Personal & Weiterbildung
Schreibe einen Kommentar

Corporate Purpose: Warum Sinnhaftigkeit in Unternehmen keine schöngeistige Philosophie ist

Sinnhaftigkeit
Gastbeitrag von Stefan Dudas

Unsere Arbeitswelt ist existenziell für uns. Nicht nur, weil wir sehr viel Lebenszeit damit verbringen, sondern weil wir uns auch über unsere Arbeit in der Welt „positionieren“.

Die Arbeit hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Lebensgestaltung. Es lohnt sich, einmal genauer hinzusehen, neue Möglichkeiten und neue Ansichten zuzulassen. Vor allem, wenn es um das Thema Sinnhaftigkeit geht – für den Einzelnen und für die Unternehmen.

In den letzten Jahren wurde das Thema Sinn zum öffentlichen Thema. Die junge Generation hat bei ihren Eltern gesehen, welchen Tribut die Arbeitswelt fordert. Wenn die Eltern nach einem anstrengenden 12-Stunden-Tag geburnoutet nach Hause kamen, war das für die junge Generation nicht unbedingt ein Vorbild.

Die ganze Sinn-Aufregung also nur, weil die Jungen „Unruhe“ ins System bringen? Oder zumindest vermehrt danach fragen, „warum“ sie etwas machen (sollen)? „Weiterkommen“ in der Karriere ist heute für die meisten nicht mehr das universelle Ziel.

Brennen für seinen Job – bis der Arzt kommt…

Wie eine Studie des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life zeigt, waren 2018 psychische Erkrankungen mit 37 Prozent die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit.

Das Burn-out-Thema wird noch brisanter, wenn man die Zahlen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern und Zürich liest: 2007 gab es in Zürich 49 Notfälle, 2017 bereits 649. Selbst unsere Kinder sind zunehmend überfordert. (https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/jeder-dritte-schueler-leidet-an-burnoutsymptomen/story/22251235)

Also einfach so weitermachen? Nein. Es geht hier um Menschen und viel Geld: Eine Schweizer Beamtin hat den eigenen Arbeitgeber (Staat) für ihr Burnout verantwortlich gemacht und im Januar 2020 im dritten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts die Bestätigung erhalten, dass die Fürsorgepflicht verletzt wurde (und damit ein Haftpflichtfall vorliege). (https://www.watson.ch/schweiz/gesellschaft%20&%20politik/418969437-beamtin-verklagt-staat-und-macht-ihn-fuer-ihr-burnout-verantwortlich)

Es geht für mich nicht darum, die Balance zwischen der gefühlt lebenszeitvernichtenden Arbeit und der schönen Freizeit herzustellen. Es geht darum, dass wir unser Leben so gestalten, dass es für uns Sinn macht – in beiden Bereichen, die oft sowieso immer mehr miteinander verschmelzen.

Unsere statistischen 30’000 Tage Lebenszeit sind das Wertvollste, was wir besitzen. Wenn wir uns jetzt aber ausmalen, wie viele Menschen bei ihrer täglichen Arbeit nicht glücklich sind, ist das erschreckend. Sind diese Stunden nicht erfüllend, wird man mit einer entsprechenden Energie und Laune nach Hause kommen und die eigene Familie damit „anstecken“ und (die Kinder) prägen.

„Purpose“ macht voll Sinn, um weiterhin Kunden und potenzielle Mitarbeiter zu erreichen – drei Tipps

Wir sollten offen darüber sprechen, was wir im Business eigentlich wirklich tun, ohne dass wir noch darüber nachdenken, warum wir es tun. Stundenlange Meetings, die nur stattfinden, weil sie schon immer stattgefunden haben, sind hier nur ein Beispiel.

1. Tipp: Führen als Funktion

Sinn kann nicht befohlen oder vorgegeben werden. Sinn im Unternehmen zu „installieren“ funktioniert also anders als alle Prozesse bisher.

Führungskräfte dürfen lernen, dass sie noch mehr in eine Coach-Rolle wachsen müssen. Aber vor allem muss ihnen selber ihr Sinn bewusst sein. Und dann darf die Führungskraft das tun, was in der Funktionsbeschreibung steht, wozu sie allerdings nur selten kommt: Führen.

2. Tipp: Sinn in der Kommunikation

Unternehmen sollten ihre Vision und Mission auf Sinn abklopfen und auch den Mut haben, Dinge, die keinen Sinn (mehr) machen, einfach zu streichen.

Als Führungskraft hat man dann die Aufgabe, die persönlichen Beweggründe (das Warum oder Wozu) den Mitarbeitern immer wieder zu kommunizieren. Der Sinn des Unternehmens muss in jeder Kommunikations-Maßnahme mitschwingen und erkennbar sein.

3. Tipp: Sinn-Gedanke statt Motivation

In der Vergangenheit hat man versucht, Mitarbeiter zu motivieren und dabei gelernt, dass dies nur sehr begrenzt und kurzfristig funktioniert. Goodies sollten helfen. Ein CEO betont, dass „die da unten“ schon alles haben: Kostenlose Getränke, fast kostenloses Essen, Ruheräume, Tischtennis-Tische, ein eigenes Fitnesscenter mit eigenem Fitnesstrainer. Unzufriedenheit ist trotzdem alltäglich.

Wir müssen erkennen, dass es nur dann eine Veränderung gibt, wenn immer mehr Menschen erkennen, wozu sie früh morgens aus dem Bett steigen. Dass sie wichtig sind und einen wertvollen Beitrag für andere Menschen leisten dürfen.

Wir können warten, bis sich die Arbeitswelt verändert. Sie wird sich aber nur verändern, wenn wir uns immer mehr entscheidende Fragen stellen. Sie wird sich nur ändern, wenn wir offener sind, unser bisheriges Tun zu hinterfragen. Und sie wird sich nur ändern, wenn wir jetzt damit anfangen. Schließlich geht es nicht nur um die gesamte Arbeitswelt. Es geht hauptsächlich um uns und unsere (statistischen) 30’000 Tage – oder was davon noch übrig ist.

Der Autor

Stefan DudasStefan Dudas ist Business-Experte für Sinngebung. Der Keynote-Speaker, Coach und Autor legt humorvoll und tiefsinnig das Fundament für neue Denk-Ansätze. Sein „suxess-System für sinnbasiertes Management“ vermittelt Sinnhaltigkeit in Führung, Kommunikation sowie Motivation.

Im Dezember 2017 erschien sein Buch „VOLL SINN – Nur was Sinn macht, kann uns erfüllen“.

Weitere Informationen unter  www.stefandudas.com.

Das Buch zum Thema

Titel: VOLL SINN: Nur was Sinn macht, kann uns erfüllen*

Amazon-Link*

Amazon-Link*

Inhalt: Wenn man immer das tut, was scheinbar erwartet wird, stellen sich früher oder später die entscheidenden Fragen: Was mache ich eigentlich? Macht das Sinn? Ist das, was ich mache, wirklich Erfüllung?

Die Suche nach dem Sinn ist dringlicher denn je. Die Arbeitswelt verändert sich in atemberaubendem Tempo. «Sinn» wird zur Voraussetzung für Motivation. Das beginnen sogar die Unternehmen zu erkennen. Auf der einen Seite stehen wir als Mensch. Auf der anderen Seite buhlen Unternehmen, Kollegen, Freunde um unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit, unsere Energie. Wer all dem gleichermaßen gerecht werden will, wird früher oder später auf der Strecke bleiben.

Was liegt also näher als die Frage nach dem Sinn im Leben, dem Sinn im Business? Das sind keine romantischen Fragen für Träumer. «Sinn» ist das Ziel im Leben. Sich darauf einzulassen, ist die Herausforderung.

Stefan Dudas spricht in seinem neuen Buch Klartext. Humorvoll, aber immer tiefgründig zeigt er, wie jeder von uns mehr Sinn in sein Leben bringen kann. Nicht nur im Privatleben, sondern auch bei der Arbeit. Wenn Montag bis Freitag nur als Plackerei und eine eigentliche Lebenszeit-Verschwendung wahrgenommen wird, wird es höchste Zeit, etwas zu verändern. Schließlich geht es um nichts weniger als um Ihr Leben. Das macht VOLL SINN. Oder?

Gebundene Ausgabe: 264 Seiten
Verlag: BusinessVillage
ISBN-13: 978-3869803944
Preis: 24,95 EUR


Sinnhaftigkeit

Pin it!

Kategorie: Personal & Weiterbildung

von

Unternehmerhandbuch

Dieses Fachmagazin richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, Selbständige und Existenzgründer, die nicht für jedes Thema eine Fachabteilung haben. Hier gibt es praktische Tipps zur Unternehmensführung, die selbständig umgesetzt werden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wenn Du wissen möchtest, welche Daten wir beim Hinterlassen eines Kommentars speichern, schau bitte in unsere Datenschutzerklärung.