Wenn die Ware ausgeht, bevor die nächste Lieferung eintrifft, hast du ein Problem. Einen Sicherheitsbestand zu halten bedeutet, genau das zu verhindern: Du hältst eine definierte Mindestmenge auf Lager, die dich überbrückt, bis Nachschub kommt.
Wie hoch dieser Puffer sein muss, lässt sich berechnen — und das ist einfacher als die meisten denken.
Inhalt
- Was ist der Sicherheitsbestand?
- Die Formel: So berechnest du den Sicherheitsbestand
- Was du dafür wissen musst
- Für jeden Artikel einzeln — oder nur für die wichtigen
- Sicherheitsbestand in der Praxis: Eine einfache Excel-Tabelle reicht
- Wie oft solltest du die Werte überprüfen?
- Der Unterschied zwischen Theorie und dem, was wirklich hilft
Was ist der Sicherheitsbestand?
Der Sicherheitsbestand ist die Menge eines Artikels, die du mindestens vorrätig haben solltest, damit du auch dann lieferfähig bleibst, wenn der Verbrauch kurzzeitig höher ausfällt als geplant oder ein Lieferant länger braucht als erwartet. Er ist kein Luxus, sondern ein Puffer gegen die unvermeidlichen Unregelmäßigkeiten im Alltag.
Ohne diesen Puffer riskierst du Lieferengpässe, verärgerte Kunden und im schlechtesten Fall entgangene Umsätze. Mit einem zu hohen Puffer bindest du unnötig Kapital und Lagerfläche. Es geht also darum, den richtigen Mittelwert zu finden.
Die Formel: So berechnest du den Sicherheitsbestand
Die Grundformel ist überschaubar:
[lightgrey_boy]
Sicherheitsbestand = durchschnittlicher Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit (in Tagen)
[/lightgrey_boy]
Ein Beispiel: Du verkaufst im Schnitt 20 Einheiten pro Tag. Dein Lieferant braucht 5 Tage. Dann ist dein Sicherheitsbestand 20 × 5 = 100 Einheiten.
Das ist die einfache Variante — sie funktioniert gut, wenn Verbrauch und Lieferzeit stabil sind. Wenn beides schwankt, kannst du einen Pufferfaktor ergänzen:
[lightgrey_boy]
Erweiterter Sicherheitsbestand = (maximaler Tagesverbrauch − durchschnittlicher Tagesverbrauch) × maximale Wiederbeschaffungszeit
[lightgrey_boy]
Das klingt komplizierter, als es ist. Du nimmst einfach den Unterschied zwischen deinem stärksten Verbrauchstag und dem Durchschnitt — und multiplizierst das mit der längsten Lieferzeit, die du bisher erlebt hast. Das ergibt den Puffer, den du für den Worst Case brauchst.
Ein Beispiel: Du verkaufst im Schnitt 20 Einheiten pro Tag, an Spitzentagen aber bis zu 35. Dein Lieferant braucht normalerweise 5 Tage, in Ausnahmefällen bis zu 8. Dann lautet die Rechnung: (35 − 20) × 8 = 120 Einheiten Sicherheitsbestand.
Was du dafür wissen musst
Für die Berechnung brauchst du pro Artikel drei Werte:
- Durchschnittlicher Tagesverbrauch — am besten aus den letzten 3 bis 6 Monaten ermitteln
- Maximaler Tagesverbrauch — der höchste Wert im selben Zeitraum
- Wiederbeschaffungszeit — von der Bestellung bis zur tatsächlichen Verfügbarkeit im Lager, nicht nur die Lieferzeit des Spediteurs
Gerade der dritte Punkt wird unterschätzt. Die Wiederbeschaffungszeit endet nicht, wenn der LKW vor der Tür steht — sondern erst, wenn die Ware eingebucht, geprüft und eingelagert ist.
Für jeden Artikel einzeln — oder nur für die wichtigen
Du musst das nicht für jeden Artikel im Sortiment durchrechnen. Sinnvoll ist es vor allem für:
- Artikel mit hohem Umsatzanteil
- Artikel mit langen oder unzuverlässigen Lieferzeiten
- Artikel, bei denen ein Engpass direkt auf den Kunden durchschlägt
Eine ABC-Analyse hilft dir, diese Artikel schnell zu identifizieren: A-Artikel sind deine umsatzstärksten — dort lohnt sich der Aufwand am meisten. Bei C-Artikeln mit niedrigem Wert und schneller Verfügbarkeit reicht oft ein pauschaler Puffer.
Sicherheitsbestand in der Praxis: Eine einfache Excel-Tabelle reicht
Du brauchst keine spezielle Software. Eine Tabelle mit folgenden Spalten ist ausreichend:
- Artikelbezeichnung
- Durchschnittlicher Tagesverbrauch
- Maximaler Tagesverbrauch
- Wiederbeschaffungszeit (Tage)
- Berechneter Sicherheitsbestand
- Meldebestand (= Sicherheitsbestand + Verbrauch während Wiederbeschaffungszeit)
Der Meldebestand ist dabei der entscheidende Wert für den Alltag: Sobald dein Lagerbestand diesen Wert unterschreitet, löst du eine neue Bestellung aus. So stellst du sicher, dass die Ware ankommt, bevor du in den Sicherheitsbestand greifst.
Wie oft solltest du die Werte überprüfen?
Einmal festgelegt ist nicht für immer festgelegt. Saisonale Schwankungen, neue Lieferanten oder veränderte Nachfrage können dazu führen, dass deine Berechnungsgrundlage nicht mehr stimmt. Eine Überprüfung einmal pro Quartal — oder nach jedem größeren Lieferengpass — ist sinnvoll.
Der Unterschied zwischen Theorie und dem, was wirklich hilft
Die meisten Engpässe entstehen nicht, weil jemand die Formel nicht kennt, sondern weil die Werte nie erhoben wurden. Kein System weiß, wie lange dein Lieferant wirklich braucht, wenn er unter Druck steht — das weißt nur du. Genau deshalb bringt eine einfache, selbst gepflegte Tabelle oft mehr als ein komplexes Warenwirtschaftssystem, das mit veralteten Stammdaten arbeitet.
Wer seinen Sicherheitsbestand kennt und konsequent nachbestellt, sobald der Meldebestand erreicht ist, hat das Wichtigste bereits erledigt.

Pin it!


[…] Beitrag „Sicherheitsbestand berechnen: So läufst du nicht leer“ erschien zuerst auf „Das […]