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Zwingt Deutschlands Unentschlossenheit Fachspezialist:innen zum Auswandern?

Entscheidungen, Unentschlossenheit (arrows pointing in multiple directions)
Gastbeitrag von Dr. Johanna Dahm

Deutsche Unternehmen tun sich schwer mit Entscheidungen. Gerade in Zeiten der Polykrise ist aber rasches Handeln und ein permanentes Anpassen des Geschäftsmodells erforderlich.

Dr. Johanna Dahm zeigt auf, wie Deutschland den Anschluss zu verlieren droht.

Unsicherheit durch die vielfältigen Krisen führt zu Beratungs-Boom – nicht immer mit Erfolg

Die der Covid-19-Pandemie folgende Polykrise hat die Defizite der deutschen Wirtschaft und Unternehmen sichtbar gemacht und ihre Akteure vor enorme Herausforderungen gestellt. Viele haben versucht, sich schnell an die veränderte Situation anzupassen, indem sie auf externe Berater:innen zurückgegriffen oder interne agile Projektteams aufgebaut haben. Doch die Ergebnisse waren nicht immer positiv.

Laut einer aktuellen Studie („Change Readiness Index 2022“ der Unternehmensberatung Staufen) haben 70 % der Unternehmen mit externen Berater:innen mindestens einen Projektmisserfolg verzeichnet. Durch Verzögerungen und Prokrastination des Projektmanagements kommt es im Jahr 2022 sogar zu einer 50%igen Misserfolgsquote.

Diese Zahlen sollten ein Weckruf für deutsche Unternehmen sein. Die Vernachlässigung von Projektmanagement und die sich durch Bürokratie und Führungsschwäche immer noch steigernde Entscheidungsschwäche haben langfristige Auswirkungen auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Vor allem in Zeiten, in denen Agilität und schnelle Entscheidungen mit Blick auf Kundenservice und -zentriertheit, aber auch die Entwicklung von Talenten gefragt sind, können solche Fehler schwerwiegende Folgen haben.

Die Methoden von gestern greifen nicht in Zeiten volatiler Märkte

Statt Wandel, Zukunft und Erfolg im Blick zu haben, orientieren sich viele Firmen nach wie vor an überalterten Methoden. In der aktuellen Zeit der volatilen Märkte ist aber extrem schnelles Handeln gefragt – und da greifen die bisherigen Maßnahmen nicht mehr schnell genug.

Viele Unternehmen sind deshalb nicht mehr in der Lage, schnell auf Veränderungen zu reagieren und Entscheidungen zu treffen, die auf klaren Daten und Fakten basieren. Was schwerwiegende Folgen hat: Sie verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Die Verunsicherung führt dazu, dass nicht mehr in die Mitarbeitenden investiert wird. So wird auch langfristig dafür gesorgt, dass Weiterentwicklung der Belegschaft, Effizienz, Leistung und Entscheidungsfreude im Unternehmen verloren gehen.

Die Zukunft deutscher Unternehmen hängt weder von Größe noch Standort ab, sondern allein davon, wie schnell sie ihre Arbeitsweise anpassen und sich auf die Bedürfnisse des Marktes, der Kund*innen und Mitarbeitenden einstellen können.

Dafür ist es entscheidend, diese Bedürfnisse zu kennen!

Unternehmen, die auf Basis von Daten umfassende Analysen anfertigen und mit diesem Wissen konsequent in Mitarbeitende, Kund:innen und Prozesse investieren, werden erfolgreicher sein als diejenigen, die weiterhin auf veraltete Methoden und Strukturen setzen. Letztere werden mittelfristig vom Markt verschwinden, von der Konkurrenz aufgekauft oder mangels motivierter Mitarbeiter:innen schließen.

Zukunftsfähigkeit bedeutet vielfach umfassende Veränderungen

Um sich als agiles, flexibles Unternehmen aufzustellen, dass sein Marktumfeld genau um Blick hat und rasch auf Veränderungen reagiert, braucht es häufig einen umfassenden Change Prozess. Diese Veränderungen in einem Unternehmen durchzuführen, ist alles andere als einfach und geht mit einer Veränderung der Unternehmenskultur und einer Änderung des Denkens und der Arbeitsweise einher – wovor sich gerade Traditionsunternehmen mit überalterter Belegschaft scheuen. Notwendig sind klare Entscheidungen, starke Vision und Führung, um sicherzustellen, dass die Veränderungen erfolgreich sind.

Doch ebenso sind viele deutsche Unternehmen bereit, ihre Ausrichtung zu überdenken, Veränderungen vorzunehmen, die Bedeutung von Agilität und effektivem Projektmanagement zu erkennen und Veränderungen vorzunehmen.

Gerade Hidden Champions, die ihre Stellung bei internationalen Kunden verteidigen wollen, oder international geprägte Konzerne mit Sitz in Deutschland verzeichnen vielfach Mitarbeitenden-Zulauf, Gewinne, stabiles Wachstum und zufriedene Investoren. Sie übernehmen aktiv die Verantwortung und gehen die notwendigen Schritte, um erfolgreich zu sein.

Ist Deutschland wettbewerbsfähig?

Doch es ist fraglich, ob das die deutsche Stellung im internationalen Wettbewerb sichert. Um nur die wichtigsten Eckpfeiler zu vergleichen, bleibt Deutschlands Position als Innovations- und Bildungslandschaft angreifbar:

  1. Digitale Infrastruktur: Länder wie Südkorea, Japan und Singapur haben eine der schnellsten und am weitesten entwickelten digitalen Infrastrukturen der Welt, wohingegen Deutschland nach wie vor mit Themen wie Datenschutz kämpft
  2. Künstliche Intelligenz: China ist führend in der Entwicklung von künstlicher Intelligenz und investiert massiv in Forschung und Entwicklung in diesem Bereich, während wir selbst einen Bruchteil investieren.
  3. Erneuerbare Energien: Länder wie Norwegen, Island und Costa Rica haben bereits eine hohe Abhängigkeit von erneuerbaren Energien und sind führend in der Entwicklung von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien – diese Diskussion steckt in Deutschland vergleichsweise in den Anfängen.
  4. Bildung: Finnland hat eines der besten Bildungssysteme der Welt und ist bekannt für seine innovative Lehrmethoden und Lehrpläne. Deutschland besetzt im internationalen Ranking inzwischen einen der unteren Plätze.
  5. Gesundheitswesen: Länder wie Kanada, Frankreich und Japan haben ein universelles Gesundheitssystem, das allen Bürgern zugänglich ist. Deutschlands Fachkräfte in Medizin und Pflege wandern oft schon zu Ausbildungszwecken ins Ausland ab, da aus finanziellen ebenso wie aus arbeitszeitlichen Gründen eine Beschäftigung in Deutschland nicht mehr attraktiv ist.

Obwohl jedes Land und jede Nation individuelle Stärken und Schwächen hat, und ein Vergleich gerade aufgrund politischer Systeme nicht immer sinnvoll ist, muss Deutschland in Politik und Wirtschaft Entscheidungen treffen, um den Herausforderungen nicht zu erliegen, und dann entsprechend handeln.

Die Autorin

Dr. Johanna DahmDr. Johanna Dahm berät und begleitet als Entscheidungs-Expertin Unternehmen, Führungskräfte und Start-ups durch Kri­sen und Wandel. Zudem ist sie als Autorin, Rednerin und Investorin tätig.

Seit über 20 Jahren forscht Johanna Dahm im Bereich Kompetenz- und Entscheidungsmanagement, um Effizienz und Leistung in Organisationen sicher zu stellen und Menschen in ihren persönlichen Erfolgsfaktoren zu unterstützen. Zu ihren Kunden gehören Unternehmen der Gesundheits-, Telekommunikations- und IT-Branche sowie Hidden Champions, die sie bei Krisen, Fusion und Generationswechsel unterstützt. Sie launchte über zwanzig erfolgreiche Start-ups und unterstützt europäische Hochschulen in Forschung und Lehre.

Mehr Infos hier: https://www.drjohannadahm.com/

Buchempfehlung

Titel: Atlas der Entscheider: Von der Entscheidung zum Erfolg*

Gerade ist der zweite Band der Bestseller-Reihe „Atlas der Entscheider“, die Dr. Johanna Dahm gemeinsam mit Heiko Stahnke herausgibt, erschienen. In „Atlas der Entscheider – Von der Entscheidung zum Erfolg“ (Bourdon Verlag, 246 S.) zeigen 35 Protagonist:innen anhand individueller Modelle, wie sie für sich Entscheidungskriterien gefunden haben – und so zum Erfolg gekommen sind. Ihre Erfahrungen sind zwar individuell, lassen sich aber auf andere Geschäfts- und Alltagssituationen übertragen.

Das unterhaltsam geschriebene, eingängige Buch richtet sich an Leser:innen, die sich im privaten wie im beruflichen Kontext weiterentwickeln wollen. Egal ob Unternehmeralltag, Führungssituation oder schwierige Beziehung mit Menschen – nur wer lernt, Entscheidungen richtig zu fällen, wird erfolgreich sein.

Herausgeber: Bourdon Verlag GmbH
Gebundene Ausgabe: 246 Seiten
ISBN-13: 978-3949869709
Preis: 19,95 EUR

Entscheidungen, Unentschlossenheit

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