Finanzen & Buchhaltung
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Anlagevermögen buchen: Kauf, Abschreibung & Verkauf richtig verbuchen

Anlagevermögen buchen

Anlagevermögen buchen heißt: Du erfasst Kauf, Abschreibung und Verkauf von Wirtschaftsgütern korrekt in deiner Buchhaltung – vom günstigen Bürostuhl bis zur teuren Maschine. Welcher Buchungssatz greift, hängt vom Wert des Wirtschaftsguts ab: Für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) gelten andere Regeln als für teurere Anlagegüter, die über mehrere Jahre abgeschrieben werden.

Die Grundlagen der Buchhaltung, die grundlegenden Buchungssätze sowie Buchungen mit Umsatzsteuer und Vorsteuer setzen wir hier voraus. Im Folgenden zeigen wir dir anhand konkreter Beispiele, wie du Kauf, Abschreibung und Verkauf von Anlagevermögen sauber buchst.

Wir erinnern uns:

Die Bilanz enthält links das Vermögen des Unternehmens und rechts das Kapital. Das Vermögen setzt sich dabei zusammen aus Anlage- und Umlaufvermögen, das Kapital aus Eigen- und Fremdkapital.

Oder, wie es unter Buchhaltern oft heißt: Links steht, was Du hast – rechts, wer es bezahlt hat.

und:

Erhöht sich das Konto, dann steht es im Buchungssatz auf der Seite, auf der das Konto in der Bilanz steht. Vermindert sich das Konto hingegen, so steht das im Buchungssatz auf der gegenüberliegenden Seite, auf der es sich in der Bilanz befindet.

Kauf von Wirtschaftsgütern buchen

Der Kauf von Wirtschaftsgütern ist Alltag im Unternehmerleben. Ob es sich um einen neuen Drucker oder eine Riesen-Maschine handelt, gekauft werden Wirtschaftsgüter eigentlich in jedem Unternehmen. Sie stellen dann einen Teil des Anlagevermögens einer Firma dar.

Je nach Wert und Lebensdauer des Wirtschaftsgutes muss der Kaufvorgang unterschiedlich gebucht werden.

Kauf von Anlagevermögen buchen

Mit Anlage ist hier nicht unbedingt eine Chemie-Anlage gemeint, sondern ganz allgemein der Kauf eines teuren, langlebigen Wirtschaftsgutes. Das kann auch durchaus der teure Schreibtischstuhl, die neue Server-Anlage oder aber der neue Firmenwagen sein.

Bei direkter Bezahlung kommt es zu einem Aktiv-Aktiv-Tausch, finanziert man das Ganze, dann handelt es sich um eine Aktiv-Passiv-Mehrung. In jedem Fall erhöht sich in der Bilanz das Anlagevermögen und Vorsteuer fällt natürlich auch an (das Thema hatten wir ja schon).

Und für alle die, denen das zu theoretisch ist, im Folgenden der Buchungsvorgang anhand von mehreren Beispielen:

Beispiel Aktiv-Aktiv-Tausch

Du kaufst eine Maschine im Wert von 6.545 EUR brutto und bezahlst die Rechnung in bar.

  • Maschinen (Anlagevermögen), Vorsteuer (Forderungen) und Kasse stehen alle auf der linken Seite der Bilanz.
  • Die Werte der Konten „Maschinen“ und „Vorsteuer“ erhöhen sich.
  • Der Kassenbestand vermindert sich.
  • Also: der Nettobetrag i.H.v. 5.500 EUR wird bei Maschinen links (+ im SOLL) eingetragen, der Vorsteuerbetrag i.H.v. 1.045 EUR auf dem Forderungskonto ggü. dem Finanzamt ebenfalls (+ im SOLL) und der Bruttobetrag i.H.v. 6.545 EUR wird in der Kasse rechts (- im HABEN) eingetragen.

Buchungssatz:

Maschinen 5.500 EUR (+SOLL) an Kasse 6.545 EUR (-HABEN)
VSt.19% 1.045 EUR (+SOLL)
Anlagevermögen buchen: Barkauf einer Maschine

Anlagevermögen buchen: Barkauf einer Maschine

Beispiel Aktiv-Passiv-Mehrung

Du kaufst ein Auto im Wert von 35.700 EUR brutto auf Rechnung.

  • Fuhrpark (Anlagevermögen) und Vorsteuer (Forderungen) stehen auf der linken Seite der Bilanz.
  • Die Verbindlichkeitskonten stehen auf der rechten Seite der Bilanz.
  • Die Werte der Konten „Fuhrpark“ und „Vorsteuer“ erhöhen sich, der Wert des Kontos „Verbindlichkeiten aus Lieferungen & Leistungen“ (Verb. a. LuL) ebenfalls.
  • Also: der Nettobetrag i.H.v. 30.000 EUR wird bei Fuhrpark links (+ im SOLL) eingetragen, der Vorsteuerbetrag i.H.v. 5.700 EUR auf dem Forderungskonto ggü. dem Finanzamt ebenfalls (+ im SOLL) und der Bruttobetrag i.H.v. 35.700 EUR wird bei Verbindlichkeiten aus Lieferungen & Leistungen rechts (+ im HABEN) eingetragen.

Buchungssatz:

Fuhrpark 30.000 EUR (+SOLL) an Verb. a. LuL 35.700 EUR (+HABEN)
VSt.19% 5.700 EUR (+SOLL)
Anlagevermögen buchen: Fahrzeug-Kauf auf Rechnung

Anlagevermögen buchen: Fahrzeug-Kauf auf Rechnung

Kauf eines geringwertigen Wirtschaftsgutes buchen

Bei geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) hast Du mehrere Optionen, wie Du sie buchst. Entscheidend ist der Nettowert:

  • Bis 250 EUR netto: Sofortabschreibung als Betriebsausgabe, ohne Aufzeichnungspflicht im Anlageverzeichnis.
  • Zwischen 250,01 EUR und 800 EUR: Du kannst das Wirtschaftsgut direkt im Anschaffungsjahr voll abschreiben.
  • Zwischen 250,01 EUR und 1.000 EUR: Alternativ bildest Du einen Sammelposten und schreibst über 5 Jahre gleichmäßig ab. Wichtig: Entscheidest Du Dich für den Sammelposten, musst Du alle Wirtschaftsgüter dieses Wertbereichs im selben Jahr einheitlich hineinnehmen.
  • Du kannst solche Wirtschaftsgüter auch regulär über die Nutzungsdauer nach AfA-Tabelle abschreiben – in der Praxis aber selten sinnvoll, da die anderen Varianten schneller Liquidität bringen.

Ehe wir jedoch zu tief in das Thema GWG einsteigen, hier ein paar Beispiele, wie man diese zu buchen hat:

Beispiel GWG < 250 EUR

Du kaufst einen neuen Multifunktions-Drucker im Wert von 145 EUR netto und bezahlst die Rechnung in bar.

  • Da die Anschaffungskosten unter 250 EUR netto liegen, kannst Du das Ganze direkt als Aufwand buchen.
  • Insgesamt habe ich nun Kassenausgaben i.H.v. 172,55 EUR, mein Aufwand für allgemeinen Betriebsbedarf (Drucker) beträgt 145 EUR und die anfallende 19% Vorsteuer beläuft sich auf 27,55 EUR.
  • Die Kasse und die Vorsteuer stehen auf der linken Seite der Bilanz, die Aufwandskonten als Teil der GuV auf der rechten Seite.
  • Also: der Betrag wird bei der Kasse rechts (- im HABEN) eingetragen, bei der Vorsteuer und dem Aufwand für allgemeinen Betriebsbedarf links (im SOLL).

Buchungssatz:

Allg. Betriebsbedarf 145 EUR (-SOLL) an Kasse 172,55 EUR (-HABEN)
VSt.19% 27,55 EUR (+SOLL)
Barkauf GWG < 150 EUR

Barkauf GWG < 250 EUR

Beispiel 250,00 EUR < GWG < 800 EUR

Du kaufst eine Kaffeemaschine für 375 EUR netto auf Rechnung.

  • Da die Anschaffungskosten über 250 EUR und unter 800 EUR netto liegen, musst Du die Kaffeemaschine in das Anlagevermögen übernehmen.
  • Du entscheidest Dich für die direkte Abschreibung im Anschaffungsjahr statt für den Sammelposten, weil das übersichtlicher ist.
  • Insgesamt habe ich Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Verb. a. LuL) i.H.v. 375 EUR für die Kaffeemaschine zzgl. 19% Vorsteuer i.H.v. 71,25 EUR (VSt. 19 %), d.h. insgesamt 446,25 EUR.
  • Die Verbindlichkeitskonten stehen auf der rechten Seite der Bilanz, GWGs (Anlagevermögen) und die Vorsteuer als eine Forderung ggü. dem Finanzamt stehen auf der linken Seite der Bilanz.
  • Alle Konten erhöhen sich.
  • Also: der Betrag wird bei den Verb. a. LuL rechts (+ im HABEN) eintragen und bei GWG und Vorsteuer links (+ im SOLL).

Buchungssatz:

GWG 375 EUR (+SOLL) an Verb. a. LuL 446,25 EUR (+HABEN)
VSt.19% 71,25 EUR (+SOLL)
GWG-Kauf auf Rechnung

GWG-Kauf auf Rechnung

Abschreibungen buchen

Tja, und alles, was man so übers ja angeschafft und aktiviert hat (d.h. ins Anlagevermögen gebucht hat), muss man am Ende auch wieder abschreiben. Abschreibungen sind zahlungsunwirksame Aufwendungen, die den Unternehmensgewinn senken. Dafür gibt es tolle AfA-Tabellen (AfA = Absetzungen für Abnutzung), die festlegen, wie lange man was nutzen und damit auch abschreiben muss.

Wer sich mit dem Thema Abschreibung nicht so gut auskennt guckt hier: Abschreibung, die Basics

Abschreibungen auf Anlagen buchen

Ganz grob gesagt gibt es planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen. Wie man das dann verbucht kommt jetzt:

Beispiel planmäßige Abschreibung

Das gekaufte Auto muss über 6 Jahre abgeschrieben werden

  • Zur Vereinfachung nehmen wir an, dass das Auto am 1.1. gekauft wurde. Heißt: Du schreibst jedes Jahr ein Sechstel des Netto-Kaufpreises ab (die Vorsteuer bekommst Du ja direkt vom Finanzamt zurück). Hier also: 30.000 EUR / 6 = 5.000 EUR pro Jahr.
  • Fuhrpark (Anlagevermögen) stehen auf der linken Seite der Bilanz, Abschreibungen auf Sachanlagen bleiben in der GuV (und stehen dort natürlich auf der linken Seite da sie Aufwand sind).
  • Die Abschreibungen erhöhen sich, der Wert des Fuhrparks wird vermindert.
  • Also: der Betrag wird bei Abschreibungen links (- im SOLL) eintragen und beim Fuhrpark rechts (- im HABEN).

Buchungssatz:

Abschreibungen auf Sachanlagen 5.000 EUR (-SOLL) an Fuhrpark 5.000 EUR (-HABEN)
Fahrzeug abschreiben

Fahrzeug abschreiben

Beispiel außerplanmäßige Abschreibung

Das Auto wird im vierten Jahr an Silvester zu Schrott gefahren

  • Da das Fahrzeug jetzt nichts mehr wert ist, wird es zum Ende des vierten Jahres komplett abgeschrieben.
  • Insgesamt ergibt sich: normale Jahresabschreibung 5.000 EUR zzgl. Abschreibung des Restwerts i.H.v. 2 x 5.000 EUR = 15.000 EUR
  • Gut zu wissen: Ob planmäßige oder außerplanmäßige Abschreibung – die Buchung läuft identisch.

Buchungssatz:

Abschreibungen auf Sachanlagen 15.000 EUR (-SOLL) an Fuhrpark 15.000 EUR (-HABEN)

Ein Bildchen gibt es dafür nicht, OK?

Abschreibungen auf geringwertige Wirtschaftsgüter buchen

Auch die geringwertigen Wirtschaftsgüter werden wie normale Sachanlagen abgeschrieben, nur das das Konto im Kontenrahmen eine andere Nummer hat.

Buchungssatz:

Abschreibungen auf GWG X EUR (-SOLL) an GWG X EUR (-HABEN)

Bildchen braucht ihr dafür auch nicht, oder?

Verkauf von Anlagevermögen buchen

Hier noch ein Sonderfall: das Unternehmen verkauft die angeschafften Anlagegüter vor Ablauf der Abschreibungsdauer. Wenn ich Glück habe erziele ich einen Gewinn, wenn ich Pech habe nicht oder mache sogar noch einen Verlust.

Den ganzen Vorgang unterteilt man am Besten in 3 Schritte:

  1. Nach der letzten Abschreibung den Rest- bzw. Buchwert ermitteln und dann gucken, ob es sich um einen Verkauf mit Gewinn oder Verlust handelt.
  2. Den Abgang des Wirtschaftsguts erfassen.
  3. Den Verkaufserlös erfassen.

Auch hier ein Beispiel, damit ihr euch das besser vorstellen könnt:

Beispiel Verkauf mit Gewinn

Du verkaufst das Auto vor Ablauf der Abschreibungsdauer über dem aktuellen Buchwert, der Käufer erhält eine Rechnung

  • Der Wagen ist am Ende des dritten Jahres lt. Buchhaltung nur noch 15.000 EUR wert. Verkaufst Du ihn zu diesem Zeitpunkt für 20.000 EUR, erzielst Du einen Ertrag i.H.v. 5.000 EUR.
  • Dein Bankguthaben steigt um 20.000 EUR durch „Erlöse aus Verkäufen von Sachanlagevermögen“ (Erlöse aus AV) zzgl. 19% Umsatzsteuer, d.h. insgesamt um 23.800 EUR.
  • Die Erlöse aus AV setzen sich dabei zusammen aus dem Buchwert des Fahrzeugs (15.000 EUR) und sonstigen Erträgen aus dem Verkauf von Anlagevermögen.
  • Aber wo sind diese ganzen Konten in der Bilanz zu finden?
    • Links: Fuhrpark (- im HABEN)
    • Links: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (+ im SOLL)
    • Rechts: Umsatzsteuer (Verbindlichkeiten ggü. dem Finanzamt) (+ im HABEN)
    • GuV (auch rechts in der Bilanz): alle Erlös- bzw. Ertragskonten (+ im HABEN) und alle Aufwandskonten (dazu zählen auch Anlagenabgänge & Abschreibungen) (- im SOLL)

Am 31.12. des dritten Jahres buchen wir also Folgendes:

Erstmal die Jahresabschreibung buchen:

Abschreibungen 5.000 EUR (-SOLL) an Fuhrpark 5.000 EUR (-HABEN)

⇒ Der Restwert des Fahrzeugs beträgt jetzt also 30.000 EUR – 3×5.000 EUR = 15.000 EUR

Dann den Abgang aus dem Anlagevermögen buchen:

Anlagenabgänge 15.000 EUR (-SOLL) an Fuhrpark 15.000 EUR (-HABEN)

⇒ Der Saldo der GuV sinkt um 15.000 EUR

Danach buchen wir den Verkauf des Wagens:

Ford. a. LuL 23.800 EUR (+SOLL) an Erlöse aus Verkäufen AV 20.000 EUR (+HABEN)
USt. 19% 3.800 EUR (+HABEN)

⇒ Der Saldo der GuV steigt um 20.000 EUR

Insgesamt ist der Saldo der GuV durch den Verkauf also um 5.000 EUR gestiegen – ein Gewinn.

Verkauf von Sachanlagen

Verkauf von Sachanlagen

Bei Verkäufen unter Buchwert heißen die Konten im Übrigen genauso, sie haben in den Standardkontenrahmen nur andere Nummern. Die Konten tragen dann auch den Zusatz „bei Buchgewinn“ bzw. „bei Buchverlust“, damit man die einzelnen Vorgänge besser auseinander halten kann.

Vom Anlagevermögen zum laufenden Geschäft

Kauf, Abschreibung und Verkauf von Anlagevermögen sind Buchungsfälle, die in jedem Unternehmen regelmäßig vorkommen – wer die Systematik einmal verstanden hat, wendet sie bei jedem neuen Wirtschaftsgut gleich an.

Der nächste logische Schritt: die laufenden Warenbewegungen. Wie Du Wareneinkauf und Warenverkauf buchst, erfährst Du im Anschlussartikel.

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