Wer ein Unternehmen gründet, muss früh entscheiden: Einzelunternehmen, GbR, UG oder GmbH? Die Rechtsform bestimmt, wie du haftest, wie du besteuert wirst und wie viel Kapital du brauchst. Eine nachträgliche Änderung ist möglich, aber aufwendig – deshalb lohnt es sich, die Entscheidung von Anfang an durchzudenken.
Dieser Artikel gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Rechtsformen und zeigt, welche Fragen du dir vor der Wahl stellen solltest.
Inhalt
Personengesellschaft vs. Kapitalgesellschaft
Grundsätzlich unterteilt man Gesellschaften in Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Unterschiede sind erheblich und je nach Unternehmen verbietet sich die eine oder andere Gesellschaftsform von alleine.
Wer mehr Details braucht, der sollte sich auf jeden Fall mit einem Fachanwalt und/oder Steuerberater zusammensetzen, denn gerade was die Themen Haftung und Besteuerung angeht sind doch so einige Dinge zu beachten!
Hier die wesentlichen Unterschiede im Überblick:
| Personengesellschaft | Kapitalgesellschaft | |
|---|---|---|
| Art | Natürliche Personen | Juristische Person |
| Anzahl der Gründer | Mindestens zwei (Ausnahme: KapG & Co. KG) | Auch alleine möglich |
| Geschäftsführung / Vertretung | Grundsätzlich jeder Gesellschafter | Leitung über bestimmte Gremien, z.B. Vorstand oder (Fremd-)Geschäftsführer |
| Haftung | Persönlich und unbeschränkt (Ausnahme: Kommanditist bei KG) | Begrenzt auf Gesellschaftsvermögen |
| Mindestkapital | Kein Mindestkapital | GmbH: 25.000 € / UG: 1 € / AG: 50.000 € |
| Gesellschaftsvertrag | Formfrei (Schriftform ist aber sinnvoll) | Notarielle Beurkundung |
| Besteuerung | Jeder Gesellschafter zahlt einzeln | Über Körperschaftsteuer |
| Pflicht zur Offenlegung | Keine Offenlegung (Ausnahme: GmbH & Co. KG) | Offenlegung |
| Unternehmensformen (Beispiele) |
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Vorüberlegungen zur Rechtsformwahl
Nicht jede Rechtsform ist für jedes Unternehmen geeignet – und nicht immer ist die attraktivste Option auch die sinnvollste. Je nach Kerngeschäft, Gesellschafterstruktur und Kapitalbedarf können sich die Unterschiede erheblich auswirken.
Hier ein paar Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man zur Tat schreitet:
Gründe ich alleine oder zu mehreren?
Wenn ich alleine bin, fallen GbR, OHG, KG und GmbH schon mal raus, da hier mindestens zwei Gesellschafter erforderlich sind.
Wer alleine gründet, kommt nur als Einzelunternehmer oder in Form einer Kapitalgesellschaft (UG, GmbH) in Frage.
Ist eine Haftungsbegrenzung wichtig oder nicht?
Je nach Kerngeschäft handele ich mit großen oder eher kleinen Risiken. Wer sich unbedingt finanziell absichern muss, z.B. weil er in großem Stil Im- und Export betreibt und große Warenmengen vorfinanzieren muss, der ist mit einer Kapitalgesellschaft sicherlich besser beraten, da hier die Haftung auf das Firmenvermögen beschränkt ist.
Wobei man nicht vergessen darf, dass Banken für größere Kredite häufig eine private Bürgschaft der Gesellschafter verlangen, womit die ganze Haftungsbeschränkung dann für die Katz ist.
Wie viel Kapital habe ich zur Verfügung?
Auch das ist eine der Vorüberlegungen. Denn auch wenn die Stammeinlagen nicht auf einmal eingezahlt werden müssen, so sollte man sich doch überlegen, wie viel Geld man eigentlich für die Rechtsform investieren möchte und kann. 1 EUR für eine Unternehmergesellschaft (UG) belastet das Budget deutlich weniger als 50.000 EUR für eine Aktiengesellschaft (AG).
Auch beim Gesellschaftsvertrag wird es natürlich teurer, je komplexer die Unternehmensform ist, die ich wähle. Den Vertrag für eine Kapitalgesellschaft muss man sich notariell beurkunden lassen und das kostet natürlich.
Steuerliche & buchhalterische Folgen der Rechtsform eines Unternehmens
Kapitalgesellschaften müssen grundsätzlich eine Bilanz erstellen. Das ist meist verbunden mit den Kosten für einen Steuerberater oder eine speziell ausgebildete Fachkraft im Unternehmen selbst. Buchhaltung und Jahresabschluss sind daher meist teurer, als bei einer einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung und auch die Formvorschriften sind weitaus komplexer.
Auch die steuerlichen Belastungen für Unternehmen sind je nach Gesellschaftsform sehr unterschiedlich. In Personengesellschaften erfolgt die Besteuerung für jeden Gesellschafter individuell, bei Kapitalgesellschaften wird das Unternehmen als juristische Person selbst steuerpflichtig.
Die steuerlichen Konsequenzen der Rechtsformwahl sind komplex und hängen von der individuellen Situation ab. Eine Beratung durch einen Steuerberater ist hier keine Option, sondern Pflicht.
Was du vor der Entscheidung wissen solltest
Je früher du dich mit der Rechtsform auseinandersetzt, desto besser. Aktivitäten vor der Gründung oder Umwandlung können unter einer anderen Haftungs- und Steuerlogik laufen als geplant – das lässt sich vermeiden, wenn die Entscheidung rechtzeitig fällt.
Je größer, komplexer und internationaler ein Unternehmen aufgestellt ist, desto mehr kommt es auf die Details an. Ein Anwalt oder Steuerberater ist hier keine Option, sondern Grundlage.
Für den Überblick über einzelne Gesellschaftsformen:
Was ist eine OHG? Was ist eine AG? Was ist eine KG? GmbH oder UG – so entscheidest du richtigWer alle Rechtsformen in Deutschland auf einen Blick sehen will, findet bei Wikipedia eine vollständige Übersicht – als Ergänzung, nicht als Entscheidungsgrundlage: Rechtsformen von Unternehmen in Deutschland.
Rechtsform ist keine Formalie
Die Wahl der Rechtsform ist eine der wenigen Gründungsentscheidungen, die sich später nur mit erheblichem Aufwand korrigieren lässt.
Wer sich frühzeitig die vier zentralen Fragen stellt – Allein oder zu mehreren? Wie viel Haftungsschutz? Wie viel Kapital? Welche Buchführungspflichten? – kommt in der Regel zu einer tragfähigen Entscheidung.
Für alles, was darüber hinausgeht, ist ein Steuerberater oder Anwalt kein Luxus, sondern Grundlage.

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