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Rentenlücke berechnen: Was Selbstständige wirklich brauchen

"Mind the Gap"-Schriftzug an einer Londoner U-Bahn-Wand mit rotem Waggon im Vordergrund — Symbol für die Rentenlücke bei Selbstständigen

Als Selbstständiger hast du in der Regel keine Betriebsrente und wenig gesetzliche Rente. Deine Rentenlücke — die Differenz zwischen dem, was du im Alter brauchst, und dem, was du bekommst — musst du selbst schließen.

Die Grundrechnung dafür ist einfach: Zielrente minus voraussichtliche Renteneinnahmen ergibt die Lücke, ein Zinsrechner zeigt dir, wie viel du monatlich zurücklegen musst. Wie das konkret funktioniert, zeigen die folgenden fünf Schritte.

Was ist die Rentenlücke überhaupt?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, welches du im Alter haben möchtest, und dem, was du voraussichtlich aus bestehenden Quellen bekommst. Für Selbstständige ist diese Lücke in der Regel größer als für Angestellte — weil keine Betriebsrente existiert und die gesetzliche Rente entweder fehlt oder gering ist.

Das bedeutet: Du musst den größten Teil deiner Altersvorsorge selbst aufbauen. Das ist keine schlechte Nachricht — es bedeutet nur, dass du früher und bewusster anfangen musst als die meisten.

Schritt 1: Zielrente festlegen

Überlege, wie viel Nettoeinkommen du im Alter monatlich brauchst. Ein gängiger Ausgangspunkt ist 70 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens — weil im Alter bestimmte Kosten wegfallen (Altersvorsorgebeiträge, Berufskosten, ggf. laufende Kredite).

Beispiel: Dein aktuelles Nettoeinkommen beträgt 3.500 Euro pro Monat. Mit 70 Prozent wären das 2.450 Euro als Zielrente.

Das ist kein verbindlicher Wert — sondern ein Ausgangspunkt. Wer im Alter Reisen oder größere Ausgaben plant, rechnet mit mehr. Wer bescheidener leben will, mit weniger.

Schritt 2: Bestehende Rentenansprüche erfassen

Sammle alle Quellen, aus denen du im Alter voraussichtlich Einkommen beziehst:

  • Gesetzliche Rente (falls du eingezahlt hast — prüfe deinen aktuellen Stand in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung)
  • Bestehende private Rentenversicherungen
  • Rürup-Rente oder andere geförderte Produkte
  • Mieteinnahmen oder andere passive Einkünfte

Addiere diese Werte. Was dabei herauskommt, ist dein voraussichtliches Renteneinkommen.

Schritt 3: Rentenlücke berechnen

Die Rechnung ist einfach:

Rentenlücke = Zielrente − voraussichtliches Renteneinkommen

Beispiel: Zielrente 2.450 Euro, voraussichtliche Rente aus bestehenden Quellen 600 Euro. Rentenlücke: 1.850 Euro pro Monat.

Dieser Wert zeigt dir, wie viel du monatlich zusätzlich brauchst — und damit, wie viel Kapital du bis zum Renteneintritt aufgebaut haben musst.

Rechne es direkt durch — der Rechner unten gibt dir alle drei Werte sofort:






4 %

1 % (konservativ)
8 % (optimistisch)
Monatliche Rentenlücke
Benötigtes Kapital
Monatliche Sparrate

Die Berechnung basiert auf vereinfachten Annahmen (25 Jahre Rentenbezug, Zinseszinseffekt in der Ansparphase). Sie ersetzt keine individuelle Beratung.

Die Sparrate, die dabei herauskommt, ist dein Ausgangswert für Schritt 4.

Schritt 4: Benötigtes Kapital ermitteln

Um eine monatliche Rentenlücke von 1.850 Euro zu schließen, brauchst du ein Kapital, das du im Alter nach und nach aufzehrst oder dessen Erträge die Lücke decken. Eine grobe Faustformel:

Benötigtes Kapital = monatliche Rentenlücke × 12 × angenommene Rentendauer

Beispiel: 1.850 Euro × 12 Monate × 25 Jahre = 555.000 Euro.

Das ist die vereinfachte Variante ohne Zinsen und Inflation. Für eine genauere Berechnung hilft ein Zinsrechner — du gibst die Zieldauer, den angenommenen Zinssatz und das Zielkapital ein und bekommst die erforderliche monatliche Sparrate.

Schritt 5: Monatliche Sparrate berechnen

Mit einem einfachen Zinsrechner — den du kostenlos online findest — kannst du jetzt rückwärts rechnen: Wie viel musst du monatlich zurücklegen, um bis zum Renteneintritt das benötigte Kapital aufgebaut zu haben?

Die entscheidende Variable dabei ist der Anlagehorizont. Wer mit 35 anfängt statt mit 50, braucht bei gleicher Zielgröße deutlich weniger pro Monat — weil der Zinseszinseffekt über 30 Jahre erheblich stärker wirkt als über 15.

Beispiel mit vorsichtig kalkulierten 4 Prozent Rendite pro Jahr:

  • 30 Jahre Anlagehorizont, Zielkapital 555.000 Euro → ca. 800 Euro monatlich
  • 15 Jahre Anlagehorizont, gleiches Zielkapital → ca. 2.500 Euro monatlich

Der Unterschied ist erheblich. Früh anfangen ist keine Floskel, sondern Mathematik.

Welches Instrument passt?

Die Frage, womit du die Lücke schließt, ist eine zweite Entscheidung — und hängt von deiner Situation ab. Grob gilt:

  • Rürup-Rente: steuerlich attraktiv für Selbstständige mit hohem Einkommen, aber unflexibel
  • ETF-Sparplan: flexibel, kostengünstig, aber keine Steuerförderung in der Ansparphase
  • Private Rentenversicherung: planbare Auszahlung, aber oft hohe Kosten

Keine dieser Optionen ist pauschal besser als die andere — das hängt von Steuersituation, Flexibilitätsbedarf und Anlagehorizont ab. Eine unabhängige Beratung durch einen Honorarberater lohnt sich hier, bevor du dich festlegst.

Wer seine Steuerlast als Selbstständiger senken will, findet in unserem Artikel zur Steueroptimierung für Selbstständige konkrete Ansätze — auch Vorsorgeaufwendungen lassen sich steuerlich geltend machen.

Wer nicht rechnet, spart ins Blaue

Die meisten Selbstständigen wissen, dass sie für das Alter vorsorgen sollten — aber wie viel, das haben sie nie konkret durchgerechnet. Das Ergebnis ist entweder zu wenig oder zu viel in unpassenden Produkten.

Wer einmal die eigene Rentenlücke berechnet hat, trifft bessere Entscheidungen — nicht, weil er mehr Geld hat, sondern weil er weiß, wofür er spart.

Rentenlücke

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