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Führung braucht Haltung – was Führungskräfte von Hunden lernen können

Michaela Knabe, Hunde, Führung, Haltung, Kompetenz
Gastbeitrag von Michaela Knabe

In der heutigen Arbeitswelt stellen alle Beteiligten höhere Anforderungen an ein Unternehmensergebnis als noch vor einigen Jahren. Es geht nicht mehr nur um das WAS, sondern vor allem um das WIE und WARUM. Immer mehr Menschen hinterfragen den Sinn ihres Tuns und stellen nicht nur Endprodukte, sondern auch Herstellungsprozesse und Rahmenbedingungen auf den Prüfstand.

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Die Entkopplung von Leben und Arbeiten, von Persönlichkeit und Zielerreichung, von Führen und Folgen hat an einigen Stellen zu hohen Reibungsverlusten geführt, die bei Arbeitnehmern für eine resignierte oder sogar innovationsfeindliche Haltung sorgen können. So gehen Leistungsbereitschaft, Kreativität und Zuversicht auf Dauer verloren und machen Platz für eine Dienst-nach-Vorschrift-Mentalität und kollektive Hilflosigkeit.

Ein moderner, agiler und weltoffener Führungsansatz möchte diesen Teufelskreis gern durchbrechen und steht mit einem bunten Strauß innovativer Tools in den Startblöcken. Veränderungen sollen her, wir machen alles anders und vor allem so, dass alle miteinander Spaß haben und sich selbst verwirklichen können. Dass am Ende wie von Zauberhand noch wertvolle Produkte und Dienstleistungen entstehen sollen, die die ganze Welt begeistern, scheint in diesem Szenario geradezu selbstverständlich zu sein.

Persönliche Qualitäten in einer digitalen Arbeitswelt

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In der Unternehmensrealität wird jedoch deutlich, dass allein der Einsatz neuer Methoden häufig mehr Fragen aufwirft als er beantwortet. Die Lösung für die drängenden Herausforderungen liegt nicht in Tools und Systemen. Die wertvollsten Ansätze liegen in uns selbst, besser gesagt in unseren tief verwurzelten sozialen Fähigkeiten.

Bei aller Disruption in Technologie und Dienstleistung zeigen die täglichen Herausforderungen in allen Branchen, dass wir vor allem die zwischenmenschlichen Faktoren in den Fokus nehmen müssen. Die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, entscheidet im „war for talents“ darüber, wer bereit ist, sich für ein Unternehmensziel voll und ganz einzubringen.

Die Generationen Y und Z sind nicht mehr bereit, sich allein dem Dienstzeitenvorsprung oder scheinbarer Wissenshoheit etablierter Führungspersonen anzuschließen – geschweige denn, sich ihnen vorbehaltlos zu unterwerfen. Die „Wissensarbeiter“ von heute und morgen suchen nach sinnvollen Zusammenhängen und kraftvollen Visionen, für die sie sich einsetzen können.

Vom entweder oder zum sowohl als auch

Die Führung von heute soll also vor allem eins bewirken: Freiraum schaffen für Selbstverantwortung, Kreativität und Eigeninitiative.

Prozesse geschehen nicht mehr als Einbahnstraße top-down, sondern zirkulieren immer häufiger frei und ungebunden im unternehmenseigenen Orbit. Jeder spricht mit jedem und begegnet sich mit neugieriger, wertfreier Offenheit. Rollen werden situativ angenommen und zeitlich durchgetauscht, Blickwinkel werden verändert und interdisziplinäre Teams schauen immer wieder über den Tellerrand.

Bereits jetzt ist klar, dass diese neue Form der Wertschöpfung weder frei von Problemen noch garantiert erfolgreich ist. Denn die entscheidende Rolle einer souveränen Führungskraft besteht darin, in einer Welt voller Tempo, Beweglichkeit und Unsicherheit für Stabilität in sozialen Beziehungen zu sorgen. Während sich um uns herum so viel verändert, bleiben wir in unserem Bedürfnis nach haltbaren, sozialen Verbindungen stets die Menschen, die wir sind – mit all unseren Sorgen, Nöten und auch Ängsten.

Selbstverständlich erfordert diese Rolle ein Höchstmaß an Sozialkompetenz und Selbstführung. Wer selbst unsicher und widersprüchlich ist, wird kaum in seiner Vorbildfunktion als „Fels in der Brandung“ glaubwürdig sein. Andererseits muss niemand ein perfekt anmutender Übermensch sein, der über allen Dingen zu stehen scheint und nicht mehr greifbar ist. Es geht vielmehr darum, als Mensch und Führungskraft stetig seine Stärken und Handlungsoptionen zu hinterfragen und weiter zu entwickeln.

Eine sehr wirkungsvolle Unterstützung erhalten wir dabei von den Vierbeinern, die wir nicht zufällig als „besten Freund des Menschen“ bezeichnen.

High Performer auf vier Pfoten – was wir von Hunden lernen können

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Kein anderes Tier begleitet uns Menschen in unserer Entwicklungsgeschichte schon so lange wie der Hund. Als gesichert gilt, dass der wilde Wolf sich vor etwa 20.000 bis 40.000 Jahren zum treuen Gefährten gewandelt hat.

Seitdem ist der Hund ein fester Bestandteil unseres täglichen und kulturellen Lebens. Er ist ein Multitalent und zeichnet sich durch seine überdurchschnittliche Kooperations- und Lernbereitschaft aus. Hunde sind in vielen Bereichen sogar „Kollegen“ und verrichten mit hoher Motivation ihren Dienst, indem sie Drogen aufspüren, vermisste Personen suchen oder blinde Menschen sicher durch den Stadtverkehr führen.

Diese einmalig, tiefe Verbindung entstand vor allem durch die Ähnlichkeiten in den sozialen Strukturen von Mensch und Hund. Beider Kernzelle ist die Familie bzw. Gemeinschaft, in der mit verteilten Rollen eine größtmögliche Sicherheit und Überlebensfähigkeit hergestellt wird. Eine klare Kommunikation und faire Regeln sichern nicht nur Nahrung und Fortpflanzung, sondern schützen auch vor Angriffen von außen. Wenn jeder seine Fähigkeiten und Grenzen kennt, kann man maximal flexibel auch auf Überraschungen reagieren.

Darüber hinaus findet die Gruppe durch das hohe Maß an sozialer Verbundenheit auch nach Ausnahmezuständen mit hohem Stresspegel wieder zu seinen Reserven zurück. So bleiben Individuen im energetischen Gleichgewicht und können sich jederzeit der nächsten Herausforderung stellen.

Die gemeinsame Stärke und die Verbundenheit sind also die entscheidenden Wettbewerbsvorteile von sozialen Gemeinschaften.

Starkes Ich für starkes Wir – Selbstführung mit 11 Kompetenzen

Auch wenn wir nicht mehr als Jäger und Sammler durch die Steppe ziehen, sind wir auf funktionierende Sozialverbände angewiesen, um unsere individuellen Stärken voll zur Geltung bringen zu können.

Insbesondere in zukunftsorientierten Unternehmen ist die Arbeit in heterogenen Teams ein entscheidender Erfolgsfaktor. Eine starke, verlässliche Führung ist für eine solche Netzwerkstruktur wichtiger denn je.

Diese Art der Führung basiert nicht auf formellen oder fachlichen Abgrenzungen, sondern vor allem auf einer ausgereiften Persönlichkeit mit einer klaren, erkennbaren Haltung. Gemeinsam mit zehn weiteren Kompetenzen bildet sie den Grundstein für eine Führung, die ein Höchstmaß an Flexibilität ermöglicht und gleichzeitig für Orientierung und Sicherheit sorgt. In Sachen Kommunikation, Klarheit, Souveränität, Gelassenheit, Konsequenz, Verantwortung, Vertrauen, Veränderungsbereitschaft, Fokus und Kooperation sind Hunde absolute Meister ihres Faches.

Am Beispiel „Klarheit“ wird deutlich, wie weit Anspruch und Wirklichkeit in unserem Leben teilweise auseinander klaffen. Jeder will Klarheit – und doch kann (oder will) kaum jemand mit den Auswirkungen der totalen Transparenz eigenverantwortlich umgehen. Ein wenig nebulöse Verpackung möchten wir bei aller Aufgeklärtheit doch gern behalten. Im Zweifelsfall nennen wir es „Höflichkeit“, wenn wir um den heißen Brei reden und nicht das sagen, was wir wirklich wollen.

Hunde sind immer klar in ihrem Ausdruck, denn das sorgt im Rudel dafür, dass jeder weiß, woran er ist. Klarheit schafft Vertrauen. Ein Hund hat innerhalb seiner eigenen Gruppe keinerlei Vorteil von Täuschung oder schönem Schein. Im Gegenteil: spätestens in Krisensituationen mit hoher Belastung wie Ressourcenmangel oder ständiger Gefahr von außen werden Individuen mit widersprüchlichem (inkongruentem) Verhalten mindestens energisch gemaßregelt, teilweise sogar vertrieben.

Wer sich verstellt, gefährdet das Team.

Nachahmung verboten – Inspiration erwünscht

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Bevor Sie jetzt als Führungskraft jeden Mitarbeiter vor die Tür setzen, der mal ein wenig widersprüchlich wirkt, überprüfen Sie doch einmal, wie es um Ihre eigene Klarheit bestellt ist. Betrachten Sie die letzten Tage Ihres Arbeitsalltages mit der „Klarheitsbrille“ und identifizieren Sie die Momente, in denen möglicherweise etwas mehr Deutlichkeit und Transparenz zu einem anderen oder sogar besseren Ergebnis geführt hätten. Tun Sie dies bitte ohne Verurteilung oder Wertung, sondern mit etwas Humor und Wohlwollen sich selbst und den anderen gegenüber.

Das ultimative, zeitlose Tool, um alle genannten Kompetenzen in unseren Wirkungsbereich hinein zu tragen, ist die Kommunikation. Gewissermaßen als Königsdisziplin kommt sie daher, verändert sich derzeit rasant in technischer Hinsicht und unterliegt gleichzeitig nach wie vor den Regeln sozialer Gemeinschaften.

Auch hierin sind Hunde durch und durch Vollprofis. Mit minimalen Gesten und einem reichen Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten teilen sie sich ständig mit, was gerade so los ist. Je nach Mimik kann ein Knurren eine handfeste Drohung oder eine Bitte um etwas mehr Abstand sein. Einem Hund stehen nicht einfach die Haare zu Berge: Eine Bürste im Nacken deutet auf offensive Absichten hin, während aufgestelltes Fell am hinteren Rücken oder auf der Rute eher Unsicherheit signalisiert und beschwichtigen soll. Bei hundlicher Kommunikation geht es immer darum, sich absolut verständlich auszudrücken. Das schützt vor Missverständnissen und verhindert ernsthafte Auseinandersetzungen.

Sprich: Eine klare Kommunikation sorgt dafür, dass Individuen und Gruppen in größtmöglicher Sicherheit leben können.

Die Persönlichkeitsentwicklung mit dem Co-Trainer Hund ist deshalb so effektiv, weil die Interaktion immer individuell und unmittelbar spürbar ist. Oft liest man im Zusammenhang mit tiergestützten Interventionen, dass die Tiere unser Verhalten „spiegeln“ und auf diese Art für uns sichtbar machen.

Diese Beschreibung fasst jedoch viel zu kurz und wird dem Mehrwert dieser Methode nicht gerecht. Es ist vielmehr so, dass Hunde unsere Signale aufnehmen und absolut wertfrei als Grundlage ihrer entsprechenden Reaktion nutzen. So entsteht ein tiefer, nonverbaler Dialog zwischen zwei Persönlichkeiten, der sich jederzeit variieren und anpassen lässt.

Jede veränderte Aktion führt unweigerlich zu einer veränderten Reaktion – und das gilt sowohl für Hunde als auch für unser zwischenmenschliches Miteinander. Jedes neue Verhalten beeinflusst den Verlauf einer gemeinsamen Aufgabe und ermöglicht es, eine immer feinere Verbindung zu knüpfen.

Auf diese unvergleichliche Art erhält ein Teilnehmer in einem hundegestützten Training oder Coaching in jedem Moment eine unverfälschte Rückmeldung auf seine Aktivität und hat so die Möglichkeit, seine Handlungsansätze unmittelbar zu überprüfen und zu erweitern. Schließlich ist dieses Feedback vom Vierbeiner nicht nur glasklar, sondern auch von großem Wohlwollen und zugewandter Freundlichkeit geprägt. Dadurch wird es für einen aufgeschlossenen Menschen sehr leicht, die gewonnenen Anregungen als Geschenk annehmen und authentisch anwenden zu können.

Der Kreis schließt sich – mit Sicherheit besser Arbeiten

Es ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft, in unsicheren Situationen nach dem ultimativen Patentrezept mit Erfolgsgarantie zu suchen. Wohl wissend, dass es das in den meisten Fällen nicht gibt, sehnen wir uns nach Schablonen und einfachen Antworten, die für alle und alles passen.

Innovative Arbeitstechniken und zukunftsorientierte Denkansätze können sehr wirksame Instrumente sein, mit denen sich die Herausforderungen der sich ständig wandelnden Arbeits- und Lebensumgebung bewältigen lassen. Am Ende ist es jedoch immer der Mensch mit seiner persönlicher Reife, der es in der Hand hat, welche Wirkung diese innovativen Tools und Strukturen entfalten.

Bei der Entwicklung und Festigung der 11 grundlegenden Führungsqualitäten kann uns der Hund als reiche Inspirationsquelle dienen. Von ihm können wir lernen, uns selbst zu führen und damit eine Strahlkraft zu entwickeln, die andere Menschen dazu einlädt, einen Weg mit uns zu gehen. So kommen wir mehr und mehr in einen Flow, der uns auch durch turbulente Zeiten trägt und der dafür sorgt, dass wir mit beiden Beinen im Leben stehen und Haltung zeigen können.

Die Autorin

Michaela KnabeMichaela Knabe ist Inhaberin der coachdogs® Akademie und als Expertin für hundegestütztes Management-Training und Business-Coaching bei Führungskräften aller Branchen anerkannt. Das innovative und einzigartige Trainings- und Ausbildungskonzept wurde mehrfach ausgezeichnet und wird ständig weiter entwickelt.

Michaela Knabe verfügt über mehr als 20 Jahre eigene Führungserfahrung in internationalen Konzernen und verbindet ihr Praxiswissen stets mit den neusten Erkenntnissen aus Zeitgeist, Psychologie und Zukunftsforschung.

Mehr Infos unter https://www.coachdogs.com.

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Das Buch zum Thema

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Titel: Gute Führung braucht Haltung – 11 Kompetenzen, die Führungskräfte von Hunden lernen können*

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Inhalt: In ihrem Buch „Gute Führung braucht Haltung – 11 Kompetenzen, die Führungskräfte von Hunden lernen können“ beschreibt Autorin Michaela Knabe, wie wir durch die Weisheit der Hunde zu einer besseren Führungskraft werden können. Dabei geht es nicht um Patentrezepte, sondern um die individuelle Entwicklung unentbehrlicher Eigenschaften, die nicht nur im Berufsleben zum Erreichen gesteckter Ziele und ausgewogener Lebensqualität führen.

Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Wiley-VCH, Weinheim
ISBN: 978-3-527-50989-8
Preis: 19,99 EUR

Michaela Knabe, Hunde, Führung, Haltung, Kompetenz

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Fotos: Foto: Michaela Knabe / Anna Imm Photography

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