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Markus meint: Die Diskussion um Mindestlohn & bedingungsloses Grundeinkommen

Bedingungsloses Grundeinkommen

Bedingungsloses Grundeinkommen, Mindestlohn – das sind heiße Themen zurzeit.

Habt ihr dazu eine Meinung? Habt ihr das Gefühl, es wirklich verstanden zu haben? Braucht Deutschland einen Mindestlohn? Wie funktioniert das bedingungslose Grundeinkommen? Und wer soll das bezahlen?

Zu diesem Thema gab es vor einiger Zeit einen Beitrag auf unmus.de, der auf der Facebook-Seite des Unternehmerhandbuchs eine rege Diskussion auslöste. (Link: Das bedingungslose Grundeinkommen)

Unser Autor Markus van Appeldorn hat dazu eine Meinung und wir möchten euch diese nicht vorenthalten!

Markus meint:

Markus van AppeldornDie Einen nennen es Sozialdemokratie. Von mir aus sogar Links. Ich nenne es christliche Sozialethik. Die einen nennen es Mindestlohn. Ich nenne es gerechte Bezahlung. Nicht als bedingungsloses Grundeinkommen, sondern als Einkommen für Arbeit. Für die, die es nötig haben, ist Arbeit Menschenrecht. Und das sind die meisten. Gerechte Bezahlung ist eine, von der man leben kann. Ungerechte Bezahlung ist der Raub Weniger am volkswirtschaftlichen Gedeihen. Wer nix verdient, kann nix konsumieren. Nicht mal das, womit die vorgeblichen Billiganbieter und Profiteure von Hungerlöhnen ihre Geschäfte machen. Ein guter Teil aller Löhne fließt nach Steuer in den Konsum und damit in die Wirtschaft zurück.

Nun gut, jetzt kann man sagen, die Menschen, die es sich leisten können, legen ja auch was zurück. Das tun sie ja aber doch nicht unterm Kopfkissen, sondern auf der Bank oder in Finanzprodukten. Und die Bank legt es an in Kapitalanlagen. In solchen natürlich, die am meisten Gewinn versprechen – für die Bank.

Dazu gehören etwa Investitionen in Niedriglöhner. Weil die hauptsächlich Kasse machen mit dem Konsum, ohne große Kosten zu verursachen. Das sind sie, die Heuschrecken. Dieser Wirtschaftszweig wandert immer weiter. Dahin, wo immer noch weniger Kosten entstehen. Weil Geld sich verhält wie Wasser. Es geht immer den Weg des geringsten Widerstands. Aktuell ist das Geld nach allen Wirtschaftswunderjahren schon einmal rum um den Globus und wieder in Deutschland angekommen. Willkommen im Niedriglohnland!

Wenn wir auf jeden Billiganbieter-Preis fünf Euro zusätzlich Sozialkosten zahlen müssten und an jeden Paketboten fünf Euro zusätzlich als Zustellungsprämie, bekämen wir vielleicht eine Idee davon, was manche mit Hungerlöhnen erkaufte Geschäftsmodelle uns volkswirtschaftlich wirklich kosten. Aber diese Kosten trägt die Öffentliche Hand und subventioniert damit die Ungerechtigkeit. Die einen nennen das Wirtschaftsförderung. Ich nenne es Irrsinn. Und Rechtsmissbrauch am Sozialstaat.

Und, ach ja: Ich bin gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Denn das ist nicht der Weg.

4 Kommentare

  1. Avatar

    Der größte Nachteil des Mindestlohn ist der Sachverhalt, dass er den Mechanismen des Marktes entgegenwirkt und damit nicht marktkonform ist. Die Kräfte des Marktes lassen sich aber so einfach nicht außer Kraft setzen.

    Das Problem der Niedriglöhne ist zwar nicht die zentrale Motivation des bedingungslosen Grundeinkommens, das Problem würde aber ebenso quasi nebenbei gelöst. Weil die Menschen erst einmal alles Notwendige haben. Der Niedriglohn ist dann entweder für den Einzelnen akzeptabel oder muss steigen, weil die Attraktivität fehlt. Das geschieht nicht durch staatliche Regularien, sondern einzig und allein durch Angebot und Nachfrage.

  2. Markus van Appeldorn
    Markus van Appeldorn sagt

    Hallo Marco,
    ich diskutiere gerne dieses Thema. Ich persönlich habe sogar meine Zweifel, ob Mindestlohn die richtige Lösung ist. Möglicherweise stellt ein Mindestlohn dann oft sogar einen Höchstlohn dar, weil jemand sagt, was wollt Ihr denn, wir zahlen doch den Mindestlohn. Doch ein bedingungsloses Grundeinkommen ist da nicht die Lösung.

  3. Avatar

    Liebe Heike, lieber Markus.

    Danke für euren Beitrag. Es freut mich total, dass ich die oben angesprochene Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkommen über mein Blog anstossen konnte.

    Der Mindestlohn muss her, keine Frage. Wer Vollzeit arbeitet, der muss davon leben können, sonst machen wir als Gesellschaft etwas falsch. Allerdings behandeln wir damit nur ein Symptom und der Mindestlohn ist letztlich auch nur ein Pflaster, das neue Probleme schafft.

    Auf lange Sicht kommen wir an dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht vorbei. Wir haben in Deutschland aktuell 480.000 offene Stellen. Zeitgleich haben wir 2,8 Millionen Arbeitslosen. Bisher haben sich alle politischen Kräfte vor diesem Sachverhalt versteckt.

    Gute Nachrichten gibt es aus der Schweiz. Die Volksinitiative ist formell zustande gekommen. Das heißt, es wird eine Volksabstimmung zum bedingungslosen Grundeinkommen geben! Der dortige Bundesrat hat nun offiziell den Auftrag, alles in die Wege zu leiten. Ich wünsche mir, dass dieser Prozess auch bei uns für neue Diskussionen sorgt.

    Schöne Grüße
    Marco

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