Management & Controlling
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Unternehmenskultur und Werte: Brauchen wir das überhaupt?

Gastbeitrag von Jürgen Schöntauf

Vor kurzem wurde ich nach einem Vortrag, indem es unter anderem auch um die Themen Unternehmenskultur und Werteorientierung ging, von dem Geschäftsführer eines B2B-Unternehmen angesprochen: „Das ist ja gut und schön mit den Werten in einem Unternehmen. Aber sagen Sie mal ganz ehrlich: Können Sie mir sagen, welchen ROI (Return on Investment) mir das einbringt?«

Zuerst ging mir durch den Kopf, ob er mir denn gerade nicht zugehört hat? Wenn ich aber etwas länger darüber nachdenke, ist das ja aus der Sicht eines Unternehmens eine durchaus berechtigte Frage. Lohnt sich die Investition in Werte für ein Unternehmen?

Unterschiedliche Werte – unterschiedliche Welten

Schauen wir uns aber zuerst ein kleines Beispiel an. Zwei Geschäftspartner kommen mit ihrem Unternehmen in eine kritische Situation. Die Liquidität ist gefährdet, der Fortbestand des Unternehmens bedroht.

Einer der Geschäftspartner schlägt eine teure Investition vor, die das Geschäft seiner Meinung nach wieder nach vorne bringen wird. Der andere ist nicht bereit, in ein – in seinen Augen – unverantwortliches Risiko zu investieren. In dem folgenden Streit wirft der eine dem anderen vor, ein verantwortungsloser Hasardeur zu sein, der weder das Wohl noch die Zukunft des Unternehmens im Blick hat. Nach einem heftigen Streit kommt es zum Bruch zwischen den beiden.

In dem Beispiel wird deutlich, was passieren kann, wenn zwei unterschiedliche Wertevorstellungen aufeinandertreffen. Während für den einen Partner der Wert »Sicherheit« extrem wichtig ist, sind es bei dem anderen die Werte »Herausforderung« und »Grenzen überwinden«. Auch der Wert »Mut« spielt mit Sicherheit eine Rolle.

Sind sich beide Kontrahenten ihrer Werte beziehungsweise ihrer Grundmotive nicht bewusst, kann es wie beschrieben zu Verletzungen und zum Streit kommen. Kennen dagegen beide ihre eigene Werteorientierung und wissen, wie hoch der Stellenwert dieser Werte für sie selbst ist, können sie ihren Standpunkt mit guten Argumenten darlegen.

Wer dann noch die Werte des anderen kennt und dessen Verhalten bewusst wertschätzt, findet besser zueinander. Dann verläuft die Kommunikation auf einer anderen Ebene, und es wird möglich, einen Kompromiss zu finden, ohne im Streit zu enden.

Werte müssen glaubwürdig sein

Dieses Prinzip funktioniert auch in der Kommunikation nach außen, beispielsweise mit Kunden. Dass das gründlich schiefgehen kann, zeigt das Beispiel der ehemaligen Drogeriekette von Anton Schlecker.

2011, ein Jahr vor der Insolvenz des Unternehmens, gab es dort neu definierte Werte im Angebot: Sympathie, Nähe und Zugänglichkeit. In Prospekten wurden attraktive Filialen mit freundlichen und motivierten Mitarbeitern dargestellt. Auf diese Weise sollte mit einer Charmeoffensive doch noch der Turnaround geschafft werden.

Doch jeder, der einmal in einem Geschäft von Schlecker eingekauft hat, konnte sehen, dass da etwas nicht zusammenpasste − oder er war im falschen Laden. Den Wert Sympathie hatte zudem bereits der Wettbewerber dm seit Jahren besetzt (»Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein«).

Die regelmäßigen Medienberichte über die katastrophalen Arbeitsbedingungen und die schlechte Mitarbeiterführung bei Schlecker passten ebenfalls nicht zu den neu postulierten Werten. Hier wurde ein entscheidender Punkt bei der Festlegung von Unternehmens- und Markenwerten übersehen: Es geht um glaubhafte Differenzierungs- und Alleinstellungsmerkmale und nicht um ein Wunschkonzert.

Rechnen sich Investitionen in Werteorientierung also doch?

Man wird nie genau errechnen können, wie viel jeder investierte Euro in Themen wie Unternehmenskultur und Werteorientierung an Gewinn zurückbringen. Aber es lohnt sich Unternehmen anzuschauen, die das bereits in ihre Unternehmensstrategie glaubwürdig integriert haben.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Geschichte der beiden Drogeriemarktketten Schlecker und dm. Während Schlecker nach und nach unausweichlich auf die Insolvenz zusteuerte, erlebt dm auf Basis der von Gründer und Aufsichtsrat Götz Werner implementierten und gelebten Werte und Leitsätze seit Jahren ein stabiles Wachstum. Dafür steht auch ein wichtiges Bekenntnis von Götz Werner: »Wenn es keine Menschen gäbe, gäbe es keine Wirtschaft. Folglich ist die Wirtschaft für den Menschen da und nicht umgekehrt.«

Mit Kultur und Werten zum Sinnstifter

Sinnstifter. Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen.

Sinnstifter*

Titel: Sinnstifter. Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen.*

Was ist die Aufgabe eines Unternehmens? Gewinn zu erwirtschaften, lautet bisher die Antwort. Eine neue Generation von Unternehmern schafft diesen Gewinn aber nicht nur für sich selbst, sondern für die Gesellschaft insgesamt.




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Jürgen Schöntauf analysiert die Gemeinsamkeiten dieser Sinnstifter und zeigt, wie sie mit ehernen Grundsätzen und Branchenmythen brechen, um ihre unternehmerische Aufgabe neu zu definieren. Durch verantwortungsvolle Strategiearbeit verbessern sie maßgeblich und dauerhaft ihre Wettbewerbsstärke.

Zahlreiche Beispiele, wie Gateway Gardens in Frankfurt am Main, Atelier Gardeur in Mönchengladbach oder auticon in Berlin, untermauern, wie sehr es sich für Führungskräfte lohnt, ihre Unternehmen von Grund auf neu auszurichten. Mit frischen Unternehmenswerten und gesellschaftlich orientierten Zielen werden sie für Mitarbeiter und Kunden unwiderstehlich!

Mit den 7 MindShift-Steps zu den Themen Kultur und Werte, Führung, Vernetzung, Beziehungen, Leidenschaft, Bildung und Gewinn zeigt der Autor, wie dieser notwendige Wandel passieren kann.

Autor: Jürgen Schöntauf

Gebundene Ausgabe: 262 Seiten

Verlag: Campus, 1. Auflage 2016
ISBN-13: 978-3-593-50575-6

Gebundene Ausgabe: 39,95 Euro

Der Autor

Jürgen Schöntauf Jürgen Schöntauf ist Zukunftsdenker und Optimist aus Überzeugung.

Als Berater und Inhaber einer Kommunikationsagentur arbeitet er seit über 20 Jahren mit Unternehmern und Führungskräften, die ihren Erfolg nicht von »den Märkten« abhängig machen, sondern ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen wollen. Sein jüngstes Buch »Sinnstifter« ist im Campus-Verlag erschienen.

Er schreibt regelmäßig Fachartikel für verschiedene Magazine und gibt mit seiner Agentur amedes ein eigenes Magazin für Führungskräfte (fm – fluidmanager) heraus.

Als Keynote-Speaker vermittelt er sein fundiertes Expertenwissen und seine Überzeugungen enthusiastisch, provokant und mit viel Humor und Selbstironie. Wer ihm zuhört, bekommt Werkzeuge und Ideen an die Hand, mit denen jeder seine Zukunft heute gestalten kann.

Dazu engagiert er sich in der Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e. V., der World Future Society und ist Future Circle Member des Zukunftsinstituts.

Weitere Informationen: www.juergenschoentauf.com

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