Versicherungen gehören für Selbständige zum Pflichtprogramm, sorgen aber selten für Klarheit. Zu viele Produkte, zu viele Empfehlungen und am Ende die Frage: Was brauche ich wirklich – und was nicht? Wer hier keine Prioritäten setzt, zahlt schnell für Sicherheit, die nur auf dem Papier existiert.
Dieser Beitrag trennt Pflicht von Kür und hilft dir, Entscheidungen zu treffen, die zu deinem Geschäft passen.
Inhalt
- Warum weniger Versicherungen oft die bessere Entscheidung sind
- Pflichtversicherungen: Hier gibt es keinen Spielraum
- Die wichtigsten Versicherungen für Selbständige – sinnvoll priorisiert
- Versicherungen, die oft überflüssig sind
- Banken, Versicherungen und Beratung: Einordnung statt Abhängigkeit
- Klarheit bringt Ruhe in den Kopf und in die Zahlen
- Am Ende zählt nicht die Anzahl der Policen
Warum weniger Versicherungen oft die bessere Entscheidung sind
Der Markt lebt davon, Risiken maximal auszudifferenzieren. Für jede Eventualität gibt es ein Produkt, oft sogar mehrere. Das führt nicht zu Sicherheit, sondern zu Unsicherheit. Wer versucht, alles abzusichern, zahlt am Ende viel Geld und verliert trotzdem den Überblick.
Für Selbständige gilt: Nicht jede theoretische Gefahr ist ein echtes Geschäftsrisiko. Entscheidend ist, welche Schäden du finanziell nicht selbst tragen kannst und welche du bewusst in Kauf nimmst. Absicherung bedeutet nicht Vollkasko fürs Leben, sondern klare Entscheidungen.
Infokasten: Pflicht vs. Kür – schnell eingeordnet
Pflichtversicherungen
Diese Absicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben oder faktisch unverzichtbar. Hier gibt es kaum Spielraum, sondern nur Gestaltungsfragen.
- Krankenversicherung (gesetzlich oder privat)
- Pflegeversicherung
- Berufs- oder Betriebshaftpflicht (abhängig von der Tätigkeit)
Kür – sinnvoll, aber nicht automatisch nötig
Diese Versicherungen können sinnvoll sein, müssen aber immer zur individuellen Situation passen.
- Absicherung der eigenen Arbeitskraft (z. B. Berufsunfähigkeit, Krankentagegeld)
- Sachversicherungen für Betriebsmittel oder Waren
- Rechtsschutz (je nach Geschäftsmodell und Risikobereitschaft)
Bewusster Verzicht
Alles, was du im Schadensfall finanziell selbst tragen kannst, muss nicht zwingend versichert werden. Rücklagen sind hier oft die bessere Lösung.
Pflichtversicherungen: Hier gibt es keinen Spielraum
Einige Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben oder faktisch unverzichtbar. An ihnen kommst du nicht vorbei.
Krankenversicherung
Ob gesetzlich oder privat – eine Krankenversicherung ist Pflicht. Die Entscheidung zwischen beiden Systemen solltest du nicht kurzfristig treffen, sondern langfristig denken. Einkommen, Familienplanung und Gesundheitszustand spielen eine zentrale Rolle.
Pflegeversicherung
Sie ist immer an die Krankenversicherung gekoppelt und ebenfalls verpflichtend. Zusätzliche Pflegezusatzversicherungen gehören dagegen nicht automatisch auf die Muss-Liste.
Berufshaftpflicht oder Betriebshaftpflicht
Sobald du mit Kunden arbeitest oder Leistungen erbringst, die Schäden verursachen können, ist eine Haftpflicht unverzichtbar. Welche Form sinnvoll ist, hängt von deiner Tätigkeit ab. Beratende Berufe brauchen andere Schwerpunkte als handwerkliche oder kreative.
Die wichtigsten Versicherungen für Selbständige – sinnvoll priorisiert
Nach den Pflichtversicherungen kommt die Kür. Hier lohnt es sich, strukturiert vorzugehen.
1. Haftpflicht an erster Stelle
Wenn du nur eine freiwillige Versicherung abschließen würdest, sollte es diese sein. Personen-, Sach- oder Vermögensschäden können schnell Summen erreichen, die ein kleines oder mittleres Unternehmen nicht auffangen kann. Die Haftpflicht schützt nicht nur vor Zahlungen, sondern übernimmt auch die Abwehr unberechtigter Forderungen.
2. Absicherung der eigenen Arbeitskraft
Deine wichtigste Ressource bist du selbst. Fällst du länger aus, steht oft das gesamte Geschäft still.
- Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann sinnvoll sein, wenn dein Einkommen stark von deiner persönlichen Arbeitsleistung abhängt.
- Alternativen wie Krankentagegeld oder Rücklagenmodelle sind ebenfalls denkbar, vor allem bei schwankendem Einkommen.
Wichtig: Es geht nicht darum, jedes Risiko auszuschließen, sondern Einkommensausfälle realistisch abzufedern.
3. Sachversicherungen mit Augenmaß
Büro, Technik, Maschinen oder Warenbestände lassen sich versichern. Die entscheidende Frage lautet: Würde ein Schaden deine Existenz gefährden oder „nur“ ärgerlich sein?
- Ein Laptop ist oft schneller ersetzt als gedacht.
- Eine Produktionsmaschine dagegen kann den Betrieb komplett lahmlegen.
Versichere nur das, was du nicht kurzfristig aus eigenen Mitteln ersetzen kannst.
Typische Versicherungsfehler von Selbständigen
Alles absichern wollen
Der häufigste Fehler ist der Versuch, jedes Risiko zu eliminieren. Das führt zu vielen Verträgen, hohen Beiträgen und wenig Überblick – aber nicht zu mehr Sicherheit.
Produkte statt Risiken vergleichen
Tarife, Leistungen und Klauseln zu vergleichen bringt wenig, wenn vorher nicht klar ist, welches Risiko überhaupt abgesichert werden soll.
Versicherungen nicht mit dem Geschäftsmodell abgleichen
Was für Berater sinnvoll ist, kann für Kreative oder Handwerker völlig irrelevant sein. Standardlösungen passen selten.
Kleine Risiken überversichern
Laptop, Handy oder Bürostuhl sind ärgerlich, aber meist ersetzbar. Hier ist eine Rücklage oft sinnvoller als eine Police.
Große Risiken unterschätzen
Haftungsfälle oder längere Arbeitsausfälle werden gern verdrängt – dabei sind sie existenziell.
Versicherungen nie überprüfen
Viele Verträge stammen aus der Gründungsphase. Wenn sich Umsatz, Tätigkeit oder Lebenssituation ändern, passt der Schutz oft nicht mehr.
Beratung mit Verantwortung verwechseln
Berater ordnen ein, entscheiden aber nicht. Die Verantwortung für Umfang und Kosten bleibt immer bei dir.
Versicherungen, die oft überflüssig sind
Viele Policen klingen logisch, bringen in der Praxis aber wenig Nutzen.
Rechtsschutzversicherung
Kann sinnvoll sein, ist aber kein Muss. Viele Selbständige regeln Konflikte pragmatisch oder bauen gezielt Rücklagen für Streitfälle auf. Außerdem decken Rechtsschutzversicherungen längst nicht alle relevanten Bereiche ab.
Unfallversicherung
Für Selbständige meist redundant, wenn eine gute Kranken- und Berufsunfähigkeitsabsicherung besteht. Sie greift nur bei sehr spezifischen Szenarien.
Kleinteilige Zusatzversicherungen
Alles, was sehr spezielle Risiken abdeckt, solltest du kritisch prüfen. Oft stehen Beitrag und Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis.
Banken, Versicherungen und Beratung: Einordnung statt Abhängigkeit
Banken und Versicherer verkaufen Produkte. Das ist ihr Geschäftsmodell. Das ist nicht verwerflich, aber du solltest es immer im Hinterkopf behalten. Gute Beratung hilft beim Einordnen, ersetzt aber nicht deine eigene Entscheidung.
Vergleiche nicht endlos Tarife, sondern prüfe zuerst:
- Welches Risiko will ich absichern?
- Was passiert, wenn ich es nicht absichere?
- Kann ich den Schaden selbst tragen?
Erst danach lohnt sich ein Produktvergleich.
Klarheit bringt Ruhe in den Kopf und in die Zahlen
Viele Selbständige ändern ihre Versicherungen ständig: neuer Tarif, neues Angebot, neue Empfehlung. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Besser ist eine klare Grundentscheidung, die du nur bei echten Veränderungen überprüfst – zum Beispiel bei Wachstum, neuen Geschäftsfeldern oder privaten Einschnitten.
Am Ende zählt nicht die Anzahl der Policen
Sicherheit entsteht nicht durch viele Verträge, sondern durch gute Entscheidungen.
Wenn du deine Risiken kennst, Prioritäten setzt und bewusst auf Überversicherung verzichtest, gewinnst du vor allem eines: Ruhe. Und die ist im Unternehmeralltag oft wertvoller als jede Zusatzklausel.

Pin it!

