Management & Controlling
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Innovative Geschäftsmodelle von LAYER PLAYER bis LONG TAIL

Geschäftsmodelle

Auch im neuen Jahr geht die Serie der innovativen Geschäftsmodellmuster mit fünf neuen Modellen weiter, auf deren Rekombinationen laut einer Studie der Uni St. Gallen über 90 Prozent aller Geschäftsmodellinnovationen basieren.

Da mir die in der Studie genannten 55 innovativen Geschäftsmodelle bzw. ihre Namen erst einmal nichts sagten, habe ich Google angeschmissen und das Buch gekauft. Und da es anderen vielleicht ebenso geht wie mir, teile ich mein neues Wissen in meinem Unternehmerhandbuch.

Heute: Innovative Geschäftsmodelle von LAYER PLAYER bis LONG TAIL

Ein Geschäftsmodell ist darüber definiert, wer die Kunden sind, was verkauft wird, wie man es herstellt und wie man einen Ertrag realisiert. Kurz gesagt, das Wer-Was-Wie-Wert? definiert ein Geschäftsmodell, wobei die ersten beiden „W“ die externe Dimension eines Geschäftsmodells adressieren und die letzten beiden „W“ die interne Dimension. (Quelle: Geschäftsmodelle entwickeln*)

Geschäftsmodell Layer Player

Bei diesem Geschäftsmodell wird das Unternehmen zum Schichtenspezialist. Damit ist gemeint, dass das Angebot des Unternehmens sich zwar nur auf einige wenige Bestandteile der Wertschöpfungskette reduziert, diese Leistungen dann aber branchenübergreifend verkauft werden.

Durch die immense Spezialisierung profitiert der Layer Player von Spezialisierungsvorteilen (Effizienzsteigerung) und kann sein Spezialwissen vielleicht sogar zum Marktstandard machen. Sein Geschäftsmodell basiert auf der Vervielfältigung seines Know-hows und seiner Eigentumsrechte.

Beispiele: Dennemeyer (IP-Dienstleistungen), TRUSTe (Zertifizierungsservice für Webseiten), PayPal (Online-Bezahlsystem)

Geschäftsmodell Leverage Customer Data

Bei diesem Geschäftsmodell wird das Geld mit der mehrseitigen Nutzung der Kundendaten verdient. Dabei geht es nicht allein um das Sammeln von (Kunden-)Daten, sondern viel mehr um die Aufbereitung dieser enormen Datenmengen. So wird aus den gesammelten Kundendaten ein individuelles Profil des Kunden erstellt, welches sich hervorragend vermarkten lässt.

Wir alle hinterlassen heute unsere Spuren im Internet. Diese zu sammeln und auszuwerten ist die Basis von Leverage Customer Data. Big-Data und Data-Mining liefern dann bei diesem Geschäftsmodell den Unternehmen wichtige Grundlagen für effektiveres Marketing, die Ermittlung von Einsparungspotenzialen oder auch generelle Marktanalysen. So kann der Unternehmer bessere Entscheidungen treffen.

Big-Data: Daten-Mengen, die zu groß, oder zu komplex sind, oder sich zu schnell ändern, um sie mit händischen und klassischen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten.

Data-Mining: die systematische Anwendung statistischer Methoden auf einen Datenbestand mit dem Ziel, neue Muster zu erkennen.

(Quelle: Wikipedia)

Beispiele: Amazon Store (Produkte werden in Beziehung gesetzt), Google (personalisierte Werbung), Payback (Sammeln von Kundendaten), Facebook & Twitter (Werbung von Drittunternehmen wird personalisiert), Verizon Communications (Verkauf der Kundendaten an Dritte)

Geschäftsmodell License

Im Fokus dieses Geschäftsmodells steht nicht die eigene Umsetzung und Verwertung von Wissen in Form von eigenen Produkten, sondern vielmehr die Kommerzialisierung von geistigem Eigentum, d.h. die Vermarktung der Nutzungsrechte.

Auch wenn die Lizenzgebühren für die Nutzung des geistigen Eigentums oft nicht besonders hoch sind, so ist durch die gesteigerte Verbreitung der Lizenzen schnell ein Volumen zu erreichen, welches dieses Geschäftsmodell lukrativ macht. Im Gegensatz zu einem Produkt kann ein Lizenzrecht nämlich mehrfach verkauft werden, ohne jeweils wieder Kosten zu erzeugen.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass das Unternehmen sich komplett auf Forschung & Entwicklung fokussieren kann. Produktion und Vertreib der konkreten Anwendung des Lizenzwissens werden dann anderen überlassen und binden keine Ressourcen.

Die Kunden wiederum profitieren genauso von dieser Fokussierung, da sie sich rein auf Produktion und Vermarktung spezialisieren können, ohne in den komplexen, kostenintensiven und oft langen Forschungs- und Entwicklungsprozess investieren zu müssen.

Beispiele: BUSCH (Korkenzieher), IBM, DIC 2 (fiktionale Cartoon-Charaktere), ARM (Mikroprozessoren), Duales System Deutschland, Walt Disney (Mickey Mouse)




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Geschäftsmodell Lock-In

Dieses Geschäftsmodell erzeugt eine Zwangsloyalität durch hohe Wechselkosten. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Zeit und Lernaufwand, die der Kunde investieren muss, wenn er das System wechseln möchte. So ergibt sich fast zwangsläufig eine hohe Kundenbindung, da der Wechsel zu einem anderen Anbieter extrem schwer gemacht wird.

Es gibt verschiedene Methoden des Lock-In: z.B. Verträge, die den Kauf bei einem bestimmten Lieferanten beinhalten oder auch beim Kauf von Investitionsgütern, da sich oft ein ganzer Rattenschwanz von Folgeinvestitionen ergibt, da Bauteile nicht kompatibel sind.

Das kennen wir alle ja schon im kleinen Stil beim Thema Drucker und Toner oder bei den nicht-kompatiblen Ladekabeln für unterschiedliche Handymodelle. Hat man erst einmal ein System und eventuelle Ergänzungsprodukte im Gebrauch, überlegt man sich den Umstieg auf ein anderes System mit Sicherheit zwei- oder dreimal, da man dann ALLE Elemente neu anschaffen muss 🙂

Entscheidend für eine erfolgreiche Lock-In-Strategie sind unter anderem die Lebensdauer des Produkts (je länger umso besser), die Wiederverkaufsmöglichkeiten (je geringer umso besser) und die Menge an möglichen Ergänzungsprodukten (je mehr umso besser).

Beispiele: Gillette, Lego, Microsoft & Apple, Hewlett-Packard, Nestlé (Nespresso, BabyNes, Special.T)

Geschäftsmodell Long Tail

Dieses Geschäftsmodell basiert auf der alten Weisheit „Kleinvieh macht auch Mist!“. Es geht dabei um das Anbieten und Verkaufen von Nischenprodukten in riesigen Mengen, welches ein Umsatzvolumen erzeugt, das dem Verkauf von „Blockbuster“-Produkten gleich kommt.

Im Gegensatz zum Pareto-Prinzip, welches besagt, dass mit 20% der Produkte 80% des Umsatzes erzeugt werden, versucht der Unternehmer hier, mindestens gleich viel Umsatz mit Block-Bustern und Nischenprodukten zu erzielen oder sogar noch mehr.

Damit diese Strategie funktioniert, muss der Vertrieb der Nischenprodukte extrem kosteneffizient ablaufen. Außerdem müssen diese Nischenprodukte vom Kunden gut auffindbar sein, da das Angebot sonst nicht bei Käufer ankommt, daher sind geringe Suchkosten sehr wichtig.

Hier schließt sich der Kreis zum Geschäftsmodell DIGITALIZATION, denn gerade hier durch ist das Suchen & Finden von Nischenprodukten für jeden ein Kinderspiel geworden und auch der Vertrieb dieser Produkte kann super günstig durchgeführt werden.

Beispiele: Amazon Store, eBay, Netflix, Apple (iPod & iTunes), YouTube

Alle 55 Geschäftsmodelle im Überblick

Add-On Affiliation Aikido Auction Barter Cash Machine Cross Selling Crowdfunding Crowdsourcing Customer Loyalty Digitalization Direct Selling E-Commerce Experience Selling Flatrate Fractionalized Ownership Franchising Freemium From Push-to-Pull Guaranteed Availability Hidden Revenue Ingredient Branding Integrator Layer Player Leverage Customer Data License Lock-In Long Tail Make more of it Mass Customization No Frills Open Business Model Open Source Orchestrator Pay per Use Pay what you want Peer-to-Peer Performance-based Contracting Razor and Blade Rent instead of Buy Revenue Sharing Reverse Engineering Reverse Innovation Robin Hood Self-Service Shop-in-Shop Solution Provider Subscription Supermarket Target the Poor Trash-to-Cash Two-sided-Market Ultimate Luxury User designed White Label

Mehr Informationen zum Thema Geschäftsmodell

Die ganze Studie

Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator (*Amazon Partner Link)

Geschäftsmodelle entwickeln*

Titel: Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator*

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (6. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446435670
ISBN-13: 978-3446435674
Preis: 39,90 EUR

Leseprobe: http://bilder.buecher.de/zusatz/36/36861/36861454_lese_1.pdf

Beispiele bekannter Geschäftsmodelle

http://articles.bplans.co.uk/starting-a-business/examples-of-well-known-business-models/1040

Foto: vladimir salman / shutterstock.com

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