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Innovative Geschäftsmodelle von RAZOR AND BLADE bis ROBIN HOOD

Geschaeftsmodell

Rrrrrrrummms – heute geht es um sechs innovative Geschäftsmodelle mit R! Natürlich auch aus der Reihe der 55 Modelle, auf deren Rekombinationen laut einer Studie der Uni St. Gallen über 90 Prozent aller Geschäftsmodellinnovationen basieren.

Das Buch “Geschäftsmodelle entwickeln“ zur Studie der Universität St. Gallen über 55 innovativen Geschäftsmodelle gefällt mir so gut, dass ich euch nach und nach in Kurzform die dort beschriebenen Geschäftsmodelle vorstellen möchte. Natürlich immer mit ein paar Beispielen. Die ausführlichen Beschreibungen der Modelle, deren Erfinder und wo sie überall genutzt werden findet ihr natürlich nur im Buch selbst.

Heute: Innovative Geschäftsmodelle von RAZOR AND BLADE bis ROBIN HOOD

Ein Geschäftsmodell ist darüber definiert, wer die Kunden sind, was verkauft wird, wie man es herstellt und wie man einen Ertrag realisiert. Kurz gesagt, das Wer-Was-Wie-Wert? definiert ein Geschäftsmodell, wobei die ersten beiden „W“ die externe Dimension eines Geschäftsmodells adressieren und die letzten beiden „W“ die interne Dimension. (Quelle: Geschäftsmodelle entwickeln)

Geschäftsmodell Razor and Blade

Dieses Geschäftsmodell funktioniert nach der Methode „Haken und Köder“. Das funktioniert wie folgt: das Basisprodukt wird supergünstig angeboten, mit dem für die Nutzung notwendigen Zusatzprodukt wird dann das Geld verdient.

Beispiele finden sich vor allem bei Konsumprodukten: Rasierer mit Wechselklingen, elektrische Zahnbürsten und die zugehörigen Bürstenköpfe, Drucker und Toner usw.

Das Ganze funktioniert, in dem der Unternehmer entweder eine starke Markenbindung des Konsumenten aufbaut oder seine Produkte mittels Patentanmeldung vor dem Nachbau schützt. Klar, denn wenn es die Zusatzartikel auch bei anderen Herstellern zu kaufen gibt, dann entfällt die Quersubventionierung des Basisprodukts durch die Zusatzprodukte, dann rechnet sich das ganze Geschäftsmodell nicht mehr. Daher wird die Razor and Blade-Methode häufig in Kombination mit der Lock-in-Strategie angewendet

Beispiele: Standard Oil Company (Petroleumlampen & teures Lampenöl), Gillette (austauschbare Rasierklingen), Hewlett-Packard (Druckerpatronen), Nestlé (Nespresso Kaffeekapseln, Nestlé Special.T, Nestlé BabyNes), Apple (iPod & iTunes), Amazon (Kindle)

Geschäftsmodell Rent instead of Buy

Wie der Name schon sagt – bei diesem Geschäftsmodell wird gemietet statt gekauft. Der Kunde muss also keine teuren Anschaffungskosten tragen, sondern nur einen günstigeren Mietpreis. So kann er sich Produkte leisten, die sonst außerhalb seines Budgets lägen und muss sein Kapital nicht so langfristig binden.

Dem Unternehmer erschließen sich bei diesem Modell größere Käuferkreise, vor allem bei kapitalintensiven Produkten wie Autos oder Maschinen. Wichtig: das Unternehmen muss die Anfangsinvestitionen vorfinanzieren können, da sich die Erträge bei Mietgeschäften in die Zukunft verlagern.

Das Rent instead of Buy-Modell ist dem Pay per Use-Modell sehr ähnlich, nur dass hier nicht die effektive Nutzung sondern die Nutzungszeit bezahlt werden muss. Oft treten beide Modell auch in Kombination auf (z.B. beim Carsharing mit Grundgebühr und Kilometerpreis).

Beispiele: Saunders System (Autovermietung), Xerox (Kopiergeräte), Rent a Bike (Fahrradvermietung), CWS-boco (Miet-Services für Berufsbekleidung, Waschraumhygieneprodukte und Schmutzfangmatten), Luxusbabe (Designerhandtaschen), FlexPetz (Haustiere), Car2Go (Carsharing)

Geschäftsmodell Revenue Sharing

Bei diesem Geschäftsmodell wird der Gewinn mit den Stakeholdern geteilt. Das Unternehmen überlässt also einen bestimmten Prozentsatz seines Gewinns anderen Parteien, die signifikant am Erfolg des Produkts oder Dienstleistung beteiligt sind und zur Umsatzgenerierung beigetragen haben.

Dabei ist es egal, ob dies durch Kundenempfehlung oder Beteiligung am Wertschöpfungsprozess geschieht. Die direkte Umsatzbeteiligung sorgt für eine gesteigerte Motivation der Partner neues Geschäft zu generieren oder bestehendes Geschäft auszubauen.

Hinzu kommt, dass mit diesem Modell strategische Partnerschaften gefördert und sogar Absatzrisiken geteilt werden können. Das funktioniert natürlich nur, wenn durch die Partnerschaft der Umsatz gesteigert werden kann, an dem die Partner beteiligt sind.

Stakeholder können dabei sowohl externe Partner als auch die eigenen Mitarbeiter sein. Das Konzept der Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmenserfolg dürft ja vielen von uns bekannt sein. Ebenso das Thema Vertriebsprovision oder neudeutsch Affiliate-Marketing.

Beispiele: CDnow (Vertriebswebsite für CDs), Apple (AppStore & iTunes), Groupon (Coupon-Verkauf)

Geschäftsmodell Reverse Engineering

Bei diesem Modell geht es um schnelles Lernen vom Wettbewerber. D.h. das Unternehmen analysiert das Produkt eines Wettbewerbers, zerlegt es in seine Einzelteile und nutzt das so gewonnene Wissen für die eigenen Produkte oder Dienstleistungen. Dabei muss es nicht nur um ein konkretes Produkt oder Dienstleistung gehen, auch ganze Geschäftsmodelle können als Bauplan für das eigene Unternehmen genutzt werden.

Der Vorteil für den Unternehmer: er spart sich viel kostenintensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Außerdem kann der Imitator vielleicht Bauteile durch kostengünstigere Varianten ersetzen, bei den Materialien sparen und überflüssige Komponenten weglassen. So kann es sogar zu einer Optimierung des Originals kommen. So kann das Produkt viel günstiger angeboten werden als das Original!




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Aber ACHTUNG: gerade in Deutschland muss man bei diesem Modell ganz genau darauf achten die Rechte des ursprünglichen Erfinders und Entwicklers nicht zu verletzen. Patente und Lizenzen gibt es ja nicht zum Spaß und das kann schnell teuer werden. Manche Unternehmen haben sich daher darauf spezialisiert ablaufende Patente zu beobachten, um dann sofort nach deren Ablauf mit einem ähnlichen Produkt auf den Markt zu kommen. Exemplarisch dafür sind die Hersteller von Generika, d.h. heißt Anbieter von Nachahmungen patentierter Medikamente.

Beispiele: Bayer (Vermarktung von Acetylsalicylsäure unter dem Namen Aspirin), Brilliance China Auto (Automodelle, die denen von BMW sehr ähnlich sind), Denner (Lebensmittel-Detailhandel in der Schweiz)

Geschäftsmodell Reverse Innovation

Bei diesem Geschäftsmodell versucht man von Einfachstlösungen zu lernen.

Manche Produkte werden zunächst in einer einfachen und kostengünstigen Variante für Schwellen- und Entwicklungsländer entwickelt. Später werden sie weiter entwickelt und dann auch in den Industrienationen vermarktet.

Hintergrund: für den Einsatz in Schwellen- und Entwicklungsländern muss ein Produkt oftmals vor allem günstig sein, um für diesen Kundenkreis überhaupt in Betracht zu kommen. Gleichzeitig muss es von den Funktionalitäten her trotzdem gewissen Anforderungen gerecht werden, die denen in Industrieländern in nichts oder kaum nachstehen. Dies führt manchmal zu neuen Lösungsansätzen, die sich dann auch wunderbar für die Vermarktung in Industrieländern eignen. Es entstehen Basisvarianten, die so oder nur gering modifiziert auch bei uns großen Anklang finden.

Beispiele: Haier (Waschmaschine Mini Magic Child für China bzw. das XQBM-Modell für die Industrienationen), Nokia (Nokia 1100, entwickelt für den indischen Markt), Renault (Dacia Logan, entwickelt für den osteuropäischen Markt), General Electric (günstiges Ultraschallgerät, entwickelt für den chinesischen Markt)

Geschäftsmodell Robin Hood

Das Motto von Robin Hood kennen wir alle: „Nehmt es den Reichen und gebt es den Armen!“ – aber wie kann man damit Geld verdienen?

Ganz einfach: den Besserverdienenden wird ein höherer Preis in Rechnung gestellt, als den Geringverdienern. So kann den sozial Benachteiligten das Angebot des Unternehmens zu einem stark vergünstigten Preis oder sogar kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Mit dieser Quersubventionierung rechnet sich dann das gesamte Geschäft.

Und warum sollten einige Besserverdiener mit Ihrem Geld dieses Modell finanzieren? Nun, weil sie so das Gefühl haben, etwas Soziales getan zu haben. Ein gutes Gewissen ist nämlich auch viel Wert 🙂

Das Unternehmen selbst profitiert natürlich auch von diesem sozialen Engagement. Sein Image bessert sich und es kann die Aktion zu Marketingzwecken nutzen. Stichwort „Corporate Social Responsibility“.

Beispiele: Aravind Eye Care System (Behandlung von grauem Star in Indien), One Laptop per Child (Schülerlaptop XO), TOMS Shoes („One-for-One“-Modell, pro verkauftem Paar Schuhe gibt das Unternehmen ein Paar gratis an einen Bedürftigen), Warby Parker (Brillen, ebenfalls mit „One-for-One“-Modell)

Alle 55 Geschäftsmodelle im Überblick

Add-On Affiliation Aikido Auction Barter Cash Machine Cross Selling Crowdfunding Crowdsourcing Customer Loyalty Digitalization Direct Selling E-Commerce Experience Selling Flatrate Fractionalized Ownership Franchising Freemium From Push-to-Pull Guaranteed Availability Hidden Revenue Ingredient Branding Integrator Layer Player Leverage Customer Data License Lock-In Long Tail Make more of it Mass Customization No Frills Open Business Model Open Source Orchestrator Pay per Use Pay what you want Peer-to-Peer Performance-based Contracting Razor and Blade Rent instead of Buy Revenue Sharing Reverse Engineering Reverse Innovation Robin Hood Self-Service Shop-in-Shop Solution Provider Subscription Supermarket Target the Poor Trash-to-Cash Two-sided-Market Ultimate Luxury User designed White Label

Mehr Informationen zum Thema Geschäftsmodell

Die ganze Studie

Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator (*Amazon Partner Link)Titel: Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (6. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446435670
ISBN-13: 978-3446435674
Preis: 39,90 EUR

Leseprobe: http://bilder.buecher.de/zusatz/36/36861/36861454_lese_1.pdf

Beispiele bekannter Geschäftsmodelle

http://articles.bplans.co.uk/starting-a-business/examples-of-well-known-business-models/1040

Foto: Svetlana Mikhalevich / shutterstock.com

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