Kluges Controlling braucht Köpfe – keine Taschenrechner

Kluges Controlling braucht Köpfe – keine Taschenrechner

Foto: juli.gänseblümchen / pixelio.de

Controlling hieß früher noch nicht so. Doch der findige Unternehmer hatte das Gespür dafür, wie der Gärtner seinen Grünen Daumen. Die Wirtschaftswelt ist heute ja freilich so komplex geworden, da braucht’s für das Controlling in der Regel Spezialisten. Wenn die allerdings ein intelligentes Steuerungssystem seines Namens wegen mit reiner Kostenkontrolle verwechseln, kann Controlling skurrile Blüten treiben – wie einst bei einer überaus populären Zeitung in Wien.

Dort hatten ausgebuffte Rechner entdeckt, dass der Druck einer Zeitung immenses Geld kostet – das Papier, die Maschinen, die Löhne für Drucker, der Vertrieb. Als wenn man sich das nicht sparen könnte. Also erschien das Blatt – das dann eben keines mehr war – von einem Tag auf den anderen nur noch im Internet.

Wahnsinnig kostengünstig. Wahnsinnig innovativ. Und wahnsinnig doof.

Die Sparfüchse hatten an Zahlen gedacht, nicht an Kunden. Die meisten Leser der Zeitung saßen morgens in der U-Bahn nun mal nicht mit einem Laptop auf dem Schoß. Um die Wahrheit zu sagen: Die meisten Leser der Zeitung besaßen nicht mal einen Computer. Und raten Sie mal, ob Oma Kasupke zum Lesen ihres bunten Blättchens vom Stammcafé ins Internet-Café wechselte. Nee, oder? Innerhalb kürzester Zeit war das Ex-Blatt platt.




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Controlling als Steuerungsinstrument

Das Instrument ist unverzichtbar. Deshalb darf Controlling aber nicht den unternehmerischen Sachverstand kapern. Es geht nicht immer gleich um den ganzen Laden. Es gibt so viele alltäglich mögliche Szenarien in Betrieben, bei denen starres Festhalten an Vorgaben der Kostenkontrolle vernünftige Entscheidungen  verhindern kann.

Wie bei dem Mitarbeiter einer Firma, der bei einer dienstlichen Fahrt mit seinem Auto einen Schaden an der Frontscheibe erlitt. In dem Unternehmen war es Usus, das eigene Fahrzeug zu benutzen. Oft fielen spontane Fahrten an, für die auch die Anmietung eines Autos zu viel Zeit gekostet hätte. Nun hatte das Controlling der Firma die Versicherung für solch selten vorkommende Fälle wie den einer kaputten Windschutzscheibe gekündigt – die Prämien waren einfach zu teuer. Ein nachvollziehbarer Gedanke. Dennoch befreit das einen Arbeitgeber nicht von der Pflicht, dann eben selber für solche Schäden aufzukommen. Das Controlling verwies den Mitarbeiter jedoch auf dessen eigene Versicherung. Fortan erledigte der Mitarbeiter jede noch so kurze Fahrt mit Taxi oder Mietwagen. Das verzögerte nicht nur den Betriebsablauf, es kostete auch – und zwar nach kurzer Zeit so viel wie eine Windschutzscheibe. Der Schaden wurde schließlich aus der Firmenkasse ersetzt und alles war wieder gut.

Ein unwahrscheinlicher Fall? Ja. Aber unwahrscheinlich ist etwas immer nur so lange, bis es tatsächlich passiert.

Nehmen wir einen wahrscheinlichen Fall. Quasi kein Unternehmen funktioniert ohne Telekommunikation. In einem Unternehmen erledigten die Mitarbeiter außerhalb des Büros die gesamte Telekommunikation mit ihren privaten Handys. Die Dienstgespräche rechneten sie mit dem Arbeitgeber ab – regelmäßig der wesentlich dickere Batzen, als die Privatgespräche. Ein Mitarbeiter schlug vor, er könne für sein Handy einen wesentlich günstigeren Flatrate-Vertrag abschließen, die Firma solle das komplett bezahlen. Dann könne er zwar nicht mehr seine Privatgespräche herausrechnen, dafür koste das die Firma aber monatlich nur noch 60 statt 200 Euro. Die Controlling-Abteilung lehnte ab – Diensthandys stünden nur höherrangigen Mitarbeitern zu, anderen könne man die private Nutzung nicht bezahlen. Ein kluger Unternehmer – und Controller – hätte dem Mitarbeiter vielleicht zuerst eine Prämie für betriebliches Verbesserungswesen ausbezahlt. Anschließend würde er Flatrate-Verträge für alle Mitarbeiter abschließen, die viel dienstlich mit dem Handy telefonieren müssen – private Nutzung freigestellt. Das schafft zufriedene Mitarbeiter. Ein Unternehmenswert, über den sich Controlling auch mal Gedanken machen sollte.

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Markus van Appeldorn

Markus van Appeldorn (Jahrgang 1968) hat Rechtswissenschaften in Saarbrücken studiert. Nach langjähriger redaktioneller Tätigkeit, unter anderem bei der BILD-Zeitung, ist er als freier Journalist tätig. Einen seiner Schwerpunkte bilden Rechts- und Wirtschaftsthemen. Sie erreichen ihn unter markus.van.appeldorn@gmx.de.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Der Beitrag bringt es auf dem Punkt. Controlling heißt Unternehmenssteuerung und nicht Kostenkontrolle. Hierzu möchte ich Philip Rosenthal zitieren:

    “Wer zu spät an die Kosten denkt, ruiniert sein Unternehmen. Wer immer zu früh an die Kosten denkt, tötet die Kreativität.“

    Antworten

    • Hallo, Herr Karn,
      lieben Dank für Ihr Lob und Ihr Interesse an das-unternehmerhandbuch. Wir wollen unsere Leser immer mit wertvollen Tipps versorgen und mit anschaulichen Geschichten Gedanken anregen. Feedback ist die Währung, mit der das von unseren Kunden bezahlt wird. Wenn Sie eine Anregung für uns haben – immer her damit.
      Herzliche Grüße
      Markus van Appeldorn

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