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Wie der Arbeitskampf zum Geburtshelfer der Freizeitindustrie wurde

Freiteitindustrie

Die Realität der Volkswirtschaft lehrt, dass es Dinge gibt, die jeder haben oder nutzen möchte, aber keiner dafür zu zahlen bereit ist. Schön gepflasterte Bürgersteige sind so ein Beispiel. Jeder weiß ihren Vorzug zu schätzen. Kaum jemand jedoch käme auf die Idee, den Weg vor seinem Grundstück auf eigene Kosten zu ebnen. Weil dann ja jeder den Komfort kostenlos nutzen könnte. Also muss im Interesse aller die Öffentliche Hand solche Güter zumindest vorfinanzieren.

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Ähnlich verhält es sich mit den Interessen von Unternehmen. Jeder Unternehmer wünscht sich eine absatzfördernde volkswirtschaftliche Situation. Kaum einer aber wird bereit sein, diese auf eigene Kosten herzustellen. Arbeiterschaft und Gewerkschaften halfen dem volkswirtschaftlichen Wohl auf die Sprünge.

Klingt komisch? Ist aber so.

Ein Beispiel: Ein Autohersteller würde seine Produktion nicht bei vollem Lohnausgleich von einem 12-Stunden-Zweischichtbetrieb auf einen 8-Stunden-Dreischichtbetrieb umstellen. Obwohl ein guter Teil der Autos für die Freizeitnutzung produziert wird. Menschen ohne Freizeit haben keinen Grund und möglicherweise auch kein Geld, sich eines zu kaufen. Gutbezahlte Menschen dagegen schon.

Der Unternehmer würde also seine Absatzsituation verbessern – aber auch die aller anderen. Deshalb lässt er’s. Es sei denn, Arbeitskämpfe zwingen alle Hersteller zur Änderung der Produktion. Das System der Sozialen Marktwirtschaft und der Arbeitermitbestimmung erwies sich in Deutschland als Regulativ, um volkswirtschaftliche Fehlentwicklungen zu verhindern.

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Freizeit als Wirtschaftsfaktor

Schaut man in die Geschichte der Bundesrepublik, so haben technischer Fortschritt, gestiegene Produktivität, aber auch die Forderungen der Arbeiterschaft nach besseren Löhnen und mehr Freizeit allgemeinen Wohlstand geschaffen – und quasi nebenbei einen gigantischen Wirtschaftszweig aus dem Boden gestampft: die Freizeitindustrie. Umsätze von Abermilliarden und Millionen von Arbeitsplätzen wären quer durch alle Branchen undenkbar ohne die wirtschaftliche Kraft des Freizeitverhaltens.

Mobilität, Tourismus, Gastronomie, Event, Sport, Unterhaltungs-Elektronik leben unmittelbar von der Freizeit der Menschen. Handel, Bauwirtschaft, Werbewirtschaft, Informationstechnik, Verlagswesen, Finanzwesen – sie alle profitieren von der Freizeit. Ja, und auch solche urdeutschen Hobbys wie Baumarkt, Gartencenter und Shopping-Mall – das alles sind in Wahrheit Freizeitparks. Ohne die Errungenschaften der Arbeiterschaft gäbe es zig Unternehmen gar nicht, oder nicht in dieser Größe.

Trotzdem verdrehen viele Unternehmer die Augen, wenn sie von der Gründung eines Betriebsrates in ihrem Unternehmen hören. Obwohl ein Betriebsrat doch eigentlich im Interesse beider Parteien liegen sollte – insbesondere wenn dieser gut geschult ist (z. B. durch den Besuch externer Schulungen). Wenn Sie ein Unternehmen haben, das nur ansatzweise Umsätze mit Freizeit macht, seien sie auch um des Betriebsfriedens Willen doch einfach kooperativ – es geht womöglich um die Geschäftsgrundlage Ihres Unternehmens.

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