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Welche klassischen Kostenrechnungssysteme gibt es?

klassische Kostenrechnungssysteme

Heute im Grundkurs Kosten- und Leistungsrechnung: Welche klassischen Kostenrechnungssysteme gibt es?

Grundsätzlich sind Kostenrechnungssysteme eine Sammlung von Vorgaben zur Erfassung, Verarbeitung und Auswertung von Kosten. Bei den klassischen Kostenrechnungssystemen werden die Kosten zum Beispiel nach zeitlichem Bezug oder Sachumfang erfasst und sortiert.

Warum wir das brauchen? Na zum Beispiel, um unsere Preise realistisch kalkulieren zu können 🙂

Hier die wichtigsten klassischen Kostenrechnungssysteme im Überblick!

Kostenrechnung nach Zeitbezug

Eine Variante Kosten systematisch zu erfassen ist nach ihrem zeitlichen Bezug. D.h. es geht darum, ob Kosten bereits angefallen oder geplant sind.

Istkostenrechnung

Bei der Istkostenrechnung werden, wie der Name schon sagt, alle Kosten heran für die Kalkulation herangezogen, die bereits angefallen sind und per Beleg nachgewiesen werden können.

Diese Kosten heißen Istkosten, weil es so IST, dass sie angefallen sind. Wir betrachten somit die Vergangenheit.

Normalkostenrechnung

Die Normalkostenrechnung ist eine Unterform der Istkostenrechnung. Bei ihr werden Durchschnittswerte der Istkosten zur Kalkulation genutzt. Also ebenfalls ein Blick in die Vergangenheit.

Ihr Vorteil liegt jedoch darin, dass die Normalkosten schneller zu ermitteln sind und weniger zufälligen Schwankungen oder einmaligen Ereignissen unterliegen.

Plankostenrechnung

Die Plankostenrechnung wagt einen Blick in die Zukunft, denn hier wird mit geplanten Kosten kalkuliert. Eine Überprüfung, ob unsere Pläne realistisch waren, kann natürlich erst nachträglich erfolgen.

Kostenrechnung nach Sachumfang

Eine andere Möglichkeit, Kosten zu sortieren für die Kalkulation, ist die Nutzung nach Sachumfang. D.h. es werden entweder alle Kosten oder nur ein Teil zur Kalkulation genutzt.

Vollkostenrechnung

Bei der Vollkostenrechnung werden, wie der Name schon sagt, ALLE Kosten einbezogen. Es werden also auch alle Gemeinkosten und fixen Kosten auf die einzelnen Produkte oder Dienstleistungen (die Kostenträger) umgelegt.

Das Ziel der Vollkostenrechnung ist es zu ermitteln, ob der Entstehungsprozess der einzelnen Produkte oder Dienstleistungen wirtschaftlich war.

WAR ist auch genau das wichtige Stichwort: da die Kosten rückblickend umgelegt werden, ist eine Steuerung der laufenden Prozesse mit so einem Kostenrechnungssystem nicht wirklich möglich. Man kann lediglich rückblickend sagen, wie zum Beispiel das letzte Jahr gelaufen ist.

Hauptkritikpunkt am Vollkostenverfahren: da alle Kosten umgelegt werden, erfolgt keine wirkliche Verrechnung nach dem Verursacher-Prinzip. Sind Kosten angefallen, werden sie auf die Kostenträger verrechnet, egal ob sie auch angefallen wären, wenn es das Produkt gar nicht gegeben hätte. Daher ist die Vollkostenrechnung als Instrument zur Vorbereitung kurzfristiger (operativer) Entscheidungen nicht geeignet.

Gegenargument: die Vollkostenrechnung hat sehr wohl eine Bedeutung für das betriebliche Controlling, denn langfristig muss ein Unternehmen in der Lage sein ALLE seine Kosten zu decken. Sie wird daher verwendet, um bei abgeschlossenen Geschäftsjahren zu ermitteln, wie hoch zum Beispiel der Deckungsbeitrag der einzelnen Kostenträger war.

Berechnung der Selbstkosten auf Basis der Vollkosten

www.blitzarchiv.de
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EUR EUR
Materialeinzelkosten 5,00 EUR
+ Materialgemeinkosten (7% der Materialeinzelkosten) + 5,00 EUR x 0,07 = 0,35 EUR
= Materialkosten (gesamt) 5,35 EUR
Fertigungseinzelkosten 8,00 EUR
+ Fertigungsgemeinkosten (5% der Fertigungseinzelkosten) + 8,00 EUR x 0,05 = 0,40 EUR
= Fertigungskosten (gesamt) 8,40 EUR
Herstellkosten   13,75 EUR
+ Vertriebs- und Verwaltungskosten (8% der Herstellkosten) + 13,75 x 0,08 = 1,10 EUR
Selbstkosten   14,85 EUR
Verkaufserlös 25 EUR
⇒ Gewinn / Stück   25 EUR – 14,85 EUR = 10,15 EUR
x Absatzmenge (5.000 Stück) 10,15 EUR * 5.000 Stück
⇒ Betriebsgewinn   50.750 EUR

Teilkostenrechnung

Bei der Teilkostenrechnung werden, im Gegensatz zur Vollkostenrechnung, nur bestimmte Kosten auf die einzelnen Kostenträger verrechnet. Je nach System werden zum Beispiel nur die variablen Kosten oder die Einzelkosten und die variablen Gemeinkosten zugeordnet, um so eine Verrechnung von Fixkosten zu vermeiden, wie sie der Vollkostenrechnung praktiziert wird.

Dieses Verfahren dient zum Bespiel zur Berechnung des Deckungsbeitrags oder der Ermittlung der kurzfristigen Preisuntergrenze (dem Preis, der mindestens am Markt erzielt werden sollte).

Aber auch dieses Kostenrechnungssystem basiert auf Vergangenheitswerten, d.h. für die operative Steuerung ist es nicht wirklich geeignet.

Hauptkritikpunkt am Teilkostenverfahren: langfristig muss ein Unternehmen in der Lage sein ALLE seine Kosten zu decken. Betrachtet man immer nur einen Teil der angefallenen Kosten, kann das in den wirtschaftlichen Ruin führen, obwohl die auf Basis der Teilkosten ermittelnden Deckungsbeiträge der Kostenträger positiv sind.

Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag ist der Anteil des Verkaufserlöses, der zur Deckung der fixen Kosten dienen kann. Er kann zum Beispiel genutzt werden, um herauszufinden, welche Produkte sich am meisten lohnen.

Um den Deckungsbeitrag zu ermitteln, werden vom Verkaufserlös die variablen Kosten des Produkts bzw. der Dienstleistung abgezogen. Der Rest ist der Deckungsbeitrag. Zieht man dann von der Summe der Deckungsbeiträge die Unternehmensfixkosten ab, erhält man den Betriebsgewinn.

Zu unterscheiden sind die einfache Deckungsbeitragsrechnung (Direct Costing), bei der alle Fixkosten des Unternehmens als Block betrachtet werden, und die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung, bei der die Fixkosten soweit als möglich einzelnen Produkten, Produktgruppen oder Unternehmensbereichen zugeordnet werden.

Wir gehen für das Beispiel von neun Produkten aus, die in zwei Produktgruppen unterteilt werden können.

Ermittlung des Betriebsgewinns mittels einfacher Deckungsbeitragsrechnung

Einfache Deckungsbeitragrechnung

Einfache Deckungsbeitragrechnung

Ermittlung des Betriebsgewinns mittels mehrstufiger Deckungsbeitragsrechnung

Mehrstufige Deckungsbeitragrechnung

Mehrstufige Deckungsbeitragrechnung

Verbindung der Systeme nach Zeitbezug und Sachumfang

Verbindet man die beiden Systeme, so ergibt sich folgende Matrix theoretisch möglicher Kostenrechnungssysteme:

Matrix der Kostenrechnungssysteme

Matrix der Kostenrechnungssysteme

Anwendung der einzelnen Kostenrechnungssysteme

Jetzt fragt ihr euch vielleicht: warum zum Teufel gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten? Ist nicht eine Variante die beste und man kann die anderen einfach vergessen?

Leider nein, denn die verschiedenen Kostenrechnungssysteme werden für unterschiedliche Zielsetzungen und Entscheidungssituationen benötigt.

Hier eine sehr schöne Übersicht, die ich bei der Uni Ulm gefunden habe:

Anwendung der Kostenrechnungssysteme

Anwendung der Kostenrechnungssysteme

Ihr seht, je nachdem, was man prüfen oder entscheiden möchte, gibt es unterschiedliche Systeme, die man am besten nutzen kann. Meist werden im Betrieb sowieso mehrere Varianten parallel genutzt 🙂

Fazit

Die klassischen Kostenrechnungssysteme wurden für Produktionsbetriebe entwickelt mit einem hohen Anteil an variablen Einzelkosten, die sich einzelnen Produkten gut zuordnen lassen.

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Dienstleistungsunternehmen, mit einem hohen Anteil an fixen Gemeinkosten, kommen mit diesen Systemen jedoch nicht so gut klar.

Daher gibt es eine ganze Reihe von modernen Kostenrechnungssystemen, die ich euch im nächsten Beitrag zum Thema Kostenrechnung vorstelle 🙂

Wer sich für die anderen Teile des Grundkurses „Kosten- und Leistungsrechnung“ interessiert klickt hier:

Grundkurs Kosten- und Leistungsrechnung

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