Existenzgründung
Kommentare 1

Digitale Nomaden

Digitale Nomaden
Gastbeitrag von Josephine Mahler

Immer mehr Menschen definieren sich selbst als „digitale Nomaden“ – Menschen, die ihre Arbeit ortsunabhängig auf der Basis digitaler Technologien verrichten. Wenngleich der Begriff älter ist als das Internet selbst – Marshall McLuhan sprach bereits 1964 erstmals von nomadischen Informationssammlern, Tsugio Makimoto und David Manners 1997 von den digitalen Nomaden als der „Schicht jetsettender Manager“ – umschreibt er den aktuellen Trend wohl perfekt: In der ganzen Welt herumziehende Menschen, die ihr Geld über digitale Kanäle verdienen.

Die Arbeitsweise digitaler Nomaden

Dem Remote-Zugriff, Smartphones, Tablets, WiFi und Apps sei Dank sind digitale Nomaden bei der Wahl des Arbeitsplatzes nicht an einen festen Ort gebunden. Hotels, Cafés oder öffentliche Bibliotheken mutieren so ebenso zum Arbeitsumfeld wie Boote, Co-Working-Spaces oder die Strandbar im fernen Asien.

Das meist einzige Kriterium ist der Internetzugang in der Nähe, um die Arbeitsergebnisse in den Orbit zu versenden.

Berufsfelder digitaler Nomaden

Viele digitale Nomaden streuen ihr unternehmerisches Risiko und haben mehr als eine einzige Einkommensquelle parat. Hinzu kommt der Lerneffekt: Mit der Zahl umgesetzter Geschäftsideen steigt die eigene Erfahrung. Besonders verbreitet sind jedoch Kommunikation, Marketing und E-Commerce – Berufe, die sich problemlos online abwickeln lassen. Natürlich darf auch die IT-Branche nicht fehlen.

Egal, was der berufliche Plan ist: Es empfiehlt sich, bereits vor der Abreise über die notwendigen Skills zu verfügen, Jobs finden sich dann auf zahlreichen Online-Portalen – sofern nicht das eigene Start-up die Lebensgrundlage bildet.

Einnahmen vs. Ausgaben

Wie viel ein digitaler Nomade letztlich verdient, lässt sich pauschal nicht sagen, die Einkommensgrenze ist nach oben offen. Den Einnahmen steht logischerweise auch die Höhe der Ausgaben gegenüber, sodass das Einkommen selbst schnell relativiert wird. Denn es macht einen bedeutenden Unterschied, welche Lebenshaltungskosten das Aufenthaltsland gerade hat.

Während das Leben in Südostasien und Mittelamerika mit weniger als 1.000 € billig ist, gelten in Australien und Neuseeland, den USA und Kanada Preise, die vergleichbar zu Europa sind (2-3.000 €), während z. B. Norwegen und die Schweiz sehr teuer sind. Nomad List bietet dazu einen umfassenden Vergleich über die Bedingungen für digitale Nomaden.

Fixkosten minimieren

In jedem Fall ist es sinnvoll, die Fixkosten in Deutschland zu minimieren, wenn ein längerer Auslandsaufenthalt angestrebt ist. Das Zeitungsabo, das Fitness-Studio oder auch das eigene Auto – überall gibt es Einsparpotenziale.

Für wen ist das digitale Nomadentum geeignet?

Nicht jeder Mensch ist für das Reisen geboren. Grundsätzlich eignet sich das Nomadendasein eher für Menschen, die:

  • vielseitig interessiert sind
  • sich schnell langweilen
  • kreativ sind
  • Spaß an neuen Herausforderungen haben
  • offen sind gegenüber Neuem
  • risikobereit sind
  • Abenteuer und Ungewissheit mögen
  • Optimisten
  • freiheitsliebend sind
  • die Welt verändern und einen Mehrwert schaffen möchten
  • unkonventionell denken
  • sich selbst verwirklichen möchten
  • Geld nicht allzu wichtig nehmen



  • WERBUNG
  • über ein gutes Zeit- und Selbstmanagement verfügen

Es lohnt sich, das Arbeiten von unterwegs einfach mal auszuprobieren. Das muss nicht direkt mit dem Kündigen der Wohnung verbunden sein, fürs Erste reicht eine mehrwöchige Reise aus. Ist das nicht möglich, helfen Gedankenexperimente.

Im Ausland unterwegs

Das Ausland ist der Hauptarbeitsplatz digitaler Nomaden. Der fortschreitende Ausbau relevanter Infrastrukturen – kleinere technische Geräte, der weltweise W-LAN-Ausbau, Co-Working-Spaces – begünstigt das Nomadendasein weiter.

Um in fernen Ländern möglichst viel Spaß zu haben, bedarf es jedoch einiger Regeln:

  • Equipment sichern: Ein Pacsafe sichert das Equipment. Sollte es dennoch gestohlen werden, ersetzt die Hausratsversicherung über die Hausratsversicherung den Verlust. Rechnungen aufbewahren und vor Ort die Polizei aufsuchen.
  • Wichtige Dokumente in der Dropbox speichern.
  • Landessprache beherrschen: Viele Dinge gehen einfacher von der Hand, wenn man sich zumindest grundlegend in der Landessprache verständigen kann.
  • Auf das Bauchgefühl hören: Vor allem in Großstädten gibt es Stadtteile, die man vor allem nachts meiden sollte.
  • Reiseimpfungen: Einige Impfungen erfordern Mehrfach-Injektionen. Vor der Abreise entsprechend Zeit einplanen.
  • Auslandskrankenversicherung: Die klassische Krankenversicherung ist meist auf eine maximale Aufenthaltsdauer beschränkt. Bei längeren Aufenthalten ist eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung oder eine internationale Krankenversicherung sinnvoll.
  • W-LAN: Schnelle Internetverbindungen gibt es inzwischen weltweit in vielen Cafés, Hotels und Co-Working-Spaces (diese lassen sich über Webseiten wie Desk Works oder DNX Camp finden).
  • Lokale PrepaidKarten: Bei längeren Aufenthalten lohnt sich die Anschaffung einer lokalen Prepaid-Karte. So kann das Smartphone als Hotspot dienen bzw. ein mobiler W-LAN-Router zum dauerhaften Arbeiten genutzt werden.
  • Touristenvisa: Die meisten sind auf drei oder sechs Monate beschränkt. Eine Verlängerung ist entweder über eine Visaagentur oder eine kurze Ausreise möglich.

Weitere Tipps zum Leben im Ausland bietet die Digitale Nomaden Konferenz (DNX) in Berlin, sowie inzwischen zahlreiche Internetseiten mit Tipps zum Ausstieg aus dem geregelten Arbeitsleben.

Fazit

Zweifelsohne gibt es einen Trend, das Arbeiten am Strand zu idealisieren und zu verklären, doch trotz aller Hürden: Was kann es Schöneres geben, als selbstbestimmt mit einer grandiosen Aussicht zu arbeiten, die eigene Komfortzone auch mal zu verlassen und den persönlichen Werten folgend immer wieder an seine Grenzen zu gehen? Menschen, die den Zustand des permanenten Unterwegsseins schätzen, erfüllen sich mit dem digitalen Nomadentum eventuell den Traum eines rundum glücklichen Lebens.

Die Autorin

Josephine Mahler berät seit 2010 mit businessplan-hilfe.de Existenzgründer durch Gründungskonzeption, Businessplanerstellung und Unterstützung bei der Finanzplanung. Berufseinsteiger und Studierende unterstützt sie bei durch die Optimierung von Bewerbungen, wissenschaftliche Dienstleistungen (vom Coaching bis zum Lektorat) sowie Tipps rund ums Studium.

Foto: Donna / pixabay.com

Kategorie: Existenzgründung

von

Dieses Fachmagazin richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, Selbständige und Existenzgründer, die nicht für jedes Thema eine Fachabteilung haben. Hier gibt es praktische Tipps zur Unternehmensführung, die selbständig umgesetzt werden können.

1 Kommentare

  1. Pingback: Digitale Nomaden | Heikes Projekte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.