Recht & Steuern
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Das Fahrrad als „Firmenwagen“ bei Selbstständigen

Dienstfahrrad

Fahrradfahren steht hoch im Kurs. Besonders in Großstädten lassen immer mehr Menschen das Auto stehen und weichen auf das Fahrrad aus. Das Statistische Bundesamt hat berechnet*, dass 2014 auf 100 Haushalte in Deutschland zwar 108 Autos kamen, aber auch beeindruckende 193 Fahrräder. Und immerhin schon fünf E-Bikes.

Wie viele Fahrräder dabei im Eigentum von Selbstständigen stehen, ist leider nicht bekannt. Trotzdem lohnt es sich, die steuerliche Behandlung der Fahrradnutzung für betriebliche Zwecke genauer unter die Lupe zu nehmen.

Betriebsvermögen oder Privatvermögen?

Ein überwiegend, also zu mehr als 50%, für betriebliche Fahrten verwendetes Rad gehört zum sogenannten notwendigen Betriebsvermögen. Das bedeutet: Das Rad ist Bestandteil des Betriebes und mit diesem vermögensrechtlich verbunden.

Dieser Umstand bringt einige Vorteile mit sich: Die durch Reparaturen sowie den Kauf von Ersatzteilen und Zubehör entstehenden laufenden Kosten sind Betriebsausgaben und mindern als solche den zu versteuernden Gewinn. Die Abschreibung erfolgt nach den Vorgaben der Finanzverwaltung über die Nutzungsdauer von sieben Jahren.

Bei Rädern, die zwischen zehn und 50% betrieblich genutzt werden, besteht hinsichtlich der Zuordnung ein Wahlrecht. Das Rad kann also im Privatvermögen belassen oder in den Betrieb eingelegt werden. Bei dieser freiwilligen Einlage spricht man von gewillkürtem Betriebsvermögen. Dabei bestehen die gleichen steuerlichen Möglichkeiten wie bei notwendigem Betriebsvermögen.

Scheiden Fahrräder im Betriebsvermögen eines Tages aus dem Betrieb aus, muss dieser Vorgang steuerlich erfasst werden. Der im Zeitpunkt des Ausscheidens noch vorhandene (Rest-)Buchwert wird abgeschrieben.

Wird das Rad verkauft, muss der Verkaufserlös als Betriebseinnahme verbucht werden. Wird das Rad verschenkt, muss der Wert der Schenkung ermittelt und als sogenannte fiktive Betriebseinnahme berücksichtigt werden. Nur wenn das Rad gestohlen oder aufgrund eines Unfalls/Schadens unbrauchbar wird, entsteht keine Betriebseinnahme.

Privatnutzung versteuern

Die ausschließlich betriebliche Nutzung eines Rades dürfte die Ausnahme sein – vermutlich wird auch ein Betriebsfahrrad für private Erledigungen oder Unternehmungen am Abend oder Wochenende genutzt. Das unterstellt jedenfalls die Finanzverwaltung und will daher analog zum Firmenwagen die private Nutzung versteuert wissen.

Für jeden Monat, in dem ein Betriebsfahrrad privat genutzt wird, muss daher 1% der auf hundert Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers als fiktive Betriebseinnahme erfasst werden.

Diese sogenannte 1%-Methode wurde ursprünglich für die Besteuerung der privaten Nutzung eines Firmenwagens eingeführt und von der Finanzverwaltung auf die private Nutzung eines Betriebsfahrrades übertragen.

Daraus folgt aber auch: Alternativ zur pauschalen Ermittlung über die 1%-Methode, müsste für ein Betriebsfahrrad auch ein Fahrtenbuch geführt werden können. Darin werden die betrieblichen und privaten Fahrten gesondert erfasst, und die in einem Jahr insgesamt angefallenen Fahrradkosten lassen sich exakt auf den betrieblichen und privaten Bereich verteilen.

Damit kommen Steuerzahler zwar in der Regel günstiger weg – aber der steuerliche Vorteil ist hart erarbeitet, denn das Führen eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs ist zeitaufwendig und verlangt viel Disziplin. Schleichen sich Fehler ein, kann es vom Finanzamt verworfen und die privaten Kosten dann stattdessen über die 1%-Methode berechnet werden.

Schätzung bei gewillkürtem Betriebsvermögen

Sowohl die 1%-Methode als auch das Fahrtenbuch sind von der Finanzverwaltung für Fahrzeuge des Betriebsvermögens vorgesehen, die zu über 50% betrieblich genutzt werden. Wird ein Kraftfahrzeug nur zu höchstens 50% betrieblich genutzt und bildet gewillkürtes Betriebsvermögen, kann die private Nutzung auch geschätzt werden. Diese Steuervorschrift sollte auch auf die Fahrradnutzung übertragbar sein.

(*Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Reihe 2, 2014)

Foto: Mediagram / shutterstock.com

Kategorie: Recht & Steuern

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