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Der Aufstieg von Crowdfunding in den letzten Jahren

Crowdfunding

Das Internet hat zahllose Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle geschaffen. Eines davon ist Crowdfunding, die Finanzierung von Vorhaben, Projekten und Geschäftsideen über die „Crowd“ ohne Zwischenschaltung einer Bank. In den letzten Jahren hat sich die „Schwarmfinanzierung“ – so der deutsche Begriff – enorm weiterentwickelt, gleichzeitig ist die Zahl der Internet-Marktplätze mit entsprechenden Angeboten deutlich gestiegen.

Das Grundprinzip des Crowdfunding ist einfach. Es funktioniert über Online-Plattformen – virtuelle Marktplätze -, auf denen Angebot und Nachfrage bei Finanzierungen zusammengebracht werden. Projekte oder Vorhaben, für die eine Finanzierung benötigt wird, werden dabei auf der jeweiligen Plattform vorgestellt.

User – die „Crowd“ – haben dann die Möglichkeit, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Wenn genug Geld zusammengekommen ist, wird das Projekt geschlossen und die Finanzierung kann realisiert werden. Die Plattform fungiert dabei nicht nur als Marktplatz, sondern auch als Abwickler, ggf. mit Hilfe einer Bank. Kreditinstitute sind aber ansonsten nicht in den Finanzierungsprozess eingeschaltet.

Vom ideellen Crowdfunding zum Crowdinvesting

Die Idee der Schwarmfinanzierung stammt ursprünglich aus Großbritannien. Musiker sollten damit die Möglichkeit erhalten, Alben mit Hilfe ihrer Fans zu finanzieren. Es ging primär um die Verwirklichung von Vorhaben (Musikproduktionen, Filmen), die sonst nicht zustande gekommen wären.

Schon bald erfolgte aber eine Erweiterung des Marktplatz-Konzeptes hin zur „echten“ Kreditvergabe. Beim sogenannten Crowdlending steht sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfrageseite das kommerzielle Interesse im Vordergrund.

Potentielle Kreditnehmer wollen Zugang zu Krediten zu günstigen Konditionen erhalten. Potentielle Kreditgeber erhoffen sich eine attraktive Kapitalanlage mit überdurchschnittlicher Verzinsung.

Auch beim Crowdlending war Großbritannien Vorreiter. In Deutschland folgten 2007 die ersten Kreditplattformen. Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Anbieter.

Nach einer Prognose des Statistik-Portals Statista wird die Kreditvergabe via Crowdlending in Deutschland in den nächsten Jahren dynamisch wachsen – von knapp 6.000 finanzierten Projekten mit einem Transaktionsvolumen von 163 Mo. Euro in 2016 auf ca. 157.000 Projekte bzw. fast 4,1 Mrd. Euro in 2021.

Ursprünglich ging es beim Crowdlending vor allem um Kreditvergabe von privat an privat – sogenannte peer-to-peer-Kredite oder p2p-Finanzierungen. Die Grenzen zur Unternehmensfinanzierung waren dabei von Anfang an fließend, da die „Schwarmfinanzierung“ bevorzugt von Selbständigen und Freiberuflern genutzt wird, die auf herkömmlichem Weg Schwierigkeiten haben, Bankfinanzierungen zu vertretbaren Konditionen zu erhalten. Der Schritt zu Marktplätzen, die sich ausschließlich auf Unternehmensfinanzierung spezialisieren – wie zum Beispiel Unternehmerich – bildete den logischen nächsten Schritt.




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Der neueste Trend im Bereich crowdbasierter Unternehmensfinanzierung ist das Crowdinvesting. Bei dieser Crowdfunding-Variante werden echte unternehmerische Beteiligungen vermittelt. Kapitalgeber partizipieren daher an den Gewinnen des Unternehmens bzw. Projektes, tragen aber auch Verluste und gehen ggf. mit in die Haftung.

Typische Beteiligungsformen sind nachrangige Darlehen, stille Beteiligungen oder Genussrechte. Die Renditechancen aus Investorensicht sind entsprechend höher, dafür auch das Risiko.

Vorteile und Erfolgsfaktoren der Schwarmfinanzierung

Ob Crowdlending oder Crowdinvesting: die Nutzung von Crowdfunding ist vor allem für Start-ups und Unternehmen aus dem KMU-Bereich eine interessante Alternative zur herkömmlichen Bankfinanzierung;

  • oft wird der Zugang zu Finanzierungen dadurch erst möglich. Gerade Gründungen, die noch im Entstehen sind oder weniger durch Sachinvestitionen (Gebäude oder Maschinen) geprägt sind, haben oft Probleme, Kredite zu erhalten;
  • durch den Verzicht auf Zwischenschaltung einer Bank sind meist günstigere Konditionen möglich;
  • die Finanzierung über die Crowd schafft mehr Unabhängigkeit, weil viele Kapitalgeber anstelle eines einzigen treten;
  • Crowdfunding bietet die Möglichkeit, sich zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen und damit die Unternehmensfinanzierung auf eine breitere Basis zu stellen. Das mindert aus Unternehmenssicht das Finanzierungsrisiko.

Crowdfunding-Kampagnen zur Unternehmensfinanzierung sollten gut vorbereitet sein. Entscheidend ist dabei, die Crowd vom Unternehmenskonzept bzw. dem Vorhaben zu überzeugen. Zu den Erfolgsfaktoren gehört nicht nur die Entscheidung für die „richtige“ Plattform, sondern auch die Wahl des geeigneten Zeitpunktes sowie eine zielführende Kommunikation und Information.

Gerade bei Unternehmensfinanzierungen ist es wichtig, die Tragfähigkeit mit einem aussagefähigen Business Plan und einem entsprechenden Zahlengerüst zu unterlegen. Die Anforderungen sind kaum weniger hoch als bei „normalen“ Finanzierungen.

Foto: davide ragusa / unsplash.com

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