus unternehmerischer Vernunft.

CSRD

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