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Lektionen aus der Selbstständigkeit: „Beschützen musst Du Dich selbst!“

Selbstständigkeit

Heide Liebmann hat eingeladen. Zu einer Blogparade mit dem Thema „Lektionen aus der Selbstständigkeit“. Sie fragt: Welche Stolpersteine haben sich dir in den Weg gestellt? Aus welchen Erfahrungen hast du am meisten gelernt? Was gibst du an andere weiter?

Da heute der letzte Tag der Blogparade ist, muss ich mich beeilen. Und richtig, heute Morgen, auf den letzten Drücker, fand mich mein Thema: „Beschützen musst Du Dich selbst!

Was ich damit sagen will?

Als Selbständiger muss man selbst auf sich Acht geben. Man ist selbst verantwortlich für sein Business und sein eigenes Wohlbefinden. In den 10 Jahren meiner Selbstständigkeit war dies eigentlich das Wichtigste, was ich gelernt habe. Ich muss auf mich selbst aufpassen, damit ich meinen Beruf auch in Zukunft noch gerne ausübe. Damit ich nicht in die Burnout-Falle tappe. Damit ich davon leben kann. Damit mein Traumjob weiterhin mein Traumjob bleibt.

Aber WOVOR muss ich mich eigentlich schützen? Ein paar Beispiele:

Doofe Kunden machen nicht glücklich

Da wird mir jeder zustimmen. Aber – kann man sich das immer so aussuchen? Gehört ein gewisses Maß an nervenden Kunden nicht einfach dazu? Der Kunde ist König, egal wie absurd seine Wünsche und Anforderungen sind?

Nein. Bei mir nicht.

Natürlich habe ich schon oft erlebt, dass ich mit dem einen oder anderen Kunden nicht so harmonierte. Dass die Zusammenarbeit unangenehm war. Das ich schon keine Lust hatte eine Mail zu lesen, wenn ich nur den Absender gesehen habe. Dass ich die Zähne zusammen gebissen habe, denn irgendwie müssen die Rechnungen ja bezahlt werden und das Leben an sich.

Aber: ich wusste immer, dass ich solche Kunden auf Dauer nicht haben möchte. Ich möchte gerne arbeiten. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die ich gerne in meiner Nähe habe.

Ich habe mich also hingesetzt und mir genau überlegt, was Wunschkunden für mich sind. Und auch was für Kunden nicht zu mir passen. Welche Kompromisse ich eingehen möchte und welche eben auch nicht. Ich habe nicht bei jeder Anfrage gleich JA gesagt. Ich habe mir genau überlegt, ob ich das Geld wirklich so dringend brauche, das ich auch für doofe Kunden arbeite, oder ob ich an meinen Fixkosten etwas optimieren kann, um mir die Freiheit zu erhalten auch NEIN sagen zu können.

Ergebnis: ich arbeite heute ausschließlich mit Wunschkunden zusammen und das teilweise schon seit Jahren!

Zu viel Arbeit macht nicht glücklich

Als Angestellter hat man meist ein geregeltes Urlaubskontingent und Resturlaub, der irgendwann genommen werden muss. Abends gehen irgendwann die Kollegen nach Hause und man geht mit. Vielleicht gibt es sogar einen Betriebsrat, der darauf achtet, dass man sich nicht überarbeitet. Und die Kantine im Haus sorgt dafür, dass man eine Mittagspause einlegt. Und wenn man das Büro verlässt, dann bleibt die Arbeit im Büro und man hat frei. Ich weiß natürlich, dass das nicht bei allen Angestellten so ist, aber für viele trifft das zu.

Bei Selbständigen ist das anders.

Wenn ich wollte, dann könnte ich 24/7 arbeiten. Immer, überall. Mein Kopf ist immer zumindest zu einem Teil mit meinem Job beschäftigt. Keiner fragt mich nach meiner Urlaubsplanung für das kommende Jahr. Und mit einem Home-Office kann habe ich das Büro immer in greifbarere Nähe. Da ist Abschalten sehr sehr schwierig.

Das habe ich eine Zeit lang so durchgehalten, aber gut getan hat es mir nicht.

Mein Ausweg: ich behandle mich beim Thema Arbeitszeit wie einen Angestellten. D.h. ich achte darauf, dass ich 30 Tage Urlaub im Jahr nehme. Das wird ganz ordentlich aufgeschrieben und eingeplant, denn es tut mir gut. Ich kontrolliere meine Arbeitszeiten. Jeden Tag notiere ich, wie viel ich gearbeitet habe. Aktuell liege ich leider immer noch 10 Wochenstunden über meiner Planung, aber zumindest weiß ich das und kann aktiv dagegen halten. Indem ich mir bewusst mache, wie viel ich arbeite, fällt es mir wesentlich leichter auch einmal STOPP zu sagen und den Computer auszuschalten. Ich brauche keinen Burnout, ich brauche mich in Bestform, damit mein Business läuft und dazu gehören einfach auch Pausen, um den Akku aufzutanken.

Zu wenig Geld macht nicht glücklich

Ich arbeite gerne. Ich interessiere und begeistere mich für die Inhalte meiner Arbeit. Ich helfe gerne, wenn mich jemand um Rat fragt. Und ich helfe auch einfach mal so, ohne Geld.

Aber: von irgendetwas muss ich leben. Mein Vermieter möchte keinen super Buchhaltungs-Tipp von mir sondern Geld. Regelmäßig.

Niemand würde von einem Händler erwarten, dass er dauernd seine Ware verschenkt. Aber bei Dienstleistern kommt oft dieses „Kannst Du mal eben…?“




Ja kann ich, aber ich lebe davon. Und wenn ich meinen Leistungen keinen Wert beimesse und sie dauernd zu billig oder gar kostenfrei verschleudere, dann kann ich irgendwann nicht mehr selbständig sein, weil mir dazu dann einfach das Geld fehlt. Was nichts kostet wird zudem oft nicht wertgeschätzt. So ist das.

Daher war es für mich ganz wichtig zu lernen, in Preisverhandlungen meine Leistung nicht unter Wert zu verkaufen. Hart zu bleiben, wenn zum x-ten Mal die Frage nach einem Rabatt kam. Mich selbst wert zu schätzen! Man kann über vieles reden, aber unter einer gewissen Grenze arbeite ich nicht. Punkt.

Fehlende Motivation macht nicht glücklich

Doofe Tage gibt es immer mal wieder. Bei jedem. Tage, an denen man sich zu nichts aufraffen kann. Wo im Kopf eine große Leere ist und sich partout kein sinnvoller Gedanke einstellen will. Oder es geht etwas schief und man weiß nicht, wie man damit umgehen soll. Die Hürden erscheinen so groß, dass man nicht weiß wie es weiter geht. Von Krankheit will ich gar nicht erst anfangen.

Als Einzelunternehmer hat man an diesen Tagen keine Kollegen, die einen wieder aufmuntern. Oder einen Chef, der einem einfach sagt, was zu tun ist. Man hat niemanden, der mit drin steckt, mit dem man sich verbünden könnte. Niemand, der einen mitzieht. Niemand, der einfach mal übernimmt, bis es einem wieder besser geht.

Wen fragt man also? Wer hilft einem aus diesem Loch heraus? Woher die Motivation zum Weitermachen nehmen?

Ich habe mehrere Sicherheitsnetze, die mich vor dem Absturz ins Motivationsloch schützen:

Menschen

Zum einen helfen natürlich Familie & Freunde. Klar, die braucht man für die Seele, um sich einfach mal hängen zu lassen und nicht dauernd Stärke zeigen zu müssen.

Zum anderen ist aber auch ein berufliches Netzwerk aus „Kollegen“ oder Mitstreitern ganz wichtig. Menschen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen, wie man selbst. Die verstehen, wie es als Einzelunternehmer ist. Die sich mit den beruflichen Themen, um die es gerade geht, auskennen und bei denen man sich Tipps holen kann. Die gerne ihr Wissen und ihre Erfahrung teilen, ohne Konkurrenzängste oder ähnliches.

Persönlichkeit

Jeder Unternehmer sollte sich von vorneherein fragen, ob er genug Eigenmotivation entwickeln kann, um solche Situationen aus sich heraus zu meistern. Ob er echten Unternehmergeist in sich trägt.

Ich kann mittlerweile für mich sagen: Ja, ich finde immer einen Weg. Ich lasse mich nicht hängen. Ich habe genug Energie mein Business immer weiter voran zu treiben. Ich bin einfach so.

Listen

Ich habe eine Liste von kleinen Aufgaben, die ich immer dann heraus ziehe, wenn mir nicht so richtig etwas Großes einfällt. Einfache Fleißarbeiten, die zumindest in die richtige Richtung führen, aber wenig Hirn erfordern. Diese kleinen Sachen erledige ich dann an den doofen Tagen, so dass diese nicht komplett verschenkt sind. Und am Abend habe ich nicht mehr ein ganz so schlechtes Gewissen, wenn ich die Welt schon wieder nicht gerettet habe, denn ich habe zumindest etwas Zielführendes erledigt!

Angst macht nicht glücklich

Selbstständigkeit ist aufregend. Leider manchmal auch wenn es um die Finanzen angeht. Wenn irgendwie keine Aufträge in Sicht sind. Wenn ein großer Kunde auf einmal alles alleine umsetzt. Man kann auch oft nicht so richtig planen, wie die Auftragslage langfristig sein wird. Da schwanken die Umsätze schon mal um 5-stellige Beträge von einem Jahr aufs andere. Ein gewisses Maß an (finanzieller) Ungewissheit bleibt immer. DAS ist sehr aufregend.

Wie geht man damit um?

Meine Lösung: ich habe mir genug Geld auf die hohe Kante gelegt, um auch eine längere Zeit ohne Aufträge überleben zu können. Natürlich musste ich dafür an der einen oder anderen Stelle sparsam leben, aber das war es mir wert. Ich möchte nicht bei jedem beendeten Projekt gleich um meine Existenz bangen. Ich möchte nicht gezwungen sein Aufträge anzunehmen, die nicht zu mir passen, bloß weil gerade nichts Besseres in Sicht ist (s.o.). Ein finanzielles Polster ist für mich ganz wichtig, damit ich nicht in Panik gerate, wenn es mal nicht so toll läuft.

Das waren sie, meine Erfahrungen und Tipps aus 10 Jahren Selbstständigkeit.
Mein Fazit:

Selbständige, passt auf euch auf, denn sonst tut es keiner! Klick um zu Tweeten

Foto: ronfromyork / shutterstock

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5 Kommentare

  1. Pingback: Die besten Tipps an frische Freie - My Expat Days

  2. Sabine Winter sagt

    Klasse Beitrag! Positiv, zuversichtlich und selbstbewusst geschrieben. Fällt direkt in die Kategorie „mit Menschen in Verbindung bleiben, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen und verstehen, was einem bei der ganzen Selbständigkeit so auf der Seele liegt“. Und ich hab mich sehr verstanden gefühlt. Und auch etwas gelernt. Danke! 🙂

    • Oh – da freue ich mich aber total über dieses Lob!
      Das ist total schön, wenn eigene Texte bei anderen Menschen etwas bewegen…

      Danke & Gruß
      Heike

  3. Und genau heute veröffentlichst du einen Artikel, der mich irgendwie berührt. Ich bin nicht selbstständig, aber meine Eltern sind es. Und in dieser Selbstständigkeit bin ich aufgewachsen, mit allen Vorteilen, mit allen Nachteilen. Ich kann viele dieser Punkte bestätigen. Sie gelten aber eigentlich fast genauso auch für Angestellte. Die Angestellten haben jedoch zumindest die Sicherheit auf ihrer Seite.

    • Hallo Marco,
      Danke für dein Lob – ich habe mich total gefreut 🙂
      Du hast natürlich Recht, dass vieles auch für Angestellte gilt. Letztlich sollte jeder achtsam mit sich umgehen!

      Schönen 1. Advent & Gruß
      Heike

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