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Abgeltungssteuer: so müssen Firmen Kapitalerträge versteuern

Abgeltungssteuer

Firmen unterliegen in Bezug auf Erträge aus Wertpapieren genauso wie Privatpersonen der Steuerpflicht. Dabei ist die Vorgehensweise, mit der die Besteuerung erfolgt, jedoch eine andere. Die Zuordnung der Kapitalerträge erfolgt im Rahmen der Gewinn- und Verlustrechnung zu den Erträgen, welche das Unternehmen generiert. Damit haben Zinsen und Dividenden bei der Ermittlung des Jahresüberschusses den gleichen Stellenwert, wie die Verkaufserlöse der Produkte oder Dienstleistungen.

Für Freiberufler mag das unter Umständen ärgerlich sein, ein Depot als Privatperson die bessere Lösung. Gewerbetreibende werden jedoch doppelt zur Kasse gebeten. Da es sich bei Zinsen, Dividenden und Gewinnen aus Wertpapierverkäufen um einen Teil des Gewerbeertrages handelt, wird darauf auch noch Gewerbesteuer fällig. Für Personenfirmen sind die Auswirkungen noch weitreichender. Die Erträge aus Wertpapieren fließen auch in die Berechnung des IHK-Beitrages und gegebenenfalls zur Ermittlung der Krankenkassenbeiträge bei gesetzlich Versicherten ein.

Für alle Erträge aus Kapitalanlagen und Derivatehandel besteht Steuerpflicht

Unter die Steuerpflicht fallen grundsätzlich alle Zinserträge, Dividenden und Gewinne aus Wertpapiergeschäften. Darunter fällt auch der Handel mit Derivaten. Somit ist klar, dass auch Steuern auf binäre Optionen Gewinne an den Fiskus abgeführt werden müssen. Dabei ist es unerheblich, ob die Broker in New York, auf Zypern oder den Virgin Islands sitzen – ein in Deutschland ansässiges Unternehmen muss die Erträge in der Bundesrepublik versteuern, sofern kein Doppelbesteuerungsabkommen besteht.




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Für Unternehmen gilt jedoch die gleiche Regelung wie für Privatpersonen in Bezug auf die Verrechnung von Verlusten mit angefallenen Gewinnen. Wurde auf der einen Seite bei einem Aktiengeschäft ein Verlust realisiert, ein anderes jedoch mit Gewinn abgeschlossen, so mindert der Verlust den Gewinn. Übersteigt der Verlust den Gewinn, so kann der verbliebene Betrag in das nächste Jahr fortgeschrieben werden. Es ist allerdings nicht möglich, Zinserträge aus fest-verzinsten Wertpapieren oder Tagesgeldkonten mit Verlusten aus einem Aktiendeal zu kompensieren. Dies gilt auch für den Handel mit binären Optionen. Gewinne und Verluste aus diesem Handelssegment können gegeneinander aufgerechnet werden. Der Zinsertrag aus einem Termingeld, welches als Firmenkonto geführt wird, kann jedoch nicht um den Verlust aus dem Handel mit digitalen Optionen gemindert werden.

Kein Freistellungsauftrag für Firmenkonten

Im Gegensatz zu Privatpersonen können Unternehmen keinen Freistellungsauftrag für ihre Erträge aus Kapitalanlagen nutzen. Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag werden demzufolge bei Zinszahlung automatisch einbehalten. Diese Aufwendungen müssen in der Einnahmen-Überschussrechnung entsprechend verbucht werden, sind jedoch nicht als Betriebsausgaben steuerlich abzugsfähig. Der Grund dafür ist, dass es sich dabei um eine Vorauszahlung auf eine zu leistende Einkommensteuerschuld handelt.

Sollte sich bei einem selbstständigen Unternehmer im Rahmen der Steuererklärung jedoch herausstellen, dass der persönliche Steuersatz unterhalb der 25 Prozent liegt, wird die überzählig abgezogene Steuerschuld zurückerstattet. Handelt es sich bei dem Unternehmen um eine GmbH oder Aktiengesellschaft, fällt auf den Gewinn ein Steuersatz von 15 Prozent Körperschaftssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag an. Da eine GmbH ein Gewerbebetrieb ist, muss auf den Gewinn außerdem noch die je nach Gemeinde unterschiedliche Gewerbesteuer abgeführt werden. Diese richtet sich nach dem jeweiligen Hebesatz, welcher in Städten wie Frankfurt oder München bei 490 Prozent liegt, in der Breite jedoch um die 350 Prozent beträgt.

Foto: Jorma Bork / pixelio.de

2 Kommentare

  1. schporti sagt

    Danke für den Artikel leider ist er wie so oft zu unpräzise. Und selbst nach 3 maligem lesen ist mir nicht klar, ob in einer GmbH Kapitalerträge der Kapitalertrags- Körperschafts- und Gewerbesteuer oder nur den beiden Letztgenannten unterliegt. Beispiele sind immer ein gutes Hilfsmittel bei Erläuterungen oder wie hier eigentlich unerlässlich..
    Auch eine Tabelle mit Gegenüberstellung von Privatpersonen Freiberufler Kapitalgesellschaft und Personengesellschaft wäre einfacher und klarer verständlich.

    • Hallo Schporti,
      das System der Abgeltungssteuer ist ganz einfach:
      auf Kapitalerträge fallen zunächst 25% Kapitalertragssteuer und 5,5% Solidaritätszuschlag an.
      Beides ist aber nur eine Vorauszahlung auf die im Rahmen der Steuererklärung ermittelte Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer und den zugehörigen Solidaritätszuschlag.
      D.h. am im Rahmen der Steuerermittlung für Privatpersonen und Unternehmen wird diese Vorauszahlung mit der wirklich anfallenden Steuer verrechnet.
      Unternehmen, die Gewerbesteuer zahlen müssen, müssen diese zusätzlich auch auf Kapitalerträge zahlen.

      Ich hoffe, jetzt ist es klarer?

      Viele Grüße
      Heike

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