Existenzgründung
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Erfolgreich durchstarten mit dem eigenen Friseursalon – aber wie?

Friseursalon, Gründung

Den Wunsch, einen eigenen Friseursalon zu eröffnen, hegen sicherlich die meisten Friseurinnen und Friseure irgendwann einmal in ihrem Berufsleben. Doch nur wenige setzen diesen Wunsch auch erfolgreich in die Tat um und schaffen es, sich mit einem eigenen Salon nachhaltig am Markt zu etablieren.

Kein Wunder, denn der Weg in die Selbständigkeit ist oftmals recht steinig. Ist man aber bereit, ihn zu gehen und bis zum Ende durchzuhalten, kann sich die Mühe doppelt und dreifach auszahlen.

Der folgende Artikel soll vor diesem Hintergrund eine Orientierungshilfe sein für alle diejenigen,

  • die mit dem Gedanken spielen, einen eigenen Friseursalon zu eröffnen oder
  • die ihren bereits bestehenden Salon konzeptionell verändern möchten und dabei neue Ideen und Entscheidungshilfen benötigen.

Wollen Sie das auch wirklich?

Die Frage nach dem eigenen Willen sollte bei großen, finanziell entscheidenden Überlegungen immer an erster Stelle stehen. Eine Salongründung oder Neuausrichtung schüttelt man nicht einfach mal eben so aus dem Ärmel. Sie brauchen in erster Linie viel Durchhaltevermögen, eine gute Planung und einen überzeugenden Businessplan.

Wenn Sie dieses Vorhaben also nicht von ganzem Herzen wollen, lohnt sich der Aufwand wahrscheinlich nicht. Es geht schließlich um Ihr großes Projekt – und das sollte absolut einzigartig sein!

Auch sollten Sie sich fragen, ob die Selbständigkeit an sich etwas für Sie ist, ob Sie „der Typ dafür sind“, wie man so schön sagt. Um das herauszufinden und weitere Aspekte zu durchleuchten, die mit der Gründung zusammenhängen, lohnt es sich in jedem Fall, gezielte Gründungsberatungsangebote in Anspruch zu nehmen, wie sie etwa von den Handwerks-, Industrie- oder Handelskammern angeboten werden.

Kennen Sie Ihre Konkurrenz?

Wenn nicht, dann lernen Sie diese bitte kennen! Analysieren Sie den Markt und beantworten Sie für sich folgende Fragen:

  • Wie sieht der Markt der Friseurbranche aus in Ihrer Stadt, Ihrer Region?
  • Wie viele Friseursalons gibt es dort und welche Schwerpunkte haben diese?
  • Wie ist die Infrastruktur vor Ort?
  • Welche Zielgruppe möchten und können Sie erreichen?
  • Wo ist Ihre Nische – was können Sie, was andere nicht können?

Sie merken schon, bei diesen Fragen läuft alles darauf hinaus, dass Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal, Ihre klare Linie, Ihren USP herausarbeiten sollen. Dazu kommen wir später noch einmal ausführlich.

Doch Ihre Marktanalyse muss natürlich am Anfang stehen. Nur so können Sie eruieren, ob es sich überhaupt lohnt, einen eigenen Salon zu eröffnen und mit welcher Ausrichtung, mit welchem Konzept der Erfolg garantiert ist.

Dasselbe gilt natürlich auch bei einer Neuausrichtung eines bereits bestehenden Salons. Auch hier müssen Sie wissen, was Ihre Konkurrenz anbietet und in welche Richtung Ihr verändertes Salonkonzept gehen sollte.

Genehmigungen – was brauchen Sie und wen müssen Sie fragen?

Haben Sie diese grundlegenden Fragen geklärt, geht es erst richtig los. In Deutschland gibt es scheinbar unzählige Voraussetzungen, die ein Friseursalon erfüllen muss. Baurechtliche Vorgaben müssen eingehalten, diverse weitere Genehmigungen bei verschiedenen Ämtern eingeholt werden (Tipp: eine Checkliste mit Dos und Don’ts gibt es hier).

Auf der absolut sicheren Seite sind Sie daher, wenn Sie eine umfassende Rechtsberatung in Anspruch nehmen. Doch auch wir wollen hier ein paar Worte zu diesem Thema verlieren, um Ihnen einen ersten Überblick zu verschaffen und ein paar Anlaufstellen zu nennen:

  1. Los geht´s mit Ihrer zuständigen Handwerkskammer. Sie ist Ihre wahrscheinlich wichtigste Anlaufstelle. Dort müssen Sie Ihre berufliche Qualifikation nachweisen, ohne die Sie sich gar nicht selbständig machen dürfen. Außerdem müssen Sie sich bei der Handwerkskammer in die sog. Handwerksrolle eintragen lassen.

Exkurs: An dieser Stelle kurz ein Wort zum Meisterbrief

Das Friseurhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Handwerken und das bedeutet für Sie: Sie brauchen einen Meisterabschluss, wenn Sie einen eigenen Salon eröffnen wollen. So lautet die Regel.

Da Ausnahmen bekannterweise die Regel bestätigen, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen auch einen Salon eröffnen, ohne dass Sie selbst einen Meisterbrief haben. Wie das geht?

  • Entweder: Sie stellen einen Betriebsleiter für Ihren Salon ein, der einen Meisterbrief hat.
  • Oder: Sie holen sich bei Ihrer Handwerkskammer eine Ausübungsberechtigung oder Ausnahmebewilligung Aber Achtung: Beides bekommen Sie nur unter besonderen Voraussetzungen! Auch sind Ausnahmebewilligungen meist mit recht hohen zusätzlichen Kosten verbunden und schränken Sie in der Ausübung Ihrer Tätigkeit deutlich ein.

Merke: Den Meisterzwang zu umgehen, ist also weder einfach noch besonders kostengünstig.  

  1. Auch der Gang zum Gewerbeamt ist unerlässlich. Dort melden Sie Ihr Gewerbe an und machen die Eröffnung Ihres Friseursalons offiziell.
  2. Weiterhin wichtig für Sie ist das Finanzamt. (Dieses erhält in der Regel automatisch mit Gewerbeanmeldung Mitteilung, dass Sie sich selbständig machen wollen und setzt sich mit Ihnen in Verbindung, um steuerliche Aspekte zu klären.) Dort müssen Sie eine Steuernummer beantragen.
  3. Die Berufsgenossenschaft (der Friseure) ist schließlich der Träger für Ihre gesetzliche (Unfall-)Versicherung.
  4. Und nicht zu vergessen die Bauaufsichtsbehörde bei allen baulichen Veränderungen sowie
  5. das Ordnungsamt, wenn die Räumlichkeiten Ihres Salons bspw. vorher nicht geschäftlich genutzt worden sind.
  6. Ebenfalls müssen Sie sich fragen, welche privaten Versicherer Sie in Anspruch nehmen wollen/sollten, ob Sie einen Antrag für Außenwerbung stellen müssen o.ä.

Sie sehen, die Liste ist umfangreich und erhebt an dieser Stelle nicht einmal Anspruch auf Vollständigkeit. Je nachdem, was genau Sie planen, wie Sie Ihre Räumlichkeiten im Endeffekt nutzen möchten und welche Besonderheiten bei Ihrem Konzept eine Rolle spielen, kommen weitere Anträge und Anlaufstellen hinzu.

Doch keine Sorge: Bei vielen Fragen hilft Ihnen die Rechtsberatung Ihrer Handwerkskammer sicher weiter (diese sollten Sie immer auf jeden Fall als erstes aufsuchen).

Und auch wichtige Partner wie Einrichter oder Werbeagenturen – also ausführende Dienstleistungsunternehmen, die Sie eventuell beauftragen werden – wissen zumindest in ihrer jeweiligen Branche Bescheid und können Ihnen bei so manch rechtlicher Frage zur Seite stehen.

Wo ist Ihre Nische?

Haben Sie alle rechtlichen Fragen unter Dach und Fach gebracht, kommt der Teil, der Spaß macht. Nun können Sie planen, gestalten, einrichten und Ihr Corporate Design entwickeln. Lassen Sie Ihrer Kreativität ruhig freien Lauf. Nur eines sollten Sie immer beachten, nämlich dass Sie eine klare Linie verfolgen – ein Gesamtkonzept.

An dieser Stelle kommen wir wieder zum Aspekt der Marktanalyse. Es nützt Ihnen nichts, einen Friseursalon zu betreiben, den es zwei Straßen weiter schon gibt: mit demselben Angebot, derselben Zielgruppe, demselben Einrichtungsstil. Verwandeln Sie Ihren (neuen oder bereits bestehenden) Friseursalon in eine einzigartige Wohlfühloase für Ihre Kundinnen und Kunden mit Ihrem ganz persönlichen Alleinstellungsmerkmal!

Wie das funktioniert?

Außergewöhnlicher Einrichtungsstil

Friseursalon08/15-Salons gibt es wie Sand am Meer. Das muss nichts Schlechtes sein. Aber besonders originell ist es auch nicht. Wenn Sie also ein besonderes Konzept verfolgen, sprechen Sie ganz gezielt eine bestimmte Zielgruppe an und heben sich von Ihrer Konkurrenz ab.

Sie könnten Ihren kompletten Salon bspw. mit Holz auskleiden. Möbel aus Holz, Holzdekorationen, Holzfußböden und -decken – all das versprüht einen wohnlichen, ursprünglichen und natürlichen Charme. Dazu passend könnten Sie über Lautsprecher dezente Lounge-Musik oder Naturgeräusche abspielen und auch Ihr Angebot dementsprechend ausrichten und auf Bio-Produkte und „Fairtrade“ achten.

Außergewöhnliches Gesamtkonzept

Sie können dieses Vorgehen noch weitertreiben und Ihren Salon komplett verwandeln, sowohl was die Einrichtung als auch die angebotenen Dienstleistungen anbelangt. Seit einigen Jahren gibt es – gerade in größeren Städten – mehr und mehr Barbershops. Dies wäre ein Beispiel für ein besonderes Gesamtkonzept.

Barbershops (oder ähnliche Konzepte) grenzen sich klar gegenüber „normalen“ Friseursalons ab. Andere Einrichtungselemente, anderes Angebot, anderer Service etc. Die Zielgruppe wird klar eingegrenzt und definiert, die Philosophie hinter dem Konzept wird „gelebt“.

Außergewöhnlicher Service

Wenn Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal nicht über Ihre Einrichtung bzw. Ausrichtung des Salons realisieren möchten, haben Sie immer noch die Möglichkeit, Ihren Service einzigartig zu gestalten. Bieten Sie Ihren Kundinnen und Kunden bspw. die Möglichkeit, online ein Kundenkonto zu erstellen, über das dann alles Weitere abgewickelt wird: Terminvergabe, Bezahlung, Produktnachbestellungen etc. Das spricht vor allem junge und beruflich sehr eingespannte Personen an, die alles möglichst schnell und einfach online erledigen wollen.

Oder lassen Sie Ihren Salon an einem Tag im Monat bis 22 Uhr geöffnet, um die Randöffnungszeiten flexibler zu gestalten und Berufstätigen entgegenzukommen.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, Ihren Friseursalon komplett barrierefrei einzurichten. Auch das kann ein klarer – und zukunftsorientierter – Wettbewerbsvorteil sein.

Außergewöhnliche Aktionen und Events

Wenn es Ihre Räumlichkeiten hergeben und Sie Spaß am Organisieren haben, veranstalten Sie doch einfach in regelmäßigen Abständen Events in Ihrem Salon und/oder bieten besondere Aktionen an. Konzerte, Lesungen, Tage der offenen Tür, Rabattaktionen auf Partnerbehandlungen – Ihnen fällt da sicher etwas ein.

Wichtig dabei ist allerdings, dass Sie nicht vergessen, dieses aus Marketinggesichtspunkten zu betrachten. Das Ziel ist es, Ihren Salon bekannter zu machen, auch wenn der Weg vielleicht ungewöhnlich ist.

So bitte nicht:

Über den Preis

Wenn nichts anderes mehr hilft, kann man immer noch billiger sein als die Konkurrenz. Doch bitte springen Sie nicht auf diesen Zug auf. Dumpingpreise helfen zwar kurzfristig, doch sie garantieren Ihnen keinen Langzeiterfolg. Ihre Angestellten werden nicht angemessen entlohnt, von Ihnen selbst ganz zu schweigen. Außerdem können Dumpingpreise eine komplette Branche zerstören und das ist kein guter Weg.

Haben Sie die Kosten im Griff?

Egal ob Sie einen neuen Friseursalon eröffnen wollen oder Ihren bereits existierenden Salon umgestalten möchten, es kommen in jedem Fall hohe Kosten auf Sie zu. Wie hoch genau diese werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Gründungskosten

Bei der Gründung und Eröffnung Ihres Salons können Kosten anfallen für:

  • diverse Genehmigungen und Anträge (ja, auch öffentliche Ämter erheben Bearbeitungs- und Servicegebühren!),
  • unterschiedliche Installationsarbeiten (z.B. Sicherstellung der Strom- und Wasserversorgung),
  • Renovierungs- und Umbauarbeiten,
  • Arbeitsinventar und Einrichtungselemente,
  • ein stimmiges Beleuchtungssystem (ja, es lohnt sich absolut, den Friseursalon richtig auszuleuchten und in ein passendes Beleuchtungskonzept zu investieren. Denn Sie müssen bedenken, dass Ihr Salon in verschiedene Bereiche unterteilt ist, die alle ein anderes Licht benötigen. Der Wartebereich verlangt bspw. ein stimmungsvolles Licht, während der Empfangstresen und die Warenpräsentationsflächen intensiveres, helleres Licht benötigen),
  • externe Dienstleister, Innenausstatter, Handwerker etc.

Laufende Kosten

Weiterhin fallen laufende (monatliche) Kosten an für:

  • Miete,
  • Nebenkosten,
  • den Beitrag für die Mitgliedschaft in der Handwerkskammer,
  • den Beitrag für die Berufsgenossenschaft sowie etwaige private Versicherungen (Betriebshaftpflicht, Firmenrechtsschutz etc.),
  • die Gebühren eines Geschäftskontos,
  • Ihre eigene private Kranken-, Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung,
  • das Honorar für Ihre Angestellten,
  • das Beauftragen externer Dienstleister,
  • Werbung und Marketing.

Ähnlich wie beim Thema „Genehmigungen“ sieht auch die Aufstellung der Kosten erst einmal abschreckend aus. Doch auch hier gilt: Keine Sorge! Ihre zuständige Handwerkskammer kann Sie beraten und Ihnen dabei helfen, Ihre monatlichen Kosten durchzurechnen. Auch können Sie sich bei einigen Punkten vielleicht selbst helfen und einiges in Eigenregie umsetzen, sodass Sie Kosten einsparen können.

Wie und wo sollten Sie Werbung machen?

Was viele Existenzgründer/-innen vergessen in ihre Kostenaufstellung miteinzubeziehen, ist das Budget für gute Werbung. Doch diese ist enorm wichtig. Auch der schönste Friseursalon nützt Ihnen nichts, wenn Ihre potentiellen Kundinnen und Kunden nicht wissen, dass es ihn gibt.

Wichtig beim Thema Werbung und Marketing ist vor allem, nicht einfach irgendetwas zu machen, sondern gezielte Strategien vor dem Hintergrund folgender Fragen zu entwickeln:

  • Wer ist Ihre Zielgruppe – also wen wollen Sie überhaupt ansprechen?
  • Wo finden Sie Ihre Zielgruppe – also welche Kanäle müssen bespielt werden?
  • Wie kommunizieren Sie Ihren USP am besten – also welches Wording sollten Sie benutzen, mit welchen Bildern sollten Sie arbeiten?

Fragen wie diese sollten Sie aus dem „Effeff“ beantworten können. Denn nur mit einer gezielten Marketingstrategie erreichen Sie Ihr Ziel.

Als Beispiel: Was nützen Ihnen die tollsten Flyer oder eine schicke Anzeige in einer Tageszeitung, wenn sich Ihre Zielgruppe viel mehr für YouTube-Videos und Facebook-Postings interessiert?

Häufig hilft es hierbei, eine Werbeagentur zu beauftragen oder zumindest für Teilkampagnen Experten hinzuzuziehen. Am Werbebudget zu sparen, ist oftmals nämlich eher kontraproduktiv (zumindest am Anfang, wenn der Salon noch nicht so bekannt ist oder wenn es darum geht, eine Neuausrichtung publik zu machen).

Fazit

Die Gründung (oder Umgestaltung) eines eigenen Friseursalons ist ein großer Schritt, welcher einiges an Vorüberlegungen, Kalkulationen und Analysen beinhaltet. Auch sind Mut und Durchhaltevermögen gefragt.

Doch mit einer guten Planung, den richtigen Ansprechpartnern und Anlaufstellen und vor allem mit einem einzigartigen – und gut beworbenen – Alleinstellungsmerkmal kann nicht mehr allzu viel schiefgehen.

Kategorie: Existenzgründung

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