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Perspektivenwechsel – Warum die Digitalisierung neue Entscheidungsprozesse erfordert

Perspektivenwechsel
Gastbeitrag von Jorn Lyseggen

Die technischen Entwicklungen der letzten zwei bis drei Jahrzehnte haben die Gesellschaft und die zwischenmenschliche Kommunikation grundlegend verändert. Ob E-Mail, Social-Media-Plattformen oder selbstlernende Algorithmen – die Kommunikationswege sind schneller und dynamischer geworden.

Gleichzeitig kann eine Vielzahl an Daten erhoben und ausgewertet werden, sodass Entscheider heutzutage auf eine genauere, umfangreichere Informationsbasis zugreifen können. Um diese gewinnbringend nutzen zu können, ist ein Perspektivenwechsel unumgänglich.

Tunnelblick überwinden

In vielen Unternehmen hat sich über die Jahre eine Art Tunnelblick entwickelt. Sie basieren ihre Entscheidungen und Jahresplanung auf intern erhobenen Daten. Zwar können diese durchaus sinnvoll sein – ein Blick auf Bilanzen, Wachstumsraten oder Einsparungen sind Indikatoren für die aktuelle Leistungsfähigkeit. Viel zu oft bleibt es aber bei einem Fokus auf den internen Erfolgskennzahlen.

Dabei bedarf es gerade in einer globalisierten, immer stärker digitalisierten Welt, einen Blick von außen, um etablierte Unternehmen vor isolierten Fehlentscheidungen zu schützen.

Die Makroebene fokussieren

Nicht mehr die Mikroebene allein ist entscheidend, sondern die Makroebene. Der Blick sollte also auf die Branche gerichtet werden, nicht mehr das einzelne Unternehmen. Dies dient unter anderem dafür, Veränderungen in der Wettbewerbslandschaft schneller erkennen und darauf reagieren zu können.

Beispiele für Firmen und Konzerne, die diesen Perspektivenwechsel nicht vollzogen haben und daran gescheitert sind, gibt es zuhauf. Man denke nur an den finnischen Telekommunikationskonzern Nokia. Mehr als ein Jahrzehnt lang war das Unternehmen der größte Mobiltelefonhersteller der Welt. Es schien kaum vorstellbar, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern würde.

Vom Marktführer zum Schlusslicht

Doch während LG, Apple und andere Marken Smartphones auf den Markt zu bringen, hielt man diese bei Nokia noch für Nischenprodukte und konzentrierte sich weiter auf klassische Handys mit Tasteneingabe. Die Quittung kam prompt. War man bis 2011 noch Marktführer, musste im Jahr 2012 schon ein Verlust von 929 Millionen Euro verbucht werden.

Die anschließenden Maßnahmen, um wieder auf dem Markt Fuß zu fassen, reichten nicht, um eine ernsthafte Konkurrenz für Samsung, Apple und Huawei zu werden. Auch eine Kooperation mit Microsoft und deren inzwischen eingestelltem Betriebssystem Windows Phone war kaum mehr als ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Kein Perspektivenwechsel ohne Mentalitätswechsel

Das Beispiel Nokias zeigt sehr anschaulich, warum ein Perspektivenwechsel in der unternehmerischen Entscheidungsfindung so wichtig ist.

Damit einher geht ein Mentalitätswechsel. Es gilt, proaktiv zu handeln und nicht mehr bloß auf den Markt zu reagieren. Kampagnen und Masterpläne müssen kontinuierlich überprüft und angepasst werden. Agilität ist das Stichwort, der Fokus liegt klar auf der Zukunftsprognose. Entscheidungsprozesse müssen schneller funktionieren und optimierbar sein.

Hilfreich hierfür sind digitale Tools, die unter anderem die Relevanz und Stimmungen zu bestimmten Themen und Diskursen in den sozialen Netzwerken messen können. Die Ergebnisse lassen sich mit der eigenen Strategie abgleichen, sodass sich eventuelle Problempunkte identifizieren lassen.

Natürlich funktioniert dies nicht sofort in jedem Unternehmensbereich und eine Jahresplanung ist nach wie vor wichtig. Auch können die Ereignisse, die eine Kurskorrektur sinnvoll werden lassen unterschiedliche sein.

So sorgt etwa die Fridays-for-Future-Bewegung dafür, dass etwa die Automobilindustrie ihre Öffentlichkeitskommunikation mitunter überarbeitet. Ein Mentalitätswechsel hin zu einer dynamischeren Entscheidungsfindung ist daher unumgänglich für Unternehmen, um in einem digitalisierten und globalisierten Wirtschaftsraum dauerhaft erfolgreich zu sein.

Der Autor

Jorn LyseggenJorn Lyseggen ist Gründer und CEO von Meltwater, einem weltweit führenden Media-Intelligence-Unternehmen mit mehr als 1.500 Mitarbeitern in 60 Standorten auf sechs Kontinenten und mehr als 30.000 Geschäftskunden rund um die Welt.

Lyseggen ist ein tätiger Philanthrop. 2008 gründete er die Meltwater Entrepreneurial School of Technology (MEST), eine Hochschule zur Ausbildung und Förderung afrikanischer Softwareunternehmer, sowie ein Netz von Technologieinkubatoren, das Ghana, Nigeria, Kenia und Südafrika umspannt.

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Inhalt: Jorn Lyseggen ist ein norwegischer Unternehmer, Gründer und CEO der Meltwater Group. In seinem Buch „Outside Insight“ erklärt er, wie Unternehmen externe Daten für eine bessere Entscheidungsfindung nutzen können – mit konkreter Anleitung und vielen Beispielen.

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Verlag: Haufe; Auflage: 1. Auflage 2019 (12. April 2019)
ISBN-13: 978-3648119372
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Perspektivenwechsel

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Der Perspektivenwechsel ist vor allem auch deshalb zwingend, weil sich durch die Digitalisierung das Verhalten von Kunden und Mitarbeitern ändert. Das was für die eine Generation Mensch ungewöhnlich ist, ist für die andere Generation normales Verhalten. Man denke nur an die verschiedenen Messenger. Wer sich nicht auf das veränderte Verhalten und damit auf veränderte Bedürfnisse einstellt, ist als Unternehmen schnell weg vom Fenster!
    Digitale Grüße, Ulrike Winzer

    • Heike Lorenz

      Guten Morgen Frau Winzer,
      so ist es – die Welt ändert sich und wer sich nicht anpasst, gerät ins Hintertreffen…

      Viele Grüße
      Heike Lorenz

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