Wer sein Unternehmen verkauft, vererbt oder an einen Nachfolger übergibt, steht früher oder später vor einer zentralen Frage: Was ist das Unternehmen eigentlich wert? Eine Unternehmensbewertung liefert darauf keine exakte Antwort – aber eine belastbare Grundlage für Verhandlungen. Denn Käufer und Verkäufer haben naturgemäß unterschiedliche Vorstellungen.
Welche Methoden es gibt und was sie jeweils leisten, zeigt dieser Überblick.
Was wird unter dem Unternehmenswert verstanden?
Der Wert eines Unternehmens setzt sich zusammen aus dem materiellen Besitz und dem immateriellen Know-how eines Betriebs. Zum Ersteren zählen unter anderem der Maschinenpark, die Grundstücke und die Immobilien, die dem Firmenvermögen zugerechnet werden. Beim Know-how handelt es sich um weniger greifbare Werte, wie beispielsweise den Markenwert und die Kompetenz der Mitarbeiter.
Eine neutrale Unternehmensbewertung führt diese Aspekte zusammen und berücksichtigt zudem individuelle Aspekte. Darunter fallen beispielsweise regionale Einflüsse und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Branche. Damit eine Unternehmensbewertung zu zufriedenstellenden Ergebnissen führt, sollte eine geeignete Methode angewendet werden.
Methoden zur neutralen Bewertung eines Unternehmens
Verfahren zur Unternehmensbewertung existieren in einigen Versionen. Dabei lässt sich feststellen, dass alle Spielarten auf drei Methoden zurückgeführt werden können.
- Unternehmen, bei denen materielle Werte eine übergeordnete Rolle spielen, lassen sich am besten nach dem Substanzwertverfahren
- Firmen dagegen, deren zukünftige Umsätze sich heute schon klar und verlässlich umreißen lassen, unterliegen eher dem Ertragswertverfahren.
- Derzeit ist das Multiplikatorenverfahren beliebt, welches die aktuellen Marktpreise bei der Wertbestimmung einbezieht.
Das Substanzwertverfahren
Die Methode geht davon aus, dass der Wert eines Unternehmens sich ausschließlich auf die Summe der Immobilien und Gerätschaften bezieht, die sich nachweislich im Besitz der Firma befinden. Sie ermittelt somit den sogenannten Liquidationswert, der sich aus dem Verkehrswert des Firmenvermögens abzüglich eventueller Verbindlichkeiten zusammensetzt.
Für den Unternehmensverkäufer sollte der Liquidationswert nicht das eigentliche Ziel der Preisverhandlungen darstellen. Er dient eher als Orientierung für einen Mindestpreis, der auf gar keinen Fall unterschritten werden sollte. Es werden nämlich wichtige Bereiche wie die Profitabilität, Wettbewerbssituation, Zukunftsfähigkeit und Kundenstamm nicht in die Betrachtung mit einbezogen.
Das Ertragswertverfahren
Bei dieser Methode stehen bei der Ermittlung des Unternehmenswerts die zukünftigen Umsätze und Erträge im Fokus. Dabei werden die Betriebsergebnisse der letzten vier Geschäftsjahre einschließlich des aktuellen analysiert. Überdies spielt die Planung der nächsten Jahre eine Rolle. Mithilfe dieser Daten wird eine Unternehmensbewertung in den folgenden Schritten vollzogen:
- Das Betriebsergebnis wird bereinigt, indem untypische und einmalige Einnahmen und Aufwendungen herausgerechnet werden.
- Der in Zukunft angenommene Gewinn wird geschätzt, indem ein Durchschnittswert aus den bereinigten und den geplanten Betriebsergebnissen ermittelt wird.
- Jetzt wird der sogenannte Kapitalisierungszinssatz Dabei handelt es sich um einen Wert, der den Gewinn angibt, der bei einer herkömmlichen Kapitalanlage generiert werden würde.
- Der letztendliche Unternehmenswert lässt sich nun einfach errechnen. Er ist das Ergebnis der Division des zukünftigen Gewinns durch den Kapitalisierungszinssatz.
Auch dieses Verfahren sollte bei der Ermittlung des Unternehmenswertes nicht isoliert betrachtet werden. Er eignet sich eher dazu, ein Gefühl für die zukünftige Ertragslage zu entwickeln. Der Nachteil dabei ist die überwiegend theoretische Grundlage, die zukünftige Änderungen im Marktumfeld selten deckungsgleich abbilden.
Mehr Infos zum vereinfachten Ertragswertverfahren hier:
Den Unternehmenswert berechnen mit dem vereinfachten ErtragswertverfahrenDas Multiplikatorenverfahren
Diese praxisnahe und marktorientierte Methode zieht die Ergebnisse von Unternehmensbewertungen von Firmen derselben Branche heran, die sich nach Größe und Mitarbeiterzahl ähneln. Dabei leitet sich der Unternehmenswert von diversen Verhältniskennzahlen ab.
Zur Ermittlung möglichst relevanter Vergleichsgruppen werden Multiples-Tabellen herangezogen, welche die Minimum- und Maximum-Werte einer bestimmten Branche ausdrücken. Die Methode erlaubt es, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Preise in der jeweiligen Branche für ein Unternehmen gezahlt werden.
Bewertung als Verhandlungsgrundlage – nicht als Preisschild
Die Übergabe eines Unternehmens ist mit vielen unbekannten Variablen verbunden. Eine Unternehmensbewertung liefert keinen exakten Preis – aber sie schafft eine nachvollziehbare Grundlage für Verhandlungen. Wer gut vorbereitet in diese geht, hat die besseren Karten.
Bei größeren Transaktionen lohnt sich in jedem Fall die Einbindung eines Steuerberaters oder M&A-Beraters – die Wahl der Methode und ihre steuerlichen Konsequenzen sind zu komplex für eine Do-it-yourself-Entscheidung.

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Also, habt ihr eure Unternehmen schon verkauft? Kann ich einen Rat von euch bekommen?
Was brauchst du denn für einen Rat?
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