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Das kleine 1×1 der Rechnungswesen-Begriffe – Auszahlung und Ausgabe

Rechnungswesen: Auszahlung & Ausgabe

RechnungswesenRechnungswesenSo wie jeder andere Wissensbereich, hat auch die Betriebswirtschaftslehre ihre Spezialbegriffe. Wenn man z.B. die Begriffsdefinitionen des Rechnungswesens nicht kennt, kann es schon mal sein, dass man etwas nicht oder falsch versteht bei der Betrachtung der Zahlungs- und Leistungsvorgänge im Unternehmen. Gerade hier kommt es nämlich oft zu Fehlinterpretationen, weil Begriffe des Rechnungswesens umgangssprachlich identisch genutzt werden, obwohl sie in der BWL unterschiedliche Bedeutungen haben.

Damit das nicht dauernd vorkommt und sich alle über das gleiche unterhalten können, heute die Erklärung der Unterschiede zwischen „Auszahlung & Ausgabe„.

Aufwand und Kosten“ und „Einzahlung, Einnahme, Ertrag und Leistung“ folgen in den anderen Teilen dieser Serie.

Grundlagen des Rechnungswesen

Im betrieblichen Rechnungswesen werden folgende Begriffspaare verwendet:

  1. Einzahlungen – Auszahlungen
  2. Einnahmen – Ausgaben
  3. Ertrag – Aufwand
  4. Leistung – Kosten

Bei allen diesen Begriffen handelt es sich um sogenannte „Strömungsgrößen“, d.h. um Zahlungs- bzw. Leistungsvorgänge, die sich innerhalb einer bestimmten Periode ereignen. Sie führen jeweils zu einer Veränderung von „Bestandsgrößen“, wobei die positiven zu einer Erhöhung und die negativen zu einer Bestandsverminderung führen. Jedes der Begriffspaare bewirkt dabei Veränderungen eines anders definierten Bestands. Folgende Bestände werden dabei betrachtet:

  • Zahlungsmittelbestand = Kassenbestand + jederzeit verfügbares Bankvermögen = Veränderung durch Einzahlungen & Auszahlungen
  • Geldvermögen = Zahlungsmittelbestand + kurzfristige Forderungen – kurzfristige Verbindlichkeiten = Veränderung durch Einnahmen & Ausgaben
  • Gesamtvermögen = Geldvermögen + Sachvermögen = Veränderung durch Ertrag & Aufwand
  • Betriebsnotwendiges Vermögen = Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Sachgüter / Dienstleistungen) – dafür erforderlicher Werteverzehr = Veränderung durch Leistung & Kosten
Strömungsgrößen-Bestandsgrößen

Strömungsgrößen-Bestandsgrößen

Unterschied zwischen Auszahlung, Ausgabe, Aufwand und Kosten

Diese 4 grundlegenden Begriffe des betrieblichen Rechnungswesens werden in der Umgangssprache gerne synonym verwendet. Die Unterschiede sind jedoch wichtig, wenn man ein vernünftiges Kostenrechnungs-System aufbauen und verstehen möchte. Hier zunächst eine grobe Übersicht der Begriffe und der Unterschiede zur jeweils nächsten Stufe, Beispiele für die einzelnen Begriffe gibt’s natürlich auch 😉

Auszahlungen - Ausgaben - Aufwand - Kosten

Auszahlungen – Ausgaben – Aufwand – Kosten

Auszahlung

Jeden Vorgang bei dem der Zahlungsmittelbestand des Unternehmens abnimmt nennt man Auszahlung. Bei der Auszahlung geht es also um die reine Zahlungsmittelbewegung aus dem Unternehmen hinaus. Dies kann mit einer Ausgabe zusammenfallen, muss es aber nicht.

Ausgabe

Jeden Vorgang bei dem das Geldvermögen des Unternehmens abnimmt, nennt man Ausgabe. Dabei sind Ausgaben die in „Geld“ ausgedrückten Sachwerte und Leistungen, die das Unternehmen bezieht, um seinen Leistungsprozess durchführen zu können. Wann der Zahlungsmittelfluss statt findet ist dabei unerheblich (Vorauskasse, Zahlung auf Ziel oder Sofortzahlung, alles ist möglich).

Beziehungen zwischen Auszahlung & Ausgabe




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Auszahlung-Ausgabe

Auszahlung-Ausgabe

Es sind drei Fälle möglich:

1. Auszahlung ohne Ausgabe (Neutrale Auszahlung)

Hierbei handelt es sich z.B. um die Zahlung von bestehenden Verbindlichkeiten bei denen die Lieferung in der Vorperiode erfolgte oder die Rückzahlung eines Kredits (d.h. der Zahlungsmittelbestand vermindert sich & die Verbindlichkeiten vermindern sich = in der Summe bleibt das Geldvermögen unverändert).

Merkmal: Leistungs- & Zahlungszeitpunkt liegen in unterschiedlichen Perioden oder es erfolgt zwar eine Zahlung, aber das Unternehmen erhält im Gegenzug keinen Sachwert / Dienstleistung (Beispiel Spenden).

2. Auszahlung = Ausgabe (Auszahlungsausgabe)

Das ist der einfachste Fall: Wir bezahlen eine Rechnung, die Lieferung erfolgte in der gleichen Abrechnungsperiode.

Merkmal: die erhaltene Leistung wird in derselben Periode bezahlt.

3. Ausgabe ohne Auszahlung (kalkulatorische Ausgabe)

Auch hier fallen Leistungs- und Zahlungszeitpunkt auseinander. Müssen wir z.B. eine Lieferung Kunstharz zur Herstellung von Schlüsselanhängern erst im nächsten Jahr bezahlen, so nehmen zwar unsere Verbindlichkeiten zu und damit unser Geldvermögen ab, ein Zahlungsfluss entsteht allerdings erst in der nächsten Periode.

Merkmal: Wir erhalten Leistungen, aber wir zahlen noch nicht.

Fazit

Ganz schön verwirrend, oder? Daher machen wir auch für heute Pause und Teil 2 mit der Erklärung der Begriffe Aufwand und Kosten folgt im nächsten Artikel 😉

Mehr Informationen

Alle bisher erschienenen Beiträge rund um das Thema findet ihr hier: Rechnungswesen.

Hier noch die anderen Teilen der Serie über die Grundbegriffe des Rechnungswesens:

Foto: Dmitry Melnikov / shutterstock.com

10 Kommentare

  1. Chris Wagner sagt

    Ich hätte eine Frage bzgl. zweier Buchungen:

    Gebäude/Grundstücke an Bank
    Mietaufwand an Verbindlichkeiten

    Wie würde hier die Bewertung der Stromgrößen Ihrer Meinung nach aussehen? Vielen Dank vorab!

      • Chris Wagner sagt

        Hallo Frau Lorenz,

        mich würde interessieren, welche Stromgrößen in Verbindung mit den beiden o.g. Buchungen stehen.

        1. Gebäude/Grundstücke an Bank
        2. Mietaufwand an Verbindlichkeiten

        Meine Vorschläge sind:

        zu 1.) „Wir kaufen ein Gebäude samt Grundstück via Banküberweisung“ = Auszahlung, Ausgabe

        zu 2.) „Wir bezahlen die Miete auf Ziel = Ausgabe, Aufwand

        Bin mir jedoch nicht sicher!

        Vielen Dank und Grüße,
        C. Wagner

      • Chris Wagner sagt

        Meine Antwort ist leider hier nicht zu lesen. Ich hoffe Sie haben diese trotzdem bekommen.
        VG,
        C. Wagner

      • Musste sie erst frei schalten & jetzt muss ich erstmal nachdenken 🙂
        Melde mich!

        Viele Grüße
        Heike Lorenz

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