Personal & Weiterbildung

Diese drei Faktoren musst du bei deiner Tagesplanung berücksichtigen

Tagesplanung
Gastbeitrag von Stephan Hütter

Ein lautes Brummen reißt mich aus dem Schlaf.

Was ist denn jetzt wieder los?

Und warum mitten in der Nacht?

Mühsam öffne ich ein Auge und sehe ich auf die Uhr: 8:00.

Das Brummen ist der Staubsauger meiner Mitbewohnerin. Sie ist mal wieder früh wach und beginnt den Tag mit Morgenputz. Ich hingegen war bis halb zwei wach und bin entsprechend gerädert.

Diese Situation war typisch für meine Studentenzeit. Während meine Mitbewohnerin immer früh wach und produktiv war, habe ich gerne abends und bis spät in die Nacht gelernt.

Jeder Mensch hat andere zeitliche Bedingungen für produktives Arbeiten. Der eine macht es morgens vor dem Sonnenaufgang, der andere abends, wenn alle anderen schlafen. Der dritte wiederum ist tagsüber fit.

Das Problem ist, dass viele Menschen mit ihrem Tagesablauf gegen ihre Produktivität arbeiten. So erzielen sie nur mittelmäßige Ergebnisse und sind frustriert. Dabei lässt sich dieses Problem mit einem individuellen Tagesplan schnell beheben.

Die Betonung liegt dabei auf individuell, denn unsere Tagesabläufe sind so unterschiedlich wie wir Menschen selber. Es gibt allerdings ein paar physiologische und psychologische Gesetzmäßigkeiten, die deine Produktivität am Tag beeinflussen.

Diese zu kennen ist ein wichtiger Faktor, um deinen Tag gut zu planen und das Beste aus ihm herauszuholen.

1. Chronotyp

Zuerst ist da der Chronotyp. Dein Chronotyp sagt aus, in welcher Phase des Tages du am aktivsten und produktivsten bist. Am bekanntesten sind die beiden Chronotypen Eule und Lerche.

Die Eule ist ein nachtaktives Tier und entsprechend sind menschliche Eulen auch vor allem in den Nachtstunden fit und haben dort ihren Tageshöhepunkt. Wenn alle anderen sich hinlegen, geht ihr Tag erst richtig los.

Das hat zur Folge, dass Eulen morgens von produktiver Tätigkeit so weit entfernt sind, wie Island von einem warmen Winter. Eulen sind die Menschen mit den Kaffeebechern und der Aufschrift: „Coffee first“ oder „Kein Wort vor dem ersten Kaffee“. Umgangssprachlich nennt man sie häufig Morgenmuffel.

Das genaue Gegenteil von einer Eule ist die Lerche. Die Lerche ist ein kleiner Vogel, der am liebsten frühmorgens singt. Du wirst ihn wahrscheinlich schon mehrfach im Sommer gehört haben. Die Lerche ist das Geräusch, mit dem du wach wirst, sobald es draußen etwas wärmer wird.

Menschliche Lerchen stehen gerne und freiwillig früh auf, teilweise extrem früh. Tim Cook, Chef von Apple, ist eine klassische Lerche. Er beginnt seinen Tag morgens um 4:30 Uhr. Lerchen gehen dafür abends früh schlafen, denn sie brauchen nicht weniger Schlaf, sie beginnen nur früher damit.

Im täglichen Sprachgebrauch finden häufig nur diese beiden Extreme statt. Der dritte Chronotyp wird fast nie erwähnt, obwohl ihm mit Abstand die meisten Menschen angehören. Er trägt die  ziemlich einfallslose Bezeichnung „Normaltypus“.

Bei diesem Typus beginnt der Tag mit Sonnenaufgang und endet mit Sonnenuntergang. Je nach Jahreszeit mit kleinen Verschiebungen.

Zwischen Lerche, Normalo und Eule gibt es verschiedene Mischformen, wobei der Mensch immer in eine Richtung tendiert.

Deinen Chronotyp zu kennen, hilft dir bei deiner Tagesplanung. Denn je nach Ausprägung verschiebt sich dein Produktivitätszyklus.

2. Produktivitätszyklus

Der Produktivitätszyklus ist der zweite wichtige Faktor für deine Tagesplanung.

Dein Energielevel schwankt am Tag von voller Power bis zu kurz vor Koma.

Während du vormittags noch Bäume ausreißen kannst, fällst du nach der Mittagspause in eine Lethargie. Solche Ausschläge sind ganz normal, da dein Stoffwechsel und deine Organtätigkeit variieren.

Interessanterweise ist der Ablauf des Produktivitätszyklus bei allen Chronotypen ungefähr gleich.

Der Tag beginnt mit einem Konzentrationsmangel. In dieser Zeit erledigst du Routineaufgaben, wie Kaffeekochen, Frühstück machen und Duschen.

Dann kommt deine kreative Hochphase, in der du empfänglich für neue Gedanken und Ansätze bist.

Im Anschluss folgt ein Zeitraum, der besonders für das Lösen von komplexen Problemen geeignet ist.

Nach so viel Tätigkeit benötigt dein Körper eine Auszeit und begibt sich in das Mittagstief. Je nach Art des Mittagessens fällt dieses stärker oder schwächer aus. Man nennt es auch das Kantinen- oder Schnitzelkoma.

Läuft der Vormittag zwischen Lerchen und Eulen noch ziemlich gleich ab, beginnen die Unterschiede nach der Mittagspause:

  • Die Lerchen haben direkt im Anschluss ein Zeitfenster, das sie für die Problemlösung nutzen können, während bei den Eulen eine Inspirationsphase beginnt.
  • Danach kehren sich die Phasen für beide um.

Dieser Tagesablauf ist unabhängig von der Aufstehzeit, er verschiebt sich nur entsprechend. Stehst du früher auf, beginnt er früher und umgekehrt.

Das Stichwort „frühes Aufstehen“ bringt mich zum dritten wesentlichen Faktor für deinen Tagesablauf.

3. Komfortzone

Der dritte Faktor für deinen produktiven Tag ist deine Komfortzone.

Da ist es wieder, dieses magische und mittlerweile viel zu häufig missbrauchte Wort. Das Komfortzonen-Bashing hat mittlerweile ungewöhnliche Ausmaße angenommen, deshalb konzentrieren wir uns auf die Fakten.

Außerhalb der Komfortzone liegt die Lernzone. Hier bewegst du dich, wenn du neue Sachen entdeckst und lernst.

Wenn du in der Lernzone bist, verändert sich dein Gehirn. Um mit den ungewohnten Situationen fertig zu werden, experimentiert dein Verstand mit neuen Denkmustern. Dadurch entstehen im Gehirn frische neuronale Bahnen. Während dieser Zeit bist du extrem kreativ, denn dein ganzes Gehirn ist auf das Finden neuer Lösungswege programmiert.

Das kannst du nutzen, indem du dich für die Zeit deiner kreativen Hochphase in deine Lernzone begibst.

Es gibt einen sehr einfachen Trick, wie das klappt: Stell dir einen Wecker.

Ich meine damit nicht, dass du zwanghaft um fünf Uhr aufstehen musst.

Stell dir den Wecker eine halbe Stunde früher als eine entspannte Aufstehzeit für dich wäre. Damit wird dein normaler Rhythmus das entscheidende Stück aus der Bahn geworfen, ohne dass du ihn komplett zerstörst.

Jetzt bist du dran: Plane deinen Tag!

Du hast nun drei Faktoren kennengelernt, die für deinen produktiven Tag wichtig sind:

  1. Chronotyp
  2. Produktivitätszyklus
  3. Lernzone

Wie nutzt du diese Erkenntnisse jetzt?

Zuerst solltest du herausfinden, was für ein Chronotyp du bist. Die Kollegen von Fit for Fun haben dazu einen Schnelltest entwickelt.

Dein Chronotyp bildet die Basis für deine weitere Planung. Du weißt jetzt, wann deine Hoch- und Tiefphasen am Tag sind.

In dieses Gerüst kannst du nun deine täglichen Aufgaben einbauen:

  • Wofür brauchst du besonders viel Energie?
  • Bei welcher Tätigkeit ist deine Kreativität gefragt?
  • Wo liegen die größten Probleme?
  • Was sind nur Routineaufgaben?

Lege dir die Aufgaben in die entsprechende Phase des Tages.

Kreative Aufgaben in die kreative Hochphase, Probleme in die Problemlösungs-Phase und so weiter.

Damit steht dein Tag und du hast deine Aufgaben verteilt. Als letzten Schritt stellst du deinen Wecker eine halbe Stunde vor deine eigentliche Aufstehzeit. So schubst du dich morgens direkt in Richtung Lernzone und kannst deine erste kreative Hochphase noch intensiver nutzen.

Experimentiere mit diesem neuen Tagesablauf. Er ist nicht in Stein gemeißelt, du kannst ihn immer wieder anpassen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren.

Was sind deine Erfahrungen mit einer Tagesplanung?

Kennst du schon deinen idealen Tagesablauf?

Lass es dir gut gehen,

Stephan

Der Autor

Stephan HütterStephan Hütter schreibt auf seinem Blog stephanhuetter.de über die Themen Persönlichkeitsentwicklung und Mindset.

Nach knapp acht Jahren in der Sportbranche machte er sich als Texter und Blogger selbstständig. Besonders in der ersten Zeit als Selbstständiger merkte er, wie wichtig das richtige Mindset für eine erfüllte Tätigkeit und Erfolg im Leben ist.

Seine gemachten Erfahrungen gibt Stephan nun weiter und ermutigt so auch andere Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Mehr Infos unter: www.stephanhuetter.de