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Entscheidungsmethoden – sich Klarheit verschaffen mit unkonventionellen Mitteln!

Klarheit verschaffen

Selbständigkeit heißt vor allem viele Entscheidungen selbst und unter Umständen auch alleine zu treffen. Gerade bei Freelancern und Einzelunternehmern ist meist niemand da, der sich wirklich zu 100% in die Situation hineindenken kann und mit dem man Entscheidungen gemeinsam treffen könnte.

Gerade in unübersichtlichen Situationen verliert man so gerne den Überblick oder kennt vielleicht auch gar nicht alle Fakten bzw. denkt nicht an alles, was zu berücksichtigen wäre.

Was also tun, um trotzdem zu einer guten Entscheidung zu kommen?

Man muss sich Klarheit verschaffen!

Klarheit über die möglichen Alternativen und deren Konsequenzen, Klarheit über die Faktoren, die die Situation beeinflussen könnten und auch Klarheit über die eigenen Werte und Prioritäten.

Neben den klassischen Methoden wie CAF, 7plusminus2, PMI, Mind Mapping, Entscheidungsmatrix oder der gewichteten Entscheidungsmatrix, die ich bereits vorgestellt habe (Entscheidungsmethoden – Komplexität reduzieren, Klarheit schaffen.), gibt es noch weitere (teils unkonventionelle) Methoden, die helfen können den Überblick über die Situation zu bekommen, um dann eine gute Entscheidung zu treffen. Sie erscheinen einigen von Euch zunächst vielleicht ein wenig esoterisch oder „unprofessionell“, helfen können sie aber trotzdem!

Somatische Marker

Die Theorie der somatischen Marker basiert auf Beobachtungen des portugiesischen Neurowissenschaftlers António R. Damásio. Laut seiner Theorie sind die somatischen Marker ein automatisches körpereigenes System zur Bewertung von Vorhersagen. Sie wirken oft unbewusst als Alarmglocke oder Startsignal, nehmen einem aber prinzipiell nicht das Denken ab. Sie helfen beim Denken, indem der Körper mögliche Alternativen aufgrund individueller Erfahrungen spontan als gut oder schlecht bewertet und entsprechende Signale sendet.

Jede Erfahrung wird lt. Damásio  im Körper (griechisch: Köper = soma) als gut oder schlecht abgespeichert, d.h. mit einem positiven oder negativen Marker versehen. Diese Marker werden dann bei ähnlichen Erlebnissen blitzschnell abgerufen und geben so ein „Bauchgefühl“, wie eine Situation zu bewerten ist. Sie helfen so beim Vorsortieren, wenn mehrere Alternativen zur Wahl stehen oder eine Entscheidung getroffen werden muss.

Video: Antonio Damasio: Die Herausforderung, das Bewusstsein zu verstehen / ted.com

Jeder kennt das, die berühmten „kalten Füße“ vor einer komplizierten Verhandlung, das „Bauchweh“ vor einer Prüfung, aber auch das wohlige Gefühl im Magen, dass sich manchmal spontan bei der Bewertung von Alternativen einstellt.

Aber kann man darauf eine berufliche Entscheidung fußen lassen? Muss man nicht eher alles rational abwägen und dann eine auf den Fakten basierende Wahl treffen?

Nein! Denn das körpereigene Alarmsystem speist sich aus den gesammelten Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens sammeln konnte und es reagiert spontan und deutlich schneller, als die bewusste Überlegung. So weist z.B. Daniel Goleman in seinem Buch „Emotionale Intelligenz“ nach, dass emotionale Intelligenz für den beruflichen Erfolg doppelt so wichtig ist, wie Intelligenzquotient plus Fachwissen.

Wie setzt man Bauchgefühl, d.h. die somatischen Marker gezielt ein?

Eine gesunde Eigenwahrnehmung ist die Basis, um die somatischen Marker als Entscheidungshilfen einsetzen zu können. Wer seine Empfindungen und Gefühle ständig unterdrückt, der verlernt diese als Unterstützung bei Entscheidungen zu nutzen. Man beraubt sich so leider des Erfahrungsschatzes, den man im Laufe des Lebens sammeln konnte und der im Körper abgespeichert ist. Hier heißt es dann üben üben üben, um die innere Stimme wieder hören zu können. Entspannung, Massagen oder Sport helfen, die Körperwahrnehmung zu trainieren.

In Entscheidungssituationen kann man sein Körpergedächtnis dann z.B. wie folgt nutzen:

  • Gerade unter Zeitdruck zeigt sich, dass die somatischen Marker bereits reagieren, wenn das Hirn noch arbeitet. Hier hilft der Körper, eine Situation im Vorfeld einzuschätzen und so angemessen reagieren zu können.
  • Hin und wieder hat man ein ungutes Gefühl, obwohl man noch keine sachlichen Gründe dafür benennen könnte. Dann sollte man auf Zeit spielen und dem Bewusstsein die Zeit geben, die es braucht, um die Situation einzuschätzen. Denn die bewusste Beurteilung braucht einfach länger, als die somatische Reaktion.
  • Manchmal kann es auch helfen, eine Entscheidung im Inneren durchzuspielen und ganz gezielt auf die Körperreaktion zu den möglichen Alternativen zu achten. Wie fühlt man sich mit den einzelnen Situationen? Freude? Dann scheint man auf dem richtigen Weg zu sein. Oder doch noch Bauchgrummeln? Lieber die Lage noch einmal überdenken. Diese Feedbackschleifen sollte man durchspielen, bis Kopf und Bauch in Einklang gebracht sind.

Wer seine innere Ampel beachtet, schafft es Entscheidungen im Einklang mit sich selbst zu treffen. Ergebnis: man fühlt sich mit der Entscheidung wohl 😉

Der große Wurf

Zuweilen klappt es aber nicht, Kopf und Bauch in Einklang zu bringen. Egal wie man hin und her überlegt, in sich hineinhört und über alles wieder und wieder nachdenkt, am Ende steht ein klares JEIN.

Was tun? Wie Bewegung in die festgefahrene Situation bringen?

Man setzt den Zufall als Entscheidungsmotor ein! Denn was man jetzt benötigt sind neue Impulse, um die Sache wieder in Bewegung zu bringen.

Mit dem Würfel Entscheidungen vorantreiben

Mit dem Würfel? Alea iacta est – oder wie? Nicht ganz. Der Würfel wird genutzt, um sich spielerisch einer Lösung zu nähern und alle Aspekte gründlicher zu beleuchten.

Wie es geht? Ganz einfach:

  • Zunächst die Fragestellung festlegen, z.B. „Soll ich mir ein Cabrio kaufen?“
  • Jetzt schreibt man drei Gründe dafür und drei Gründe dagegen auf. Ausreichend Gründe sollte man haben, denn man hat ja schon länger über das Thema nachgedacht und alle Fürs und Widers abgewogen. Man konnte nur noch keine Entscheidung treffen, was denn nun überwiegt. Die wichtigsten Gründe gehören auf die Liste.
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  • Jetzt werden diese Gründe mit Hilfe des Würfels durchnummeriert. Einfach für jeden Grund würfeln und die gewürfelte Zahl neben den Stichpunkt schreiben. Wird eine Zahl doppelt gewürfelt, dann ist der Wurf ungültig und wird wiederholt.
  • Wenn alle sechs Gründe nummeriert sind geht es los. Es folgt „Der große Wurf“ – die jetzt gewürfelte Zahl entscheidet, welcher der Punkte jetzt als ausschlaggebend angesehen werden und vertieft werden soll.
  • Zu dem so ermittelten Punkt werden nun drei weitere Gründe gesucht, die diesen stützen und untermauern. D.h es wird versucht das Ergebnis des großen Wurfs schlüssig zu machen. Vielleicht hinterfragt man aber auch einmal die hinter dem Grund stehenden Motive? Was genau ist daran wichtig bzw. entscheidend?
  • Eine mögliche Herangehensweise ist z.B. einen Punkt aus der Kontra-Reihe ins Positive zu drehen. Beispiel: Aus „Ein Cabrio ist nicht gut, weil es durch das fehlende Dach unsicherer ist.“ wird nun „Sicherheit ist mir sehr wichtig im Straßenverkehr.“ Jetzt kann man ganz praktisch nach Lösungen für dieses Thema suchen. In unserem Beispiel könnte es z.B. sein, dass man bei diesen Überlegungen darauf kommt nach Cabrios mit Hardtop zu suchen, da diese mehr Sicherheit bieten als solche mit Stoffdach.
  • Bei einem Punkt aus der Pro-Reihe könnte z.B. hinterfragen, was genau einem daran so wichtig ist oder aber wieso man sich innerlich gegen diesen doch eigentlich positiven Grund sperrt. Was genau verspricht man sich davon offen ins Büro zu fahren oder wieso glaubt man überhaupt ein neues Auto zu benötigen? Und wieso hat man beim Thema „Ich gönne mir das jetzt einfach.“ so ein schlechtes Gewissen?

Wichtig ist, dass man mit dieser Methode des großen Wurfs gezwungen ist, seine Gründe zu hinterfragen. Vielleicht entdeckt man dabei ganz neue Lösungen oder stellt fest, dass man partout einen Kontrapunkt nicht in etwas Positives umwandeln kann. Auf jeden Fall gerät Bewegung in die Überlegungen und vielleicht findet man endlich das entscheidende Argument.

Pendeln

Auch das Pendeln ist eine eher unkonventionelle Methode eine unklare Entscheidungslage aufzubrechen. Mit dem Pendel wird versucht, die innere Stimme und das unbewusstes Wissen zu aktivieren. Wichtig ist, dass die Intuition nur dann zum Tragen kommt, wenn man das Ganze unvoreingenommen angeht. Sonst wird das Pendel vom Bewusstsein gesteuert und man erhält nur die Antwort, die man sowieso schon wusste.

Wie pendle ich eine Entscheidung aus?

Dafür benötigt man einen Faden (ca. 25 cm lang), etwas was man daran aufhängen kann (Ring, Schlüssel etc.) und eine Pendelunterlage, um die Antworten ablesen zu können. Dazu reicht z.B. ein Blatt Papier mit einem aufgemalten Kreis, rechts & links steht NEIN, oben & unten JA. Jetzt einfach das Pendel an dem Faden aufhängen und die losen Enden verknoten. Dann kann es losgehen.

Pendelunterlage

Beispiel Pendelunterlage

  • Zunächst wird das Thema festgelegt. Man sollte einfache Ja/Nein-Fragen stellen, sonst bekommt man keine klaren Antworten des Unterbewusstseins.
  • Das Fadenende mit Daumen und Zeigefinger fassen, den Ellbogen auf den Tisch stützen und die Hand mit dem Pendel locker und entspannt über den Tisch mit der Pendelunterlage halten.
  • Warten, bis das Pendel über dem Mittelpunkt der Unterlage zur Ruhe gekommen ist, man merkt, wann es soweit ist.
  • Zum Üben einfach ein paar simple Fragen auspendeln, bis man sich sicher fühlt.
  • Dann die entscheidende Frage stellen und sich auf die Frage konzentrieren, nicht auf die Antwort!
  • Sobald das Pendel nun ausschwingt hat man seine Antwort.

Auch bei dieser Art der Entscheidungsfindung geht es vor allem darum, Klarheit in seine Gedanken zu bekommen und neben den rationalen Kräften auch die unbewussten, emotionalen Energien für die Entscheidungsfindung zu aktivieren.

Weitere Methoden sich Klarheit zu verschaffen

Neben diesen Methoden gibt es noch weitere Wege, die helfen können den Überblick über eine Situation zu erhalten, um dann eine gute Entscheidung zu treffen:

Mehr Informationen

Weitere Entscheidungsmethoden und ihre Anwendungsgebiete stelle ich euch in kommenden Artikeln vor. Alle bisher erschienenen Beiträge rund um das Thema findet ihr hier:

Entscheidungsmethoden

Foto: knipseline  / pixelio.de

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