Personal & Weiterbildung
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Die Zukunft der Arbeit können wir uns nur erspielen.

New Work, Spielen
Gastbeitrag von Rüdiger Fox

Schon die biblische Schöpfungsgeschichte beschreibt das Verhältnis zwischen Arbeit und Vergnügen als fundamentalen Widerspruch. So bestraft Gott die erste ungehorsame Handlung des Menschen damit, dass wir zukünftig nur noch »im Schweiße unseres Angesichts« unser Brot werden essen können. Arbeit degradiert zum notwendigen Übel, um unsere Lebensbedürfnisse zu befriedigen, und ist zugleich die Strafe für eine autoritätskritische Willenshandlung. Diese unüberbrückbare Kluft ist insofern nicht nur häufig faktische Lebensrealität, sondern auch als Konzept kulturell tief verankert. Das unvereinbare Gegenteil vom Paradies.

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Unter diesen Rahmenannahmen zu versuchen ein „New Work“ Arbeitsumfeld zu erschaffen, dass die für Kreativität notwendige Selbstmotivation fördert und Menschen ermutigt, in agilen Strukturen eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen, ist absurd. Das kann nicht funktionieren.

Von transaktionaler Effizienzspirale zu Innovationsfähigkeit

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Seit dem Beginn der Systematisierung des Produktivitätsgedankens vor rund 250 Jahren haben wir den Schwerpunkt bei der Veränderung unserer Arbeitswelt darauf gelegt, wie wir mit weniger Einsatz mehr Output erzielen können. Das hat für typische transaktionale Prozesse wunderbar funktioniert und uns in vielen Teilen der Welt einen noch vor kurzen kaum vorstellbaren Wohlstand beschert.

Allerdings wird es angesichts abnehmender Möglichkeiten der Effizienzsteigerung und zunehmender Grenzen unseres Wachstums jetzt unumgänglich, uns in vielem grundsätzlich neu zu erfinden. Jedoch entsteht die hierfür notwendige Innovationsleistung nicht dadurch, dass wir nur neue Ziele festlegen. Kreativität ist das Ergebnis intrinsisch motivierter kognitiver Leistung, die als Voraussetzung Freiräume benötigt, die wir in traditionellen Arbeitsumfeldern systematisch abgeschafft haben.

Digitalisierung drängt den Menschen nicht ab, sondern rückt ihn in die Mitte

Und auch die Digitalisierung wird uns hier nicht helfen. Während viele die Illusion haben, dass die Digitalisierung den Menschen bei der Arbeit zunehmend ersetzen kann, so rückt dieser gerade an anderer Stelle in den Mittelpunkt: Bei der Erschaffung und Umsetzung von Ideen und Konzepten für unsere Zukunft, die früher nie vorstellbar waren.

Hierzu wird nie eine Künstliche Intelligenz fähig sein, die als grundsätzliche Voraussetzung immer einen Lernprozess benötigt, der auf Vergangenheitserfahrungen aufbaut – und jemand, der ihre Ziele definiert. Computer haben nun einmal weder Bewusstsein noch können sie kreativ sein. Sie sind lediglich schneller in Dingen, die wir schon einmal getan haben – inklusive unserer Fehler.

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Agiles Spielen mit bewusstem Kontrollverlust

Während sich die Anforderungen ändern, hat sich auch unser Umfeld grundsätzlich verändert. Die Welt ist VUKA geworden: volatil, unsicher, komplex und ambivalent. In solch einer Welt macht es längst keinen Sinn mehr, nach der „richtigen“ Lösung zu suchen, denn wir wissen nicht, ob die heute perfekte Lösung morgen noch funktioniert – oder vielleicht genau das Gegenteil besser wäre.

Angesichts dessen ist der Ruf nach agilen Strukturen nachvollziehbar, denn sie können zeitnah und flexibel auf Veränderungen reagieren – in der Theorie. In der Praxis erfordert es allerdings, dass wir innerhalb solcher Strukturen Räume schaffen, die konsequent das Gegenteil von unserer bisherigen Arbeitswelt bieten: Entscheidungsfreiheit, Fehlertoleranz und der Wegfall von Kontrolle.

Dies hat nichts mehr mit unserem bisherigen kulturellen Arbeitsverständnis zu tun, sondern mit etwas, das wir bisher mit unserem Drang nach Ernsthaftigkeit zurückgedrängt haben: dem Spielen. Denn im Spiel akzeptieren wir Grenzen als notwendig für den Spielspaß, während wir innerhalb dieser angstfrei und selbstmotiviert ausprobieren können, wie wir am besten das Spielziel erreichen.

Sinn der Arbeit als Schlüssel zu Selbstbestimmtheit.

Während unsere Sozialisierung uns noch vielfach suggeriert, dass wir unsere Bedürfnisse am ehesten durch Steigerung unseres materiellen Besitzes befriedigen können und daher zusätzliche Anstrengung uns die Illusion vermittelt, wir könnten hierdurch unsere Lebenszufriedenheit steigern, funktioniert diese Gleichung zunehmend schlechter. Der Ruf nach Work-Life-Balance ist hier nur ein Symptom dafür, dass der Preis der Arbeit immer seltener den Lebensverlust wettmacht.

Doch was wäre, wenn wir es schaffen, die Sinnhaftigkeit der Arbeit über den Verdienst des eigenen Lebensunterhaltes zu erheben und Unternehmen zu schaffen, deren gesellschaftlicher Beitrag direkt das erfüllt, was Victor Frankl als eines der stärksten menschlichen Bedürfnisse bezeichnet: die Suche nach einem Sinn im Leben.

In Kombination mit einer Kultur des Spiels könnte Arbeit dann zu einem bereichernden Teil unseres Lebens werden, in dem wir unsere Selbstbestimmtheit wiederfinden können – die Rückfahrkarte in das Paradies.

Der Autor

Rüdiger Fox

Foto: Sandra Steh

Rüdiger Fox ist erfahrener Krisenmanager und innovativer Neudenker. Derzeit ist er CEO von Sympatex. 2005 wurde Fox in New York mit dem Spirit at Work Award ausgezeichnet, 2020 erhielt er den renommierten Planetary Consciousness Award des Club of Budapest. Sein Buch „Der 0,1-Prozent Joker“ ist vor Kurzem im Murmann Verlag erschienen.

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Das Buch zum Thema

Titel: Der 0,1-Prozent-Joker: Wie wir unsere Freiheit zurückerobern und ganz nebenbei die Welt retten*

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Inhalt: Die meisten Entscheidungen treffen wir aufgrund angelernter Standards wie im Autopiloten. In der heutigen komplexen, volatilen Welt funktionieren die alten Strategien aber oftmals nicht mehr. Es ist daher an der Zeit zu lernen, die Perspektiven zu wechseln, in neue Rollen zu schlüpfen – und unsere Entscheidungen neu zu kalibrieren, indem wir SPIELEN. Ja, SPIELEN! Denn die Fähigkeit zu spielen, setzt genau die Kompetenzen frei, die wir in diesen unvorhersehbaren Zeiten und in der zukünftigen Welt brauchen.

Eindrucksvoll beschreibt Rüdiger Fox, wie wir unsere individuellen und gesellschaftlichen Potenziale spielerisch neu entfalten können. Dabei durchschreiten wir unterschiedliche Spielsituationen, in denen der jeweilige 0,1-Prozent Joker uns die passenden »Superkräfte« verleiht. Wirkt die Situation aussichtlos und sind die Widerstände übermächtig? Dann hilft der Joker „ATHLET:IN“ und Sie entfesseln ungeahnte Energie für die richtige Sache. Werden Sie eingeengt durch starre Strukturen? Der Joker „HOFNARR/-NÄRRIN“ hilft Ihnen dabei, mit Witz die mentalen Modelle dahinter zu entlarven und die Fesseln zu sprengen. Schlüpfen Sie je nach Herausforderung in die jeweilige Rolle und entdecken Sie mit sieben verschiedenen Jokern spielend die Fähigkeiten, die in Ihnen stecken.

Rüdiger Fox verbindet Spielforschung mit Anthropologie zu einem neuen Weg, spielerisch unsere Persönlichkeit zu entwickeln, unsere Selbstbestimmtheit wiederzuerlangen, und vielleicht sogar am Ende die Welt zu retten. Denn er sagt: Nur mit mehr Kreativität und Kooperation in angstfreien Räumen können wir unserem Leben und der Welt den entscheidenden Richtungswechsel geben. So wird aus den tiefen Einblicken in unsere Gegenwart eine wunderbare Reise in eine menschliche Zukunft, in der SPIELEN zur alles entscheidenden Kompetenz wird – angereichert durch viele persönliche Erfahrungen und spannende Beispiele aus allen Lebensbereichen.

Herausgeber: ‎Murmann Publishers
Taschenbuch: 350 Seiten
ISBN: 978-3867746977
Preis: 24,00 EUR


New Work, Spielen

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