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„Ich kenne da jemand, der kann das …“ Ein Plädoyer für mehr Professionalität

Professionalität
Gastbeitrag von Tanya Quintieri

Nicht, dass jeder, den Sie kennen, das was er kann, nicht gut könnte. Aber gerade junge Unternehmer machen häufig den Fehler, am falschen Ende zu sparen. Da werden Flyer selbst mit PowerPoint (oder schlimmer: mit Word) gebastelt.

Oder sie schreiben Pressemitteilungen selbst, die dann von der Hälfte der kostenlosen Portale abgelehnt werden. Sehr beliebt: Referenzen auf Webseiten anzugeben, ohne vorher den Kunden um Erlaubnis zu bitten (Logos, etc.).

Fragen Sie mal einen „alten Hasen“, ob es sich lohnt, in der Unternehmenskommunikation zu sparen, indem man halb gare Lösungen fabriziert. Einige Start-Ups werden sagen: „Ja, aber ich habe ja noch kein Geld, um einen Profi für mein Logo zu bezahlen. Das mach ich dann, wenn der Rubel rollt …“ Genau das wird aber nicht passieren. Und wenn doch – dann hat es ganz sicher nichts mit der Unternehmenskommunikation zu tun. Dann haben Sie mit etwas anderem überzeugt. Und hätten sich den Aufwand gleich sparen können.

In meinem konkreten Fall habe ich es oft mit Menschen zu tun, die denken: ‚Och, das bisschen Englisch, das bekomme ich schon hin.‘ Nun, wie viele Deutsche kennen Sie, die der deutschen Sprache mächtig sind? Richtig! Viele. Und wie viele davon würden Sie für sich und ihr Produkt oder Unternehmen schreiben lassen? – räusper –

Letztes Jahr habe ich für ein junges, gerade gegründetes Unternehmen übersetzt. Website und Flyer und Produktdokumentationen. Einige Wochen später habe ich gemeinsam mit einem anderen Kunden die Seite angesehen, weil er auf der Suche nach genau der Lösung war, die dieses Start-Up bietet. Beim Durchblättern der englischen Seiten fiel mir auf, dass da plötzlich Texte anders waren als die, die ich übersetzt hatte. Die Texte waren schlecht. Sätze waren ungünstig formuliert. Hier und da Rechtschreibfehler. Also rief ich den Kunden an und fragte, was passiert war. Seine Antwort: „Ich habe da noch eine Bekannte aus meinem Auslandsjahr in den USA, die hat sich die Texte noch mal angesehen und hier und da ein paar Verbesserungen vorgeschlagen.“ Nach einigen gewechselten Sätzen hat er dann verstanden, dass es maximal Verschlimmbesserungen waren, die da durch seine Bekannte vollzogen wurden. Und das NACHDEM er einen Profi – also mich – beauftragt und bezahlt hatte.

Ich werde von vielen Menschen angesprochen. Werde oft nach Ratschlägen gefragt und ich helfe auch immer gerne. Denn es gibt wenig das mehr erfüllt, als ein realisierter Traum. Aber die Katze beißt sich in den Schwanz, wenn man einerseits durch Kompetenz überzeugen will und andererseits Werbung für diese auf selbst gedruckten Flyern macht. Nur mal so als Beispiel.




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Wenn Sie andere zu schätzen wissen für deren Kompetenz, dann wird man auch Sie irgendwann für Ihre Kompetenz schätzen lernen. Das Sprichwort „Schuster – bleib bei Deinen Leisten“ ist eines der wichtigsten für Unternehmer. Im Grunde bedeutet es: Tu das, was Du gut kannst. Am besten besser als alle anderen. Und überlasse das, was Du nicht kannst, den Profis.

Die Autorin

Tanya QuintieriTanya Quintieri: Jahrgang 1976. Ist selbständige Dienstleistungsunternehmerin und IHK-geprüfte Übersetzerin und Präsidentin des DVÜD e.V. mit Büros in Ettlingen (bei Karlsruhe) und Berlin. Wer sie nach ihrer Erfolgsformel fragt, erhält die Antwort: „Ich bin Amerikanerin. Als Unternehmerin bin ich schon mal gescheitert. Aber bei uns ist es normal, dass man nach einem Fall aufsteht, sich den Staub von der Hose klopft und dann von vorne anfängt. Und es beim zweiten Mal nicht nur besser, sondern richtig macht!“

Mehr Infos: http://patchwork-labs.com

Foto: miguel ugalde / freeimages.com

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