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Privatentnahmen planen: Wie viel kannst du dir als Selbständiger leisten?

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Wie viel Geld darf ich mir aus meinem Unternehmen nehmen? Das ist eine der häufigsten Fragen von Selbständigen – und eine der am meisten unterschätzten.

Die Antwort hängt nicht nur vom Kontostand ab, sondern von Steuern, Liquidität und der Frage, was du dir langfristig leisten kannst, ohne dein Unternehmen zu schwächen.

Was eine Privatentnahme ist – und was sie nicht ist

Eine Privatentnahme ist kein Gehalt. Als Einzelunternehmer oder Gesellschafter einer Personengesellschaft überweist du dir kein Gehalt wie ein Angestellter – du entnimmst Geld aus dem Unternehmen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, hat aber praktische Konsequenzen.

Erstens: Die Entnahme mindert nicht deinen steuerlichen Gewinn. Du zahlst Einkommensteuer auf den Gewinn des Unternehmens – egal ob du viel oder wenig entnimmst. Wer das nicht weiß, erlebt spätestens bei der Steuererklärung eine böse Überraschung.

Zweitens: Es gibt keine gesetzliche Obergrenze für Privatentnahmen. Du darfst dir technisch alles nehmen, was auf dem Konto ist. Nur klug ist das selten. Wie du Privatentnahmen buchhalterisch korrekt erfasst, ist eine andere Frage – hier geht es ums Planen.

Der häufigste Fehler: Gewinn mit verfügbarem Geld verwechseln

Dein Kontostand ist kein Gradmesser dafür, wie viel du entnehmen kannst. Zwischen Umsatz, Gewinn und tatsächlich verfügbarem Geld liegen oft Welten.

Drei Posten, die viele vergessen:

  • Steuern: Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer – alles läuft über dein Geschäftskonto. Wer die Einkommensteuervorauszahlung nicht einkalkuliert, entnimmt Geld, das dem Finanzamt gehört.
  • Investitionen: Eine neue Maschine, Software, Fahrzeug – solche Ausgaben kommen oft unregelmäßig, aber planbar. Wer sie nicht in die Entnahmeplanung einrechnet, steht bei der nächsten Investition ohne Rücklagen da.
  • Liquiditätspuffer: Unternehmen haben keine gleichmäßigen Einnahmen. Saisonale Schwankungen, Zahlungsverzögerungen, unerwartete Ausgaben – all das braucht einen Puffer. Wer jeden Monat alles entnimmt, was reinkommt, lebt auf Kante.

So berechnest du, wie viel du entnehmen kannst

Es gibt keine Universalformel, aber eine pragmatische Herangehensweise:

Schritt 1: Durchschnittlichen Monatsgewinn ermitteln

Nimm nicht den besten Monat als Basis, sondern den Durchschnitt der letzten 12 Monate. Wer saisonal arbeitet, rechnet mit dem Jahresdurchschnitt.

Schritt 2: Steuerrücklage abziehen

Faustregel für Einzelunternehmer ohne Kinder, mittleres Einkommen: 30–35 % des Gewinns für Einkommensteuer und Gewerbesteuer zurücklegen. Das ist grob – dein Steuerberater kennt deinen individuellen Steuersatz.

Schritt 3: Investitionsrücklage einplanen

Was steht in den nächsten 12 Monaten an? Teile diese Summe durch 12 und ziehe sie monatlich ab.

Schritt 4: Liquiditätspuffer definieren

Als Richtwert gelten 2–3 Monatsumsätze als Reserve. Wer diesen Puffer noch nicht hat, entnimmt weniger, bis er aufgebaut ist.

Was übrig bleibt, ist dein Entnahmespielraum.

Das klingt nach viel Arbeit. In der Praxis ist es eine Excel-Tabelle, die du einmal aufbaust und monatlich pflegst. Wer das nicht tut, navigiert blind.

Privatentnahmen und Liquidität

Hohe Privatentnahmen sind eine der häufigsten Ursachen für Liquiditätsprobleme bei Selbständigen. Das Geld ist weg, die Rechnung kommt – und das Konto ist leer.

Die Lösung ist keine Sparsamkeit um jeden Preis, sondern Planbarkeit. Ein fester monatlicher Entnahmebetrag, der auf Basis der obigen Rechnung festgelegt wird, ist stabiler als spontane Entnahmen je nach Kontostand.

Wer schwankende Einnahmen hat, arbeitet am besten mit einem Geschäftskonto als Pufferkonto: Einnahmen fließen rein, monatlich wird ein fixer Betrag auf das Privatkonto überwiesen. Was darüber hinaus angespart wird, bleibt im Unternehmen – als Reserve oder für Investitionen.

Ein separates Steuerkonto hilft zusätzlich: Überweise jeden Monat automatisch den geschätzten Steueranteil auf ein zweites Geschäftskonto, dass du nicht anfasst. Dann ist das Geld weg – im guten Sinne.

Was viele vergessen: Krankenversicherung und Altersvorsorge

Als Selbständiger zahlst du deine Krankenversicherung komplett selbst – kein Arbeitgeber übernimmt die Hälfte. Das sind je nach Versicherung und Einkommen 400 bis über 900 Euro im Monat. Wer das nicht in die Entnahmeplanung einrechnet, wundert sich, warum am Monatsende nichts übrigbleibt.

Dasselbe gilt für die Altersvorsorge. Rentenversicherungspflicht besteht für die meisten Selbständigen nicht – was bedeutet, dass du selbst vorsorgen musst. Ob private Rentenversicherung, ETF-Sparplan oder Rürup-Rente: Der Betrag läuft aus deiner Privatentnahme, nicht aus dem Unternehmensgewinn.

In der Praxis heißt das: Dein tatsächlicher Entnahmebedarf ist höher als dein Lebensunterhalt allein. Rechne beides explizit ein:

  • Monatlicher Lebensunterhalt
  • Krankenversicherungsbeitrag
  • Monatlicher Altersvorsorgebetrag

Erst diese Summe ist dein realer Mindestbedarf. Wer darunter liegt, hat ein Problem – entweder beim Einkommen oder bei der Planung.

Was GmbH-Gesellschafter anders machen

Wer eine GmbH betreibt, kann sich ein Geschäftsführergehalt zahlen – das ist steuerlich absetzbar und mindert den Gewinn der GmbH. Privatentnahmen im klassischen Sinne gibt es bei der GmbH nicht. Stattdessen gibt es Gewinnausschüttungen, die anders besteuert werden.

Für Einzelunternehmer und GbR-Gesellschafter gilt dagegen: Alles läuft über die Privatentnahme. Kein Gehalt, keine Ausschüttung – nur die Entnahme aus dem Eigenkapital.

Das ist kein Nachteil, aber es erfordert mehr Disziplin bei der Planung. Wer sich nicht selbst eine Art „Gehalt“ festlegt und monatlich konsequent überweist, neigt dazu, in guten Monaten zu viel zu entnehmen und in schlechten Monaten in Schwierigkeiten zu geraten.

Privatentnahmen steuerlich richtig einordnen

Nochmals zur Klarheit: Privatentnahmen sind steuerlich neutral – sie mindern weder Gewinn noch Steuerlast. Du zahlst Steuern auf den Gewinn, nicht auf das, was du entnimmst.

Das bedeutet auch: Hohe Entnahmen in einem guten Jahr schützen dich nicht vor einer hohen Steuerlast. Im Gegenteil – wer alles entnimmt und dann die Steuerrechnung nicht bezahlen kann, hat ein ernstes Problem. Ein regelmäßiger Cashflow-Überblick hilft, solche Situationen zu vermeiden.

Dein Unternehmerlohn – kein Zufall, sondern Entscheidung

Wie viel du dir nimmst, ist keine Frage des Glücks oder des Kontostands am Monatsende. Es ist eine unternehmerische Entscheidung, die du einmal durchdenken und dann systematisch umsetzen solltest.

Wer das tut, schläft ruhiger – und hat im nächsten Frühjahr keine böse Überraschung vom Finanzamt.

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