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Trends 2021: Zusammenarbeit heißt Begegnung – online und offline, zufällig oder geplant

Zusammenarbeit
Gastbeitrag von Ulrike Stahl

Jetzt wo persönliche Begegnungen zur Ausnahme gehören, wird die Fähigkeit, Beziehungen über Distanz zu gestalten immer mehr zur zentralen Erfolgsgröße. Jetzt wo virtuelle Zusammenarbeit zum festen Bestandteil unserer Arbeitswelt wird, wissen wir um die Bedeutung des menschlichen Faktors für Kreativität und Innovation. Wie Unternehmen die Face-to-Face-Zeit erhöhen können – genau darum geht es in den Trends der Zusammenarbeit 2021.

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Im hochgradig digitalen Umfeld erlebt emotionale Intelligenz eine Renaissance. Wie versetzt man sich in den Gesprächspartner? Und schafft es gleichzeitig, eigene Gefühle zu transportieren? Die emotionale Basis zu nähren, setzt vor allem Interesse und die Bereitschaft zum Austausch voraus.

Bei einer Freundschaft auf Distanz wissen wir: Aus der Ferne ist es leichter, eine Beziehung abzubrechen oder einen Kontakt im Sande verlaufen zu lassen. Ähnlich ist es in der virtuellen Zusammenarbeit: Alleine das Gefühl mangelnder Zugehörigkeit drückt auf die Motivation und führt zu weniger Engagement.

Freelancer im Coworking-Space. Arbeitsnomaden ohne festen Schreibtisch. Bis vor wenigen Monaten waren sie eher die Ausnahme.  Inzwischen haben wir fast alle unseren Schreibtisch zumindest zeitweise schon einmal ins Homeoffice verlagert.

1. Das Büro: Sogwirkung und Mehrwert

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Wenn jeder die Freiheit hat, dort zu arbeiten, wo er will, braucht er kein Büro und keinen Schreibtisch mehr. Um unseren Teil der Arbeit gut oder sogar besser erledigen zu können, braucht es allerdings Kollegen und Mitarbeiter. Der persönliche Austausch lässt Projekte schneller voranschreiten. Die Kultur fördert ein kreatives Miteinander, innovative Ideen und wirksame Entscheidungen. Dabei muss die Büroinfrastruktur unterstützen.

Der Trend geht zum Activity Based Working. Dabei wird für jede Anforderung die am besten geeignete Arbeitsumgebung geboten. Spontane Zusammenarbeit, Stand-Up-Meetings, Präsentationen, Seminare und Workshops oder das Gespräch in kleiner, informeller Runde – all das muss einfach zu realisieren sein. Unternehmen werden Räume also zukünftig so gestalten müssen, dass sie eine Sogwirkung erzielen, einen echten Mehrwert bieten.

2. Das Team: Selbstorganisation und Eigeninitiative

Enge Führung behindert den Workflow und funktioniert nicht. Das mussten Führungskräfte während des Lockdowns sehr deutlich erfahren. Und Mitarbeiter, die es schätzen, genau gesagt zu bekommen, was sie wie tun sollen. Durch das Kontrollvakuum ist Raum für Selbstorganisation und Eigeninitiative in der Zusammenarbeit entstanden. Unternehmen, in denen dieser Raum zugelassen und genutzt wird, kommen besser durch Krise und Veränderung als andere.

Der größte Teil unserer Arbeitswelt wird auch in Zukunft nicht berechenbar sein. Dem kann nur durch den „Bau“ von Mannschaften, also interdisziplinären Teams, begegnet werden, die sich selbst organisieren und flexibel auf die wechselnden Anforderungen reagieren. Die wichtigste Arbeit für Unternehmen und Führungskräfte ist es, zu erkennen, welche Aufgaben hierarchisch und durch Arbeitsteilung abgearbeitet werden können und für welche Aufgaben Kollaboration, also echte Zusammenarbeit erforderlich ist.

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3. Virtual/Augmented Reality: Kontext und Interaktion

Wenn Menschen im gleichen Raum zusammenarbeiten, entsteht bei jedem ein Bewusstsein für die Interaktion der Anwesenden. Dieses reduziert den Aufwand für die Koordination von Aufgaben und Ressourcen. Beim Arbeiten auf Distanz fehlt genau das. Teams beginnen das Gefühl füreinander zu verlieren.

Um einer abnehmenden Zusammenarbeit entgegenzuwirken, werden für die Arbeit auf Distanz Büros bereits digital nachgebildet. Die Darstellung der Teammitglieder erfolgt über Fotos oder simple Avatare. Bei Arbeitsbeginn loggen wir uns in ein gemeinsames Büro ein. Der Status signalisiert, ob wir ansprechbar sind oder nicht. Durch die Möglichkeit, einfach in ein anderes Büro gehen zu können, entsteht Spontanität in der Kommunikation.

Einen Schritt weiter gehen Angebote, die VR-Brillen und lebensechte 3D-Avatare nutzen. So können Teammitglieder gemeinsam in einem virtuellen Meetingraum beispielsweise das Whiteboard benutzen. Sie sehen, wie die anderen Anwesenden sich im Raum bewegen und Gegenstände nutzen. Noch etwas weiter in der Zukunft dürfte die Realisierung des Plans eines koreanischen Unternehmens liegen: Telepräsenz-Telefonate mit Hologrammen zu ermöglichen.

4. Die Interdisziplinarität: Annähern und Lösungen

Die zunehmende Komplexität des menschlichen Wissens, gepaart mit der steigenden Schwierigkeit der zu lösenden Probleme, bedeutet, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter zunehmen muss. Und auch erfolgreicher ist: Früher wurden die Studien am häufigsten zitiert, die auf dem Produkt eines einsamen Genies wie Einstein oder Darwin beruhten. Heute, unabhängig davon, ob Forscher Teilchenphysik oder Humangenetik studieren, werden wissenschaftliche Arbeiten mehrerer Autoren mehr als doppelt so häufig zitiert wie die von Einzelpersonen.

Verschiedene Bereiche können voneinander lernen und sich gegenseitig bereichern. Das stellt höhere Anforderungen an die sozialen Fähigkeiten in der Zusammenarbeit. Es geht für die einzelnen Disziplinen darum, durchlässiger zu werden, mehr den Austausch zu suchen. Und es geht darum, andere Perspektiven und Herangehensweisen wertschätzend anzunehmen und daraus gemeinsam Lösungen und Innovationen zu schaffen.

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5. Die Serendipität: Spitzenleistung und Innovation

Das Gebäude 20 des MIT ist eine Legende in Sachen Innovation. 1942 wurde das Gebäude als Behelfsunterkunft für das Strahlen-Laboratorium gebaut. Statt wie geplant nach Ende des Krieges abgerissen, wurde es zu Büros umfunktioniert. Die Nummerierung der Räume und Flügel folgte keinem logischen Muster, sodass auch langjährige Nutzer sich verliefen.

Die Enge ließ die verschiedenen Disziplinen auf Tuchfühlung gehen. Wer das Eisforschungslabor suchte, kreuzte das Rekrutierungsbüro des Militärs. Studenten, die auf dem Weg zum Tech Model Railroad Club waren, schlenderten an neuesten Computerexperimenten vorbei. Der Wissens-Spillover führte zu vielen grundlegenden Entdeckungen und Durchbrüchen. Das Maß an sozialer Serendipität war extrem hoch.

Serendipität bezeichnet eine zufällige Wahrnehmung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Das ist der Fall, wenn wir in einem zufälligen Gespräch einen Gedankenimpuls erhalten. In der virtuellen Zusammenarbeit kommt diese soziale Zufälligkeit fast komplett zum Erliegen. Unternehmen, die auf Innovation angewiesen sind, werden ihre Mitarbeiter immer wieder aus dem Homeoffice holen müssen, um diese zufällige Begegnung zu ermöglichen.

Für oder wider Büro?

Das ungebundene Arbeiten bringt mehr Verantwortung mit sich: Sich selbst gut organisieren zu können und mit den Kollegen in Kontakt zu bleiben, sind Hürden der modernen Arbeitswelt. Haben wir diese gemeistert und genießen die Freiheiten, hat es das altehrwürdige Büro vielleicht schwer, uns von seiner Daseinsberechtigung zu überzeugen.

Bei der Entscheidung „für oder wider Büro?“ wird ausschlaggebend sein, was uns dazu einlädt, an den Ort der Begegnung zurückzukehren.

Die Autorin

Ulrike Stahl

Foto: Kersti Niglas

Ulrike Stahl ist eine gefragte Rednerin – auf der Bühne und online – Autorin und Expertin für Zusammenarbeit und das neue WIR im Business. Sie moderiert live oder remote Zukunfts-Cafés sowie Meetings mit Liberating Structures.

Wie geht konkurrenzlos erfolgreiche Zusammenarbeit? Wie entwickeln wir eine WIR-Kultur für uns selbst, in unseren Unternehmen und Verbänden? Darauf gibt sie Antworten, die wirken.

Sie ist Autorin des Buches „So geht WIRTSCHAFT! Kooperativ. Kollaborativ. Kokreativ.“ – laut Handelsblatt eines der besten Wirtschaftsbücher.

Mehr Infos unter: www.ulrike-stahl.com

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Inhalt: Nach wie vor herrscht in vielen Unternehmensbereichen das klassische Silodenken: Guerillakämpfe zwischen den Abteilungen, Boykott zwischen CEO und Abteilungsleitern, schnelle Gewinnmitnahmen statt nachhaltiger Win-Win-Lösungen. Doch das bringt uns in der heutigen Wissensgesellschaft nicht weiter. Es ist an der Zeit, umzudenken.

Kooperation eröffnet neue geschäftliche Spielräume: Komplexe Aufgaben werden in kürzester Zeit kollaborativ über Abteilungs-, Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg gelöst, kokreativ entstehen zukunftsweisende Innovationen. So geht WIRTSCHAFT heute!

Aber wie bereit und fit sind wir für den notwendigen Wandel? Wie fördert der W.I.R.-Mindset Kooperation? Und wie sind wir auch weiterhin erfolgreich?

Ulrike Stahl ist dem kooperativen Denken und Handeln auf der Spur und illustriert gekonnt, was den Unterschied macht.

Gebundene Ausgabe: 200 Seiten
Verlag: metropolitan
ISBN-13: 978-3961860012
Preis: 29,95 EUR

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