Sonstiges
Kommentare 6

Fliegen auf Flughöhe Null – ADAC Postbus Busreisen im Praxistest

ADAC Postbus
Werbung

Er ist der gelbe Riese unter den Fernbussen in Deutschland, der ADAC Postbus. Erst 2013 hatte der Gesetzgeber Linien-Fernbusse wieder möglich gemacht. Der größte deutsche Automobilclub ADAC und Logistikriese Post kamen als Spätstarter in den Markt, schicken ihre Busse erst seit Ende 2013 durch die Republik. Dafür aber mit einem Riesen-Anspruch: Wir wollen Qualitätsführer im Markt der Fernbusse werden.

Gesagt, gecheckt. Das Unternehmerhandbuch wollte wissen, was hinter diesem Anspruch steckt!

Check 1 – das Netz.

ADAC Postbus FahrplanAuf mittlerweile neun Linien verbinden die gelben Busse alle deutschen Metropolen und Ballungsgebiete mit- und untereinander – zu Preisen ab acht Euro. In München und Hamburg laufen vier Linien zusammen, in Berlin gar fünf. Vier Linien vernetzen die Ballungsräume Rhein-Ruhr und Rhein-Main-Neckar. Den gesamten Fahrplan finden sie hier. Wir haben uns für den Test den Fernbus Köln – München ausgesucht.

Check 2 – die Reisedauer.

Na ja, das kann die Bahn schneller, der Flieger sowieso. Generell kann man sagen, halb so schnell wie die Bahn, dafür auch nur halb so teuer. Experten rechnen deshalb damit, dass das Modell Fernbusse zunächst eher Mitfahrzentralen als der Bahn Konkurrenz macht. Aber sichere, pünktliche und komfortable Busse können den Fernbus gegenüber der Bahn auch für Geschäftsreisen zur Alternative machen – wenn man viel Zeit aber wenig Budget hat. Viel günstiger, sicherer und umweltfreundlicher als der private Pkw ist der Fernbus sowieso. Auf der von uns gefahrenen Reise Köln – München (28 Euro) hielt der ADAC Postbus die versprochene Fahrzeit von 8.15 Stunden ein. Der ICE (119 Euro Sparpreis) hätte es in 4.28 Stunden geschafft.

Check 3 – die Busse.

Scania, fabrikneu. Betreiber sind verschiedene regionale Busunternehmen im Auftrag von ADAC Postbus. Hochwertig bezogene Sitze mit 80 Zentimeter Abstand. Sehr bequem – in den meisten Langstrecken-Jets ist in der Economy weniger. Dazu klimatisierte Gepäckfächer. Für Sicherheit sorgen Dreipunktgurte an jedem Sitz und Systeme wie automatischer Abstandshalter, Spurwechselassistent, Hochsicherheitsbremse als technische Ausstattung des Busses. Top.

Check 4 – Service und Komfort.

Ein Unterhaltungsprogramm auf Niveau eines Langstrecken-Flugs. Im Media Center gibt’s zehn Blockbuster kostenlos für Smartphone oder Tablet, außerdem zehn Bestseller als Hörbücher, beliebte TV-Serien sollen bald folgen. So ein Programm bietet kein anderer Fernbus.

Standard hingegen und daher auch im ADAC Postbus: kostenloses WLAN, ebenso Steckdosen an jedem Sitzplatz. Die Klapptische vor jedem Sitz bieten allerdings bieten nicht einmal kleinen Laptops genug Platz. Wenn der Nebensitz nicht frei ist, muss man sich mit seinem Schoß behelfen. Das macht Arbeiten während der Fahrt nur eingeschränkt möglich. Hinten im Bus gibt es aber ein paar Plätze mit einem größeren Tisch.

Der Fahrer bietet beim Start und bei den Zwischenstopps kalte Getränke (Wasser, Apfelschorle, Cola, 0,5 Liter, 1,50 Euro) und kleine Snacks an. Müsliriegel, Bifi und Chips ersetzen allerdings kein Frühstück. Kaffee, Espresso und Heiße Schokolade gibt’s für einen Euro am Bordautomaten.

Angenehm: Die relativ geräumige Toilette ist auf Passagierdeck-Ebene.

Check 5 – die Haltestellen.

Der Schwachpunkt der Fernbusse – nicht nur vom ADAC Postbus. Deutschland fehlt die Infrastruktur von Bus-Bahnhöfen. Wir fuhren von Köln nach München. Die Haltestelle in der Gummersbacher Straße in Köln Deutz liegt abgelegen, bietet nicht einmal einen Kiosk, Toilette sowieso nicht. Beim Zwischenstopp am Hauptbahnhof Frankfurt ist es nicht besser. Vorbildlich: München hat einen Top-Busbahnhof, da gibt’s Bäcker, Drogerie, Apotheke…

Fazit der Testfahrt.

ADAC Postbus - Testergebnis

Bus Köln – München

Die Fernbusse haben zumindest für Menschen in den größeren Städten und Ballungsräumen mehr Mobilität zu einem konkurrenzlos günstigen Preis geschaffen. Bei den Haltestellen gibt’s deutlich Nachholbedarf. Bei Komfort und Unterhaltung darf der ADAC Postbus aber jedenfalls von sich sagen: Qualitätsführer und Fliegen auf Flughöhe Null.

Info zur Buchung: Tickets für den ADAC Postbus können sie hier online buchen. Außerdem in allen Geschäftsstellen des ADAC oder Filialen der Post oder direkt beim Fahrer. Zahlen kann man u.a. mit Mastercard, Visa, Amex oder Lastschrift, beim Fahrer auch Girocard, Maestro und bar.

Fotos: Markus van Appeldorn

Blog-Marketing ad by hallimash

6 Kommentare

  1. Markus van Appeldorn
    Markus van Appeldorn sagt

    Im Vergleich zum Pkw halte ich die Reisedauer gar nicht für so unattraktiv lang. Einerseits kann man die Fahrtzeit, so man denn möchte, produktiv nutzen. Da ist dann schon erledigt, was während der Fahrt mit dem Pkw liegen geblieben wäre. Andererseits fallen an einem Zielort wie München nerviger Parkplatzsuchverkehr sowie teure Parkgebühren weg. In der Kernstadt München ist das eigene Auto sicher das langsamste Fortbewegungsmittel. Autofahrer rechnen als Fahrtzeit ja so gerne nur die Zeit auf der schnellen Autobahn, aber nicht die von Haustür zu Haustür. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das regelmäßig eine Stunde Unterschied ausmacht.

  2. Nicole Stroschein

    Spannend! Die Reisedauer ist zwar ziemlich unattraktiv – aber WLAN, Steckdosen und Entertainment-Programm machen es ja schon fast wieder interessant. Vielleicht mal ich einfach mal Urlaub mit dem Bus :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wenn Du wissen möchtest, welche Daten wir beim Hinterlassen eines Kommentars speichern, schau bitte in unsere Datenschutzerklärung.