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Betriebsunterbrechungsversicherung als wichtiger Schutz für Unternehmen

Betriebsunterbrechungsversicherung

Ein Brand in der Produktionshalle, ein Wasserschaden im Lager, ein Serverausfall – und plötzlich steht der Betrieb still. Die laufenden Kosten bleiben, der Umsatz bricht weg. Für viele Unternehmen bedeutet das nach wenigen Wochen die Existenzgefahr.

Die Betriebsunterbrechungsversicherung soll genau das abfedern: Sie ersetzt den entgangenen Deckungsbeitrag, wenn der Geschäftsbetrieb aufgrund eines versicherten Schadens nicht weiterlaufen kann.

Aber Achtung: Diese Versicherung zahlt längst nicht in allen Fällen – und die Corona-Pandemie hat brutal gezeigt, wo die Grenzen liegen.

Was ist versichert – und was nicht?

Die klassische Betriebsunterbrechungsversicherung zahlt nur, wenn ein Sachschaden die Ursache ist. Das bedeutet konkret:

Versichert sind typischerweise:

  • Feuer bzw. Brand
  • Sturm und Hagel
  • Austretendes Leitungswasser
  • Einbruchdiebstahl

Nicht automatisch versichert sind:

  • Pandemien und Seuchen (Corona hat das 2020 schmerzhaft gezeigt)
  • Cyber-Angriffe ohne physischen Schaden
  • Stromausfall ohne Sachschaden am Betrieb
  • Lieferkettenunterbrechungen ohne eigenen Sachschaden
  • Behördlich angeordnete Betriebsschließungen

Die Versicherung greift sowohl bei kompletter Betriebsunterbrechung als auch bei Beeinträchtigung einzelner Bereiche – aber immer nur, wenn ein versicherter Sachschaden vorliegt.

Wichtig: Viele Unternehmer gehen davon aus, dass „Betriebsunterbrechung“ jeden Stillstand abdeckt. Das stimmt nicht. Ohne Sachschaden zahlt die Standard-Police nicht. Für Pandemien, Cyber oder Lieferketten brauchst du Zusatzbausteine – wenn überhaupt verfügbar.

Was leistet die Betriebsunterbrechungsversicherung?

Viele Unternehmer gehen davon aus, dass die Versicherung einfach alle laufenden Kosten plus entgangenen Gewinn ersetzt. So einfach ist es nicht.

Die Versicherung zahlt den entgangenen Deckungsbeitrag. Das bedeutet:

Deckungsbeitrag = Umsatz minus variable Kosten

Im versicherten Betriebsunterbrechungsschaden enthalten sind:

  • Entgangener Gewinn
  • Fortlaufende Fixkosten (Miete, Gehälter, Versicherungen, Leasing)
  • Mehrkosten zur Schadensminderung (z.B. Ausweichproduktion)

Nicht versichert sind:

  • Variable Kosten, die nur bei laufendem Betrieb anfallen (Material, Energie, Fremdleistungen)
  • Wertverlust der beschädigten Anlagen (zahlt die Sachversicherung)

Praxisbeispiel:

Dein Betrieb erwirtschaftet 100.000 Euro Umsatz/Monat. Davon gehen 40.000 Euro variable Kosten ab. Deckungsbeitrag: 60.000 Euro. Bei 3 Monaten Stillstand zahlt die Versicherung maximal 180.000 Euro – nicht 300.000 Euro.

Gefahr der Unterversicherung – und was sie kostet

Unterversicherung ist bei Betriebsunterbrechung ein häufiges und teures Problem. Sie tritt ein, wenn deine gewählte Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Jahres-Deckungsbeitrag.

Die Folge: Im Schadensfall zahlt die Versicherung nicht voll, sondern nur anteilig.

Rechenbeispiel:

  • Tatsächlicher Jahres-Deckungsbeitrag: 600.000 Euro
  • Versicherte Summe: 400.000 Euro
  • Unterversicherung: 33 %
  • Schadenfall mit 90.000 Euro Ausfall
  • Versicherung zahlt nur: 60.000 Euro (2/3 von 90.000 Euro)

Typische Fehler bei der Kalkulation:

  • Nur Gewinn versichert, Fixkosten vergessen
  • Saisonale Schwankungen nicht berücksichtigt
  • Wachstum des Unternehmens nicht nachgezogen
  • Variable statt Fixkosten als Basis genommen

Praxistipp: Lass die Versicherungssumme alle 2-3 Jahre von einem Sachverständigen prüfen. Die paar hundert Euro Prüfkosten sind billiger als 30 % Kürzung im Schadensfall.

Für wen sich die Versicherung lohnt – und für wen nicht

Dringend empfohlen bei:

  • Produktion mit hohen Fixkosten (Maschinen, Hallen, Personal)
  • Handel mit physischem Lager
  • Gastronomie und Hotels
  • Handwerksbetrieben mit eigenen Räumen
  • Unternehmen mit dünner Kapitaldecke (weniger als 3 Monate Rücklagen)

Oft verzichtbar bei:

  • Reine Dienstleister ohne eigene Räume (IT, Beratung, Freelancer)
  • Digitale Geschäftsmodelle ohne Sachschaden-Risiko
  • Unternehmen mit hohen Rücklagen (6+ Monate Fixkosten)
  • Sehr kleinen Betrieben mit niedrigen Fixkosten

Kosten: Für ein mittelständisches Unternehmen mit 500.000 Euro Jahres-Deckungsbeitrag liegt die Prämie bei etwa 800-1.500 Euro pro Jahr – abhängig von Branche, Lage und Risikoprofil.

Corona hat alles verändert

Die Pandemie 2020/2021 war der Stresstest für Betriebsunterbrechungsversicherungen – und fast alle haben nicht gezahlt. Der Grund: Behördlich angeordnete Schließungen waren nicht versichert, es fehlte der erforderliche Sachschaden.

Seitdem sind Pandemie-Bausteine kaum noch verfügbar oder unbezahlbar. Das zeigt: Betriebsunterbrechungsversicherung ist kein Rundum-Schutz gegen jeden Stillstand. Sie deckt Sachschäden ab – alles andere musst du anders lösen.

Die ehrliche Einschätzung: Eine Betriebsunterbrechungsversicherung schützt dich vor klassischen Risiken wie Brand und Unwetter. Sie ersetzt aber keine solide Finanzplanung mit ausreichend Rücklagen für andere Krisen.

Betriebsunterbrechungsversicherung

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