Finanzen & Buchhaltung
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Strompreise verstehen und richtig handeln

Gastbeitrag von Roger Kanzenbach

Der Strompreis besteht aus Erzeugung, Transport, Umlagen und Steuern. Nur noch der Preis der Erzeugung kann durch die Lieferanten frei vereinbart werden.

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Strom oder Gold werden zum Börsenpreis gehandelt

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Beim Kauf einer Goldmünze ist der Wert des Metalls am Börsenpreis ablesbar. Zum Börsenpreis werden Aufschläge, wie Steuern und Versand berechnet. Genauso entsteht auch der Strompreis. Der Lieferant kauft die Energie, berechnet die gesetzlich vorgeschriebenen Umlagen, die Netzentgelte des regionalen Netzbetreibers, seinen Unternehmerlohn, den Risikozuschlag für die den Festpreis über 12 oder 24 Monate und verkauft an den Verbraucher.

Erzeugung und Transport sind getrennt

Energieerzeuger sollen nach dem Willen der Politik keine Energienetze besitzen. Die Energienetzbetreiber sind somit unabhängig und verlangen für ihre Dienstleistung eigene Gebühren. Für diese Gebühren (Netzentgelte) wird das Netz betrieben und verwaltet. Die Netzentgelte unterscheiden sich je nach Netzbetreiber und somit nach Wohnort. Es gibt erste Gedanken über einheitliche Netzgebühren, die dann von der Bundesnetzagentur festgelegt werden sollen. Wenn ein Netzbetreiber gut wirtschaftet und einen geringen Preis weiter berechnet, dann ist das einfach ein Glück für den Stromkunden, dass er in einer preiswerten Region wohnt.

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Erzeugung kostet viel und bringt wenig

Grundlastkraftwerke müssen liefern, wenn Energie benötigt wird. Viele Kraftwerke sind unflexibel und auf einen schnell wechselnden Bedarf durch Sonne und Wind technisch nicht angepasst. Wird der Strom nicht abgenommen, wird dieser oftmals verschenkt. Die Erzeuger von Ökoenergie sind derzeit durch feste Kaufpreise (Einspeisevergütungen) und eine garantierte Abnahme  in einer komfortablen Situation. Wenn die Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz beendet wird, dann müssen auch Ökoenergieerzeuger ihre Energie verkaufen oder verschenken. Die Krise großer Energieversorger hat in diesem Mechanismus eine Ursache.

Stromspeicher und Reservekraftwerke

Die Experten streiten derzeit über die  beste Technologie für flexible Kraftwerke und die dafür benötigten Investitionen. Ich vermute, dass für die Netzbetreiber Stromspeicher und Reservekraftwerke vorhalten werden, um Schwankungen auszugleichen. Diese Flexibilität für die Netzsicherheit muss dem Kraftwerksbetreiber bezahlt werden, denn allein die Vorhaltung ist zu bezahlen.

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Preisvergleiche aber richtig

Am teuersten ist die Grundversorgung. Einfach bestehende Verträge dahingehend prüfen und einen passenden Tarif vereinbaren. Der Strompreis schwankt je nach Börsenpreis. Der Stromlieferant bietet jedoch einen Festpreis über die Laufzeit des Vertrages. Die Schwankungen an der Börse müssen in dem Festpreis enthalten sein. Lange Laufzeiten sind somit selten sinnvoll. Es gibt bereits Lieferanten, die den Börsenpreis und einen festen Aufschlag berechnen. Dieses Modell bildet den Börsenpreis ab. Bei fallenden Preisen profitiert der Verbraucher und hat bei steigenden Preisen einen Puffer. Einfach den Erzeugungspreis vergleichen und den billigsten Anbieter für 1 Jahr beauftragten, selbstverständlich ohne Vorkasse oder Wechselbonus. 1 Cent/kWh Preisunterschied sind bei 10.000 kWh Verbrauch 100 EUR im Jahr Einsparung.

Energiekosten werden am schnellsten und nachhaltigsten durch Einsparung gesenkt

Die Energie, die nicht benötigt wird, muss nicht bezahlt werden. Schnelle und kostengünstige Ergebnisse werden bei Antrieben, Beleuchtung und Nutzerverhalten erreicht. Energieberater können die Einsparungspotentiale aufzeigen, jedoch ist es keineswegs sinnvoll Energie zu sparen, wenn die Maßnahmen der Energieeinsparung mehr kosten, als die Einsparung. Es ist für jede Investition eine Wirtschaftlichkeitsberechnung anzustellen. Die üblichen Refinanzierungszeiten liegen bei 3 bis 4 Jahren.

Der Autor

Roger KanzenbachRoger Kanzenbach ist Dipl.-Ing. TU und Gebäudenergieberater im Handwerk.

Er beschäftigt sich mit den Themen Green Building und erneuerbare Energie.

Foto: SP-Photo / shutterstock.com

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